Limmattalbahn
Bohrer beissen beim Bau der Limmttalbahn auf Granit

Derzeit wird getestet, was der Untergrund des Trassees taugt. Ächzend senkt sich der rotierende Bohrkopf in den Boden und fährt kreischend in den Stein - ein Augenschein.

Katja Landolt
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Die Erde im Kernbohrer muss gelockert werden
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Die nächsten Zentimeter Boden werden in die Kiste geschüttet
Direkt nebenan werden die Kronen der Bohrköpfe geschliffen
Beim Spital Limmattal werden Rammsondierungen durchgeführt
Blick ins Bohrloch an der Langackerstrasse in Schlieren
An der Langackerstrasse in Schlieren werden Kernbohrungen vorgenommen
Meter für Meter wird der Boden in Kisten geschüttet
Bauingenieur Bibin Chakkalamattath prüft die Erde
Probebohrungen für die Limmattalbahn
Knirschend beisst sich der Bohrer durch das Killwangener Gestein

Die Erde im Kernbohrer muss gelockert werden

Katja Landolt

Das Gefährt bäumt sich auf, der Stein tief unter den Füssen bricht. Als ihn der Bohrmeister ans Licht holt, ist er noch heiss von der Reibung. Es ist Granit. Bauingenieur Bibin Chakkalamattath ist zufrieden. Der Granit bestätigt die Vermutung, dass es sich beim Hang überhalb des Bahnhofs Killwangen um einen Moränenwall handelt. «Nicht schlecht», sagt er.

Nicht schlecht - für die Bauarbeiten für die Limmattalbahn. Hier in Killwangen soll dereinst der Hang ein Stück weit abgetragen und mit einer Stützmauer abgeschlossen werden. «Dazu müssen wir ganz genau wissen, wie der Hügel beschaffen ist, damit wir während der Bauarbeiten keine bösen Überraschungen erleben», sagt Chakkalamattath. Mit bösen Überraschungen meint er beispielsweise einen Hangrutsch. Oder organisches Material wie Torf, das den Boden weichmacht.

Je härter, desto günstiger

Zusammen mit seinen Kollegen der Zürcher Firma Geotest AG leitet Chakkalamattath die Baugrunduntersuchungen für die Limmattalbahn. An insgesamt 107 Stellen entlang der Streckenführung zwischen Zürich Altstetten und Killwangen wird im Juli mittels Kernbohrungen, Rammsondierungen, Baggerschlitzen und Strassenbelagsuntersuchungen getestet, was der künftige Untergrund des Limmattalbahn-Trassees taugt. Der Boden unter den Geleisen muss schliesslich dreimal mehr Gewicht tragen, als bei einer Strasse.

Die Linienführung der Limmattalbahn steht - ist es da nicht zu spät, den Boden jetzt auf seine Tragfähigkeit zu testen? Nein, sagt Daniel Issler, Geschäftsführer und Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn AG: «Die Beschaffenheit hat keinen Einfluss auf die Linienführung, sondern nur auf die Kosten.»

Keine Überraschungen erwartet

Je härter und stabiler der Untergrund sei, desto weniger Sicherungen sind beim Bau nötig. Ansonsten müsste der Boden für ein neues Fundament abgetragen oder verdichtet werden. «Wir haben genügend Reserven berücksichtigt, um solche Sicherungsarbeiten zu finanzieren», sagt Issler. Mit grossen Überraschungen aber rechnet er nicht. «Wir wissen eigentlich dank geologischen Karten sehr genau, wie die Bodenbeschaffenheit in den beiden Kantonen Zürich und Aargau aussieht.» Ausserdem würden über 80 Prozent der 13,5 Kilometer langen Strecke auf Strassengebiet verlaufen, das tragfähigkeitsmässig unbedenklich ist.

Chakkalamattath kniet vor einer der Holzkisten, in die der Boden meterweise eingefüllt wird, und zerreibt sich Erde zwischen den Fingern. Sie ist sandig, das ist gut. Wäre sie lehmig, würde sie in den Rillen der Fingerspitzen kleben bleiben. Geologen werden in den nächsten Tagen die Proben noch genauer untersuchen. Die Berichte sollten Anfang August vorliegen.