Bergdietikon
Bonnie und Clyde hinterlassen nachhaltigen Eindruck im Stall

Das Hoftheater war mit einer Gaunerkomödie auf dem Bauernhof der Familie Eichenberger zu Gast. Diese werden sich noch lange an den Auftritt erinnern.

Ly Vuong
Merken
Drucken
Teilen
8 Bilder
Hof-Theater Eichenberger Clyde versucht Bonnie die Route und den neuen Raubplan zu vermitteln
Hof-Theater Eichenberger Im verlassenen Stall proben Bonnie und Clyde wie sie mit Strumpf die Bank ausrauben könnten
Hof-Theater Eichenberger In einen verlassenen Stall flüchtet das Gaunerpäärchen - in der Stille des Stalls hört Manni alias Clyde ein Atmen - es ist aber jenes von Chantal alias Bonnie - Clyde bittet Bonnie deshalb mit dem Atmen aufzuhören
Hof-Theater Eichenberger Chantal gespielt von Barblin Leggio und Manni gespielt von Hans Peter Incondi ahmen Mannis Helden - Bonnie und Clyde nach - wären sie nur nicht so dilettantisch
Hof-Theater Eichenberger Clyde findet heraus dass Bonnie beim Lesen der Karte den Faden verloren hatte
Hof-Theater Eichenberger Die 200 Zuschauer waren bestens unterhalten vom Stück «Zwei wie Bonnie und Clyde»
Hof-Theater Eichenberger Bauer Martin Eichenberger mit Muni Youtube (vorne) der gerade Vater wurde - das Kalb wird entweder Bonnie oder Clyde heissen

Ly Vuong

In den Sommermonaten, wenn die Mehrzahl der 100 Angusrinder auf der Alp im Engadin am Weiden sind, verwandelt sich der Bauernhof von Martin und Barbara Eichenberger auf dem Oberen Schönenberg in Bergdietikon zum Schauplatz vielfältiger Sommer-Anlässe. So luden die Eichenbergers am Dienstagabend zu Abendessen und Theater. Serviert wurde hauseigene Anguswurst mit Bratkartoffeln und Salat. Die Einnahmen, die das Essen generiert, gehen an die Eichenbergers, während die Eintritte fürs Theater in die Kasse des Hoftheaters fliessen. Die Begeisterung des Ehepaars fürs Hoftheater begann 2010.

«Meine Frau Barbara besuchte damals eine Aufführung und war sofort begeistert», erinnerte sich Martin Eichenberger, der sogleich Kontakt mit dem Hoftheater aufnahm. Dieses gastierte nun schon zum sechsten Mal auf dem Bergdietiker Hof. Ziel des Vereins Hoftheater ist es, mit Kulturarbeit Begegnungen zwischen Stadt und Land zu ermöglichen. Das seit 2005 bestehende Theater tourt jährlich im Sommer durch die Schweiz. «Insgesamt gibt es 37 Vorstellungen auf 33 Bauernhöfen in der ganzen Schweiz», sagt Co-Leiter Hans Peter Incondi. «Wir scheuen keinen Aufwand und gehen auch bis auf die höchste Alp ins Engadin oder fahren mit dem Schiff nach Quinten beim Walensee.»

Unglaublich kriminell und lustig

Das diesjährige Theaterstück «Zwei wie Bonnie & Clyde» ist eine Gaunerkomödie. Das ursprüngliche Drehbuch der deutschen Autoren Tom Müller und Sabine Misiorny hat das Hoftheater in eine Dialektfassung übersetzt und das Setting von einer leeren Fabrikhalle auf einen verlassenen Bauernhof umgeschrieben. Das Stück lebt von der Präsenz der beiden Schauspieler. Hans Peter Incondi spielt Manni und Barblin Leggio Chantal.

Zusammen wollen die beiden das Gaunerpärchen Bonnie und Clyde nachahmen. Sie träumen vom grossen Geld, Heirat in Las Vegas und Ferien in Hawaii, scheitern jedoch beim Versuch, eine Bank zu überfallen. Nach dem ersten Überfall flüchten sie in den Stall eines Bauernhofs.

Noch aufgewühlt von der Aufregung wittert Clyde überall Gefahr. «Pst, ich höre ein Atmen», sagt er – und findet Clyde schliesslich heraus, dass das laute Schnaufen von Chantal kommt. Als er sie bittet, mit dem Atmen aufzuhören, sind erste Lacher aus dem 200-köpfigen Publikum garantiert. Die Chemie stimmt, der Funke springt über – auch bis zu den hoch gelegenen Plätzen der Zuschauer, die im Stall auf den Höhen der Strohballen sitzen.

In der Pause gibt es viel Lob für die ausverkaufte Vorstellung. «Es ist lustig, wie sich die zwei Schauspieler ergänzen», sagt Besucherin Claire Schupp aus Bergdietikon und spart auch nicht mit Komplimenten für das Ambiente.

Der Hof sei eine Bereicherung für Bergdietikon, weil sich die Familie Eichenberger landwirtschaftlich, aber auch kulturell und stets ideenreich fürs Dorfleben einsetze. Auch Philipp und Evelyne Locher aus Urdorf zeigen sich begeistert vom Abend. Es sei lässig, wie man mit nur zwei Schauspielern und wenig Aufwand – ein Tisch, Schrank, Strohballen und ein Radio auf der Bühne – das Publikum hervorragend unterhalten könne.

Für die beiden Profi-Schauspieler Hans Peter Incondi und Barblin Leggio ist es eine Tour de Force, während 90 Minuten Vollgas auf der Bühne zu geben. Ihr Tag begann bereits um 13 Uhr. Zusammen mit ihrem Team richteten sie die Bühne samt Scheinwerfer her. «Vor dem Auftritt klopfe ich jeweils meinen Körper ab und mache Atem- und Stimmübungen. Ein Traubenzucker gehört auch dazu», verrät Leggio, die auch mit ihrer Schwester und Autorin Mitra Devi szenische Lesungen macht.

Erst gegen 24 Uhr, wenn alles abgebaut und eingepackt ist, wird ihr Arbeitstag enden. Um diese Zeit werden auch die letzten Lichter beim Bauernhof ausgeknipst und das am Vorstellungstag gerade geborene Angus-Kalb der Eichenbergers träumt und schlummert bestimmt schon längst. Je nach Geschlecht werde er das Kalb Bonnie oder Clyde taufen, verrät Martin Eichenberger.