Unterengstringen

Böller, Teuchel und ein Jubiläum: Selten war das Mittefasten frühlingshafter

Mit lauten Böllern geben die Sechstklässler bei perfektem Wetter am Mittefasten-Sonntag den Takt vor. Der brennende Böögg und das grosse Feuerwerk setzten einen eindrücklichen Schlusspunkt.

Schon um fünf Uhr morgens treffen sich die Sechstklässler aus Unterengstringen zum Frühstück an der Limmat. Sie haben im Vorfeld nicht nur den Böögg erschaffen, sondern machen sich auch am Mittefasten-Sonntag lautstark bemerkbar. Pünktlich um sechs Uhr ertönen die ersten Böllerschüsse. Bis neun Uhr zünden die Schülerinnen und Schüler mit Unterstützung der Feuerwerksmeister Daniel Schwab und Daniel Meier mehrmals pro Stunde Knallkörper und stellen sicher, dass niemand in der Region verschläft.

So schön war das Mittefasten-Feuerwerk

So schön war das Mittefasten-Feuerwerk

Bis zum Abend übertönen sie die Kirchenglocken und lassen es jeweils zur vollen Stunde knallen. Von 19 bis 20 Uhr zünden die Schüler noch einmal eine Stunde lang ununterbrochen Böller. Damit stimmen sie auf den Höhepunkt ein: Nachdem das Feuerschiff die Limmat bachab geschickt wurde, gehts dem diesjährigen Böögg an den Kragen, um den Frühling willkommen zu heissen und den Winter zu vertreiben. Begleitet vom grossen Feuerwerk, dass bei Jung und Alt für viele staunende Gesichter sorgt, brennt DJ Curry Zordavism lichterloh auf seinem Scheiterhaufen.

«Die besten Bratwürste»

Bis dahin gibt es viel zu entdecken und erleben. Zum Knall um 10 Uhr beginnt bei der Engstringerbrücke auf dem Limmatdamm die Wurstverteilung. 350 Kalbsbratwürste warten darauf, vertilgt zu werden. Freiwillige gibt es genug, die Schlange ist lang. Nicht nur die fleissigen Helfer, die seit dem frühen Morgen den Bögg aufgerichtet haben, freuen sich, dass es was zu essen gibt. «Sie müssen unbedingt schreiben, dass es hier die besten Bratwürste überhaupt gibt», sagt ein Bürger. Neben Obermeister Dieter Meier hilft auch alt Gemeindepräsident und alt Informationsmeister Willy Haderer beim Verteilen der Würste. Vor zwei Jahren gab er sein Amt an seinen Sohn Christian ab. 

Laute Böllerschüsse kündigen an, dass die volle Stunde wieder geschlagen hat. Weiter oben in der Nähe des Waldrands begrüsst Obmann Oscar Bamert vor dem Ortsmuseum die zahlreichen Besucher zur Vernissage der Ausstellung zum Thema Trinkwasserversorgung. In seiner Einleitung erzählt Paul Isenring vom Ortsmuseum, er habe bei der Vorbereitung so viel über Trinkwasser gelernt, dass er fast schon als Lehrling von Brunnenmeister Ralph Pfister arbeiten könnte. Bamert und Thomas Kasapidis zeigen anschliessend, wie früher Wasserleitungen aus Holz, sogenannte Teuchel, hergestellt wurden. Langsam bohrt sich Kasapidis in den Baumstamm. Drinnen erfahren Besucher auf anschauliche Weise, wie viel es braucht, damit in jedem Haushalt frisches Trinkwasser aus den Hähnen kommt.

Kämpfen um jeden Ball

Bereits seit dem frühen Morgen kämpfen die jungen Nachwuchsfussballer in der Sporthalle der Schulanlage Büel um den Turniersieg. Während im Eingangsbereich ein Trainer seine Spieler auf das nächste Spiel einschwört, liefern sich die Bambini des FC Engstringen und des FC Oetwil-Geroldswil drinnen ein Duell. Mit ihrem Pressing lassen die Gäste den Engstringern keine Chance. Auch draussen auf dem Pausenplatz wird zum Plausch gespielt.

So schön: ein weiteres Video vom Mittefasten-Feuerwerk

So schön: ein weiteres Video vom Mittefasten-Feuerwerk

Deutlich gemütlicher geht es wenige Schritte weiter in der Bibliothek zu. Auf der Terrasse geniessen die Gäste das schöne Wetter. Viele sind ärmelfrei unterwegs und tragen eine Sonnenbrille. Gedanken an den Winter gehören längst der Vergangenheit an. Einige Kinder lassen sich davon nicht beeindrucken; sie spielen lieber drinnen auf der Nintendo Wii. Zum 40-Jahr-Jubiläum offeriert das Bibliotheksteam heute den Apéro. Statt ein separates Fest zu organisieren, wolle man sich anlässlich des Geburtstags lieber für die geplante Gebäudesanierung einsetzen, sagt Bibliotheksleiterin Karin Baeriswyl: «Wir hoffen auf die Unterstützung der Gemeinde.»

Keine Böllerschüsse zu hören sind beim Schützenhaus an der Limmat. Die Gewehrschüsse übertönen alles. Der Andrang ist gross. Weil man nur mit Gehörschutz zum Schiessen darf und schon alle im Einsatz sind, hat sich eine Schlange gebildet. In der Schützenstube und vor dem Haus wird derweil angeregt über die geschossene Punktezahl diskutiert.

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