Mathematik-Olympiade

Bronzenmedaillengewinnerin: «In China ist alles ein wenig spontaner als hier»

Die glückliche Bronzenmedaillengewinnerin repräsentiert die Schweiz an der Mathematik-Olympiade.

Die glückliche Bronzenmedaillengewinnerin repräsentiert die Schweiz an der Mathematik-Olympiade.

Austauschschülerin Yuxi Zheng hat sich an der Kanti Limmattal gut eingelebt – an der Mathematik-Olympiade zeigte sie kürzlich nicht nur ihr Talent für Zahlen.

Dass Yuxi Zheng erst seit einem Dreivierteljahr in der Schweiz lebt, merkt man ihrer Aussprache kaum an. «Ich hatte am Anfang ein wenig Mühe mit der deutschen Sprache, vor allem Schweizerdeutsch ist schwierig zu verstehen», sagt die 16-jährige Chinesin bescheiden. Als sie jüngst an der European Girls Mathematical Olympiad eine Bronzemedaille gewann, zeigte sie auch ihre Sprachkompetenz: «Ich habe an der Mathe-Olympiade alle Prüfungen auf Deutsch absolviert und hatte mit der Sprache keinerlei Probleme.»

Seit August 2016 besucht sie die Kantonsschule Limmattal in Urdorf und lebt in einer Gastfamilie in Hedingen. Vor ihrem Austausch konnte sie sich lange nicht entscheiden, ob es nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz gehen sollte. Wichtig war ihr vor allem der deutschsprachige Raum, da sie die deutsche Sprache besonders schön findet. Mit ihrer Mutter war sie bereits vor drei Jahren zu Besuch in der französischsprachigen Schweiz, in Genf und in Lausanne. Das war dann der ausschlaggebende Punkt, ihr Austauschjahr hier zu absolvieren. Nach neun Monaten hat Zheng sich gut eingelebt: «Ich fühle mich wohl hier und habe am Gymnasium viele Freundschaften schliessen können.»

Schweizer nimmt Zheng bisher als sehr zuvorkommend und freundlich wahr. Die kulturellen Unterschiede seien jedoch noch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Ihre Gastfamilie etwa führt einen detaillierten Tageskalender. «Hier wird alles aufgeschrieben und man hat für fast alles einen genauen Plan. Das Abendessen wird immer pünktlich um eine bestimmte Uhrzeit serviert. In China ist alles ein wenig spontaner», sagt sie.

Mathekurse an der ETH

Bei ihrer beeindruckenden Leistung an der Mathematik-Olympiade trat Zheng in der europäischen Konkurrenz gegen 168 Schülerinnen aus 43 Ländern an, und holte die Bronzemedaille. Die viereinhalbstündige Prüfung auf dem Campus Irchel der Universität Zürich forderte ihr intellektuell einiges ab. «Es war anspruchsvoll, aber Mathematik hat mir schon immer Freude bereitet. In meiner Klasse war ich von Anfang an ziemlich gut. Meine Lehrer ermutigten mich, an der Olympiade teilzunehmen», sagt sie.

In China trat sie bereits für die nationale Olympiade an, schaffte es aber nur in die Vorrunde. Die Bronzemedaille an der europäischen Mathematik-Olympiade für Mädchen hat sie sich mit langer Vorbereitung auf die Prüfung erarbeitet. Unter anderem besuchte sie jeweils die Dienstagabendkurse für Mathematik an der ETH Zürich.

Im Juni dieses Jahres wird Zheng in ihre Heimat zurückkehren. Aber vorher ist ihr Zahlentalent noch einmal gefragt. Denn weitere Prüfungen im Mai entscheiden darüber, welche sechs Mathematiktalente für die Schweiz an die internationale Mathematik-Olympiade (IMO) in die brasilianische Hauptstadt Rio de Janeiro reisen werden. Die Medaillengewinner werden also noch einmal um die Wette denken. Doch das ist nicht ihre einzige Chance, international für die Schweiz anzutreten. Denn ebenfalls im Mai wird entscheiden, welche sechs Jugendlichen für die Schweiz an der Middle European Mathematical Olympiad nach Vilnius in Litauen antreten dürfen. Die Qualifikation wird in Kooperation mit der ETH durchgeführt. Dazu werden mehrere Schulungstage, ein Trainingslager und mehrere Prüfungen abgehalten. Zheng möchte ihr Können noch einmal beweisen: «Ich würde mich freuen, wenn ich die Schweiz wieder repräsentieren darf.»

Schweizer sind gut im Englisch

Mathematik ist nicht das einzige Fach, in dem die junge Chinesin begabt ist. «In China war ich sehr gut in der englischen Sprache. Ich habe jedoch festgestellt, dass hier in der Schweiz fast alle gut im Englisch sind», sagt Zheng und lacht. Auch im Fach Kunst erhält sie regelmässig gute Noten. Am liebsten malt sie mit Wasserfarben: «Ich habe ein Tagebuch, in dem ich jeden Tag etwas male oder zeichne, das mich gerade inspiriert.»

In ihrer Freizeit spielt das Multitalent ausserdem Klavier in einer Band der Kanti Limmattal, ging im Winter regelmässig auf der Kunsteisbahn Weihermatt Schlittschuhlaufen und spielt Tischtennis – «wie alle Chinesen», sagt sie lachend.

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