Birmensdorf
Brücke schwebt an ihren Platz

Der Übergang über den Wüeribach wurde in einem speziellen Verfahren erneuert

Anina Gepp (Text und Fotos)
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Auf der alten Brücke baute Ingenieur Jack Tobler eine neue: Am Freitagmorgen wurde die Konstruktion endlich an den Ursprungsort zurückversetzt und betoniert.

Auf der alten Brücke baute Ingenieur Jack Tobler eine neue: Am Freitagmorgen wurde die Konstruktion endlich an den Ursprungsort zurückversetzt und betoniert.

Anina Gepp

Für den Oberengstringer Ingenieur Jack Tobler ist gestern ein ganz besonderes Projekt erfolgreich zu Ende gegangen. Nach monatelanger Tüftelei und Arbeit ist sein «Leckerbissen», wie er die Brücke am Wüeribach liebevoll nennt, erfolgreich an den Ursprungsort zurückversetzt worden. Die Konstruktion kostete ihn viel Zeit und brachte ihn nicht selten um den Feierabend. Doch all das habe sich mehr als gelohnt: «Gerade die Kleinigkeiten, die schieflaufen und nicht vorhersehbar sind, machen meinen Beruf so interessant.»

Am 17. Juni 2015 wurde die neue von der alten Brücke gelöst und bachabwärts abgesetzt. Danach wurde zuerst die alte Brücke abgebrochen, bevor die neue gestern wieder an den ursprünglichen Standort versetzt und einbetoniert werden konnte.

Brücken- Rückverschiebung am Wüeribach
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Brücken- Rückverschiebung am Wüeribach
Brücken- Rückverschiebung am Wüeribach
Brücken- Rückverschiebung am Wüeribach
Geklappt! Es darf angestossen werden.

Brücken- Rückverschiebung am Wüeribach

Anina Gepp

Die alte Brücke wurde nicht wie üblich abgerissen und neu gebaut. Vielmehr diente sie als Schalung für den neuen Übergang. Diese Methode, auf der alten Brücke eine neue zu bauen, war auch für den erfahrenen Ingenieur neu. Die neue Brücke brauchte es, da das Bachbett verbreitert wird. Der Kanton will damit sicherstellen, dass der Bach bei Hochwasser nicht mehr über die Ufer tritt. Deshalb wird das Bachbett abgesenkt und verbreitert. So wird die Kapazität des Bachs von 13 auf 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde gesteigert. Die Sicherheitsvorkehrungen sollen zudem mit einer schöneren Gestaltung des Lebensraums am Bach kombiniert werden. Entstehen wird bis im Sommer 2016 eine Naherholungszone mit einem Sitzplatz und einer Aussichtsplattform. Das kantonale Projekt kostet insgesamt 4,8 Millionen Franken. Davon trägt die Gemeinde 200 000 Franken.

Millimeterarbeit ist gefragt

Das gestrige Spektakel dauerte rund 45 Minuten. Dafür zirkelte der 17 Meter hohe Kran noch einmal den schmalen Weg entlang des Bachs, und auch die Bauherren versammelten sich neugierig rund um die Brücke.

Die 24 Zentimeter dicke Konstruktion wurde durch vier Stahlseile nach oben gezogen und auf die neue Verankerung abgesetzt. Eine Millimeterarbeit: Gleich sechs Männer gleichzeitig kontrollierten, ob alles aufeinaderpasst. Auf der einen Seite musste nochmals nachgegraben werden, da die Brücke noch nicht gerade auf die Lager aufgekommen war. Tobler liess sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Nach mehrmaligem Zirkeln und erneutem Anheben der Brücke passte es schliesslich perfekt. Der Ingenieur und die Bauherren konnten aufatmen.

Peter Baur, der mit seiner Frau Birgitta im Haus neben der Brücke wohnt, tischte den Prosecco auf. Ein Moment, der gefeiert werden musste. Da liess sich auch Tobler nicht zweimal bitten. Er sei erleichtert und auch etwas stolz, dass alles geklappt habe, sagte er. Denn das könne man im Voraus nie wissen.

Grosses Vertrauen

Der Ingenieur, der seit 1979 selbstständig ist, war sich seiner Verantwortung zu jeder Zeit bewusst. Passiere ein Missgeschick oder gar ein Unfall, falle das auf den Ingenieur zurück, sagte er. Deshalb dürfe man sich keinerlei Fehler erlauben. Vor allem in der Schweiz sei das Vertrauen, das Ingenieuren gegeben werde, enorm gross. In anderen Ländern wie Südafrika, Russland oder Italien, wo Tobler ebenfalls Projekte realisiert hat, seien die Kontrollen viel strenger als in der Schweiz. Denn hier müsse man keine statische Rechnung vorlegen, wenn man ein Projekt durchführe. In seiner ganzen Karriere sei es aber glücklicherweise noch nie vorgekommen, dass jemand zu Schaden gekommen ist.