Nur wenige Autos verirrten sich bis anhin in den östlichen Teil der Sonnenbergstrasse. Ausser die Bewohner der angrenzenden Siedlung «Belaria» werden es wohl nur Automobilisten gewesen sein, die sich verfahren haben. Der Grund: Wer von der Ankenhofstrasse links in die Sonnenbergstrasse einbog, dem versperrten zwei steinerne Becken nach rund 80 Metern den Weg. Mit viel Grünzeug überwachsen und zwei Bäumchen ausgestattet, war der Abstand zwischen ihnen gerade breit genug, damit Velofahrer und Fussgänger passieren konnten. Seit vergangener Woche, Mittwochmorgen um neun, gehört diese Strassensperre jedoch der Vergangenheit an.

Im vergangenen November trat ein Quartierbewohner mit einer Anfrage an den Gemeinderat. Er wollte wissen, wozu diese Zweiteilung der Sonnenbergstrasse denn diene und warum man sie nicht öffnen könne. Der Bau-, Werk- und Strassenvorstand René Beck (CVP) hatte von Anfang an ein offenes Ohr für dieses Anliegen: «Ich fragte mich sogar, warum der Gemeinderat nicht selber auf diese Idee gekommen ist.»

Strassensperrung wegen Bordells

Der östliche Teil der Sonnenbergstrasse wurde erst vor gut elf Jahren gebaut. Sie sollte als Erschliessungsstrasse für die damals 109 neu entstandenen Eigentumswohnungen dienen. Diese wurden in den Jahren 2003 und 2004 gebaut und sind auf elf Wohnhäuser aufgeteilt. Der Name: «Belaria». Die nördlich davon gelegene Sonnenbergstrasse gehört noch heute den «Belaria»-Liegenschaftsbesitzern, wird jedoch öffentlich-rechtlich genutzt. Dass man die neue Strasse nicht durchgehend befahrbar machte, habe, so Beck, mit dem ehemals bekanntesten Puff der Schweiz, dem Sakura Fantasyland, zu tun.

Das berühmt-berüchtigte Bordell an der Märzenbühlstrasse 14, wenige Meter von der Sonnenbergstrasse entfernt, war in den 1990er- und 2000er- Jahren schweizweit bekannt. Beheimatet war es in einem ehemals öffentlichen Hallenbad, das nicht rentabel betrieben werden konnte, mitten im Wohnquartier. Die Kundschaft bestand mehrheitlich aus gut verdienenden Männern. Der Eintritt zu einer sogenannten Tuttifrutti-Nacht im Klub kostete rund 500 Franken. Darin enthalten waren sämtliche Dienstleistungen sowie Getränke à discrétion. In einer durchschnittlichen Nacht seien rund 60 Männer sowie acht bis zehn Paare an die Märzenbühlstrasse gepilgert, wie dem Zeitungsarchiv zu entnehmen ist. Genau dies ist der Grund, warum die Sonnenbergstrasse nach ihrem Bau nicht durchgehend befahrbar war. «Die Bewohner des Quartiers störten sich neben dem Lärm aus dem Etablissement auch am Schleichverkehr im Quartier», wie René Beck erklärt. So hätten nur wenige Besucher des Sakura Fantasyland ihre Fahrzeuge direkt in den zum Bordell gehörenden Parkfeldern abgestellt. «Viel eher waren die Kunden daran interessiert, im Quartier zu parkieren, sodass sie anonym bleiben konnten», sagt er.

Sperrung bedeutete Schutz

Die Sperrung der Strasse bescherte den Anwohnern einerseits nächtliche Ruhe und gewissen Schutz vor Wildwuchs in Sachen Parkieren, für andere bedeutete sie jedoch ein Umweg. Automobilisten, die an der westlichen Seite der Sonnenberstrasse wohnten und in Richtung Zürich fahren wollten, mussten über die Märzenbühl- und Gartenstrasse, um auf die Zürcherstrasse zu gelangen.

Anfang 2014 dann, erteilte der Oberengstringer Gemeinderat der Lang Management AG eine Baubewilligung für vier Wohnungen im Gebäude des ehemaligen «Sakura». Damals sagte Gemeindepräsident André Bender gegenüber dieser Zeitung, dass man froh sei, nun ruhigeren Zeiten entgegenblicken zu können. Doch die Sonnenbergstrasse blieb geschlossen, bis vergangene Woche der Anfrage eines Anwohners, der die Öffnung verlangte, Folge geleistet wurde. Beck: «Zwar dürften die Bewohner der «Belaria»-Siedlung nun leichten Mehrverkehr erwarten, doch ist der Gewinn für die Autofahrer aus dem Quartier, die nun direkt via Ankenbergstrasse zur Zürcherstrasse gelangen, gross.»