Architektur
Bruder-Klaus-Kirche: «Die Fenster vermitteln ein theologisches Programm»

Der Urdorfer katholische Pfarrer Max Kroiss weiss, was er an seiner Kirche hat. Vor allem die Fenster haben es ihm angetan. Sie seien genau dort, wo sie theologisch durchdacht auch hingehören.

Flavio Fuoli
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«Die Himmelsleiter ist mein Lieblingsfenster.»

«Die Himmelsleiter ist mein Lieblingsfenster.»

Sie sind ein grosser Bewunderer der Bruder-Klaus-Kirche. Was gefällt Ihnen besonders an ihr?

Max Kroiss: Ja, ich bin ein grosser Bewunderer der Kirche. Sie gefällt mir als architektonische Gesamterscheinung. An der Kirche selber gefallen mir die Fenster, das ist klar.

Wieso ist das klar?

Weil die Fenster ein theologisches Programm vermitteln. Sie sind genau an den Ort gesetzt, wo sie hingehören, das ist theologisch gut durchdacht. Ich machte schon Führungen am Urdorfer Kulturtag.

Welches ist Ihr Lieblingsfenster?

Das ist die Himmelsleiter. Da schläft Jakob an einem Stein, wie es im Alten Testament geschrieben steht, und träumt, dass Engel vom Himmel herunter- und wieder hinaufsteigen. Das ist ein transzendentales Erlebnis für ihn. Oben ist die Hand Gottes, die hält die Leiter. Farblich ist sie in Orange gehalten, einer Mischung von Rot und Gelb. Rot ist die Farbe der Liebe, Gelb die der Sonne und von Gott. Mit der Farbe ist die Zuwendung Gottes ausgedrückt. Jakob wacht auf, nimmt den Stein und salbt ihn, stellt ihn hin und sagt, das sei das Tor zum Himmel. Bei uns steht der Altar an dieser Stelle. Er ist ein Monolith, der gesalbt ist. Dort feiern wir die Eucharistiefeier.

Welches ist Ihr liebster Ort in der Kirche?

Er wird es wohl werden in der Marienkapelle, in der derzeit gebaut wird. Die Marienstatue hat während des Umbaus einen Erker bekommen. Wenn man eintritt, geht man direkt auf den Erker zu. Er steht in unmittelbarer Nähe zum Fenster, das Maria thematisiert.

Welche Bedeutung hat die Kirche aus kulturhistorischer Sicht?

Schwierig zu sagen. Theologisch hat für uns alle eine Bedeutung, zum Beispiel auch das ganz grosse Bild von Bruder Klaus. Es verzaubert die Kirche mit den Farben. Es ist eine Abstraktion der originalen Meditationsbilder von Bruder Klaus. Damit werden Anspielungen in den sechs Medaillons auf die Werke der Barmherzigkeit thematisiert. Kulturhistorisch ist die Kirche ein markantes Beispiel für die Architektur der 60er-Jahre.

Wie gefällt Ihnen das Wandgemälde von Eva Pauli, das stilisierte Kreuz?

Weil der Altar dort steht, das Tor zum Himmel, stellt es für mich den Himmel dar. Man muss sich jedoch gar nichts Konkretes vorstellen. Ob Kreuz oder Baum, es ist einfach Himmel. Was auch noch ist: Wenn abends die Sonne durchs Bruder-Klaus-Fenster hineinscheint, dann nimmt alles die Neigung und Farben des Chorbilds auf.