Urdorf
Brigitta Johner tritt an, Politik zu übersetzen

Die frisch gewählte Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner fordert eine ernsthafte Politik – sie selbst hat Spass daran.

Jürg Krebs
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Die Feier von Brigitta Johner
17 Bilder
Wurst und Brot für die Urdorfer Bevölkerung
Willy Haderer, Michael Hengartner und Esther Guyer
Ursula Hofstetter mit Adrian Leimgrübler
Thomas Gähwiler und Hélène Vuille
Theo Quinter, Michael Deplazes und Andreas Geistlich (von links)
Rolf Steiner und Divisionär Hans-Peter Kellerhals
Musikalische Untermalung durch die Harmonie Urdorf
Martin Würgler, Kommandant der Kantonspolizei Zürich, begrüsst die neue Kantonsratspräsidentin
Johners Vorgänger Bruno Walliser
Die Zugkomposition Urdorf fährt am Bahnhof Weihermatt ein
Die frischgebackene Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner mit Standesweibel Peter Sturzenegger
Die Clique Schäflibach empängt die Kantonsratspräsidentin
Die Kantonsratspräsidentin mit Ehemann Martin Johner und dem Standesweibel
Der Lunapark war die zweite Station für die höchste Zürcherin
Der Chef der Armee André Blattmann beglücktwünscht Brigitta Johner
Böller zum Salut durch die Knabengesellschaft

Die Feier von Brigitta Johner

Emanuel Freudiger

Immer wieder war das Glanzresultat Gesprächsthema: Brigitta Johner ist gestern Morgen mit 169 Stimmen zur Präsidentin des Kantonsrats gewählt worden. 173 wären an diesem Tag möglich gewesen. Das Resultat zeigt: Die liberale Bildungspolitikerin aus Urdorf wird respektiert im Kantonsrat, und das über alle Fraktionen hinweg. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Bis zum Nachmittag hatte sich die gute Nachricht bis nach Urdorf herumgesprochen, wo die Festivitäten zu Johners Ehren bis in die Nacht hinein stattfanden, organisiert von der Gemeinde und moderiert vom Dietiker Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart. Johners Arbeit als Politikerin wurde in den Gesprächen anerkennend gewürdigt.

Brigitta Johner selbst freute sich riesig über ihren Erfolg bei der Wahl und die vielen Ehrbezeugungen: Es sei ihr eine Ehre und Verpflichtung zugleich, gestand sie. «Ich hätte nicht zu träumen gewagt, was ich heute erlebe», sagte Johner in Urdorf beim Empfang durch die Gemeinde, ihre Vereine und die Bevölkerung auf dem Festplatz des am Donnerstag startenden Urdorffestes. Als sie vor dreissig Jahren nach Urdorf gezogen ist, war die Politik noch kein Thema für sie. Doch nur zwei Jahre später wurde sie Schulpflegerin und damit begann ihre Karriere, die einen ersten Höhepunkt als Kantonsratspräsidentin fand. Johner findet: «Politik macht Spass.»

Das Lob der Regierungspräsidentin

Regierungspräsidentin Regine Aeppli lobte am Abend in ihrer Bankettrede im Festzelt Johners Fähigkeit, verschiedene Standpunkte zu verbinden, was im Präsidialjahr sehr hilfreich sei. Zudem erinnerte Aeppli daran, dass Johner als damalige Kommissionspräsidentin Bildung und Kultur geholfen habe, das Volksschulgesetz nach der bitteren Abstimmungsniederlage 2005 auf neue Füsse zu stellen und zum Erfolg zu führen.

Brigitta Johner ist die erste Politikerin aus den Gemeinden des Bezirks Dietikon, der die Ehre der Wahl zur Kantonsratspräsidentin zuteil wird, und zwar seit 34 Jahren und Ernst Spillmann (SP, Urdorf). Spillmann selbst weilte auch unter den Gästen.

Brigitta Johner ist seit 2000 Kantonsrätin. Sie präsidierte von 2001 bis 2008 die Kommission für Bildung und Kultur. Seit 2009 ist Johner Geschäftsleitungsmitglied des Kantonsrats. Von 1986 bis 1998 war sie Schulpflegerin in Urdorf.

«Respekt und Fairplay»

Am Morgen hatte Brigitta Johner in ihrer Antrittsrede von den Kantonsräten «Respekt und Fairplay» eingefordert. Und: Nur eine prosperierende Wirtschaft und Innovationskraft könnten die Ansprüche an Bildung, Soziales und Gesundheit garantieren. Dafür müsse der Rat sorgen. Johner tritt auch an, um Politik erlebbar zu machen und für die Bevölkerung verständlich zu übersetzen. Zur ersten Vizepräsidentin wurde Theresia Weber-Gachnang (SVP, Uetikon a. S.) gewählt. Zweiter Vizepräsident wurde Rolf Steiner (SP, Dietikon).

Der abtretende Ratspräsident Bruno Walliser (SVP, Volketswil) hat sein Präsidialjahr genossen, wie er erklärt hatte. Er sei sehr stolz, den Kanton Zürich ein Jahr lang repräsentiert zu haben. Diesen habe er an 156 Veranstaltungen vertreten. Seine wichtigsten Ziele habe er erreicht: Die Kleidergösse halten, den Pendenzenberg abbauen und etwas mehr Ruhe in die Ratssitzung zu bringen. Letzteres habe aber nur bedingt funktioniert, wie Walliser schmunzelnd gestand. In der Richtplan- und ZKB-Debatte seien wichtige Entscheide gefällt worden. Walliser schloss mit denselben Worten, mit denen er vor einem Jahr sein Präsidialjahr begonnen hatte: «Mir sind Züri».

Lehrreich und lustig

Brigitta Johner hatte sich bei Walliser dafür bedankt, dass sie ein «lehrreiches und lustiges Jahr» als seine rechte Hand habe verbringen dürfen. Die neu eingeführte Redezeitbeschränkung habe es ermöglicht, die Pendenzenliste auf ein Tiefniveau abzubauen. Zum Dank für seine Arbeit erhielt Walliser den «Silbernen Löwen» verliehen, die höchste Auszeichnung des Kantons.