Laut Anklage hat ein Dietiker Bordellbetreiber eine Prostituierte ausgebeutet und auch geschlagen. Nicht zu beweisen, befand nun das Gericht und sprach dem Unternehmer eine Genugtuung von 20000 Franken sowie einen Schadenersatz von 165000 Franken zu.

Es war im März 2009, als der Dietiker Bordellbetreiber von der Polizei festgenommen wurde und für 44 Tage in der Untersuchungshaft verschwand. Nach seiner Entlassung folgte der rasante gesellschaftliche Abstieg des bisher erfolgreichen Familienvaters. Er verlor Frau, Haus und seinen Job als Wassersportler. Heute lebt er teilweise von der Sozialhilfe.

Seit Mitte September musste sich der Beschuldigte wegen Förderung der Prostitution, Drohung, Nötigung sowie Tätlichkeiten vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Laut Anklage hatte er in seinem Bordellbetrieb eine zunächst bevorzugte Prostituierte gegen ihren Willen zu Gruppensex mit mehreren Kunden gezwungen, finanziell ausgenutzt und auch bedroht. Zudem soll er die Südamerikanerin geschlagen und gewürgt haben. Bei einem Schuldspruch drohte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Die Vorwürfe der Anklage gründeten vorwiegend auf den Belastungen der Geschädigten. Der Beschuldigte sprach dagegen von einem Racheakt seiner früheren Angestellten.

Zu uneinheitliche Aussagen

Am Freitag kam das Gericht zu einem umfassenden Freispruch. Auf die Tätlichkeiten traten die Richter infolge Verjährung gar nicht mehr ein. Die Aussagen von verschiedenen Personen im Verfahren seien zu uneinheitlich und zu vage ausgefallen, führte der Gerichtsvorsitzende Stephan Aeschbacher aus. So seien sowohl der Beschuldigte als auch die Privatklägerin unvorteilhaft beschrieben worden. Die Geschädigte sei von Zeugen als emotional, aufbrausend und kohlengeil bezeichnet worden. Sie habe wegen des Geldes bei den Gruppensex-Partys freiwillig mitgemacht und immer die Queen spielen wollen, wurde von Verfahrensbeteiligten ausgeführt.

Für einen Schuldspruch reiche die Beweislage nicht aus, fasste Aeschbacher zusammen, warnte aber vor dem Umkehrschluss, dass die Geschädigte deshalb nicht die Wahrheit gesagt habe. Jedenfalls wurde dem Familienvater für die Haftzeit und den damaligen Medienberichten eine Genugtuung von 20000 Franken zugesprochen. Für die Verfahrensdauer von dreieinhalb Jahren und dem damit zusammenhängenden Verdienstausfall erhielt er zudem einen Schadenersatz von 165000 Franken. Der Angeschuldigte war nach dem Freispruch sichtlich erleichtert. Allerdings kann die unterlegene Staatsanwaltschaft noch Berufung einlegen.