Kantonsschule Limmattal

Bodenmarkierungen, Masken und Halbklassen: Jugendliche lernen ab Montag wieder in der Schule

Der Pausenhof der Kantonsschule Limmattal in Urdorf wird ab Montag wieder belebt sein.

Der Pausenhof der Kantonsschule Limmattal in Urdorf wird ab Montag wieder belebt sein.

Die Rückkehr zum Präsenzunterricht am 8. Juni bringt viele Veränderungen im Schulalltag der Kantonsschule Limmattal in Urdorf mit sich.

Nach zwölf Wochen Lockdown startet am Montag der Schulbetrieb in der Kantonsschule Limmattal in Urdorf wieder. Die Freude auf die Rückkehr zum Präsenzunterricht ist bei den Schülerinnen und Schülern sowie Lehrpersonen gross. «Die sozialen Kontakte im Präsenzunterricht haben unseren Schülern und Lehrkräften sehr gefehlt.

Die Jugendlichen sehnen sich nach ihren Gspänli und die Lehrerschaft vermisst den Austausch untereinander», sagt Rektor Werner De Luca. Er sei froh, dass wieder Leben in die Kantonsschule einkehre, auch wenn das ein enormer Aufwand bedeute. Denn die Kanti Limmattal muss trotz Rückkehr zur Normalität die Covid-19-Schutzmassnahmen sicherstellen.

So wurden in jedem Klassenzimmer Bodenmarkierungen angebracht. «In diesen speziellen Zonen darf sich nur die Lehrperson aufhalten», sagt De Luca. Zudem wurden alle Lehrerpulte mit Plexiglasscheiben ausgerüstet. Die Schule stellt überdies Masken und Schutzvisiere aus Plexiglas für Lehrkräfte zur Verfügung.

«Diese werden zum Beispiel dann genutzt, wenn die Abstandsregeln nicht eingehalten werden können, wenn Lehrkräfte auf einzelne Schülerinnen oder Schüler zugehen und ihnen etwas erklären möchten», sagt De Luca.

Der Abschlussjahrgang wurde bereits Ende Mai aus dem Schulunterricht entlassen. Die Kantischüler der dritten bis fünften Stufe werden ab Montag jeweils in Halbklassen unterrichtet. Um den Abstand einhalten zu können, wurde die Hälfte des Mobiliars aus den Schulzimmern entfernt.

Eine Halbklasse besucht den Unterricht am Montag, Mittwoch und Freitag, die andere am Dienstag und Donnerstag. «Jede Woche wird abgewechselt, sodass nach 14 Tagen alle Schüler gleich viele Lektionen hatten», sagt De Luca.

Das seien weniger Lektionen als in normalen zwei Wochen, aber bedeutend mehr als die Hälfte. «Es kann dadurch selbstverständlich nicht erwartet werden, dass in dieser Zeit genau derselbe Stoffumfang vermittelt werden kann wie bei normalem Präsenzunterricht.

Praktische Experimente in naturwissenschaftlichen Fächern werden aufgrund der Abstandsregeln ebenso nur sehr eingeschränkt durchgeführt werden können.» Die Halbklasse, die zu Hause bleiben muss, hat aber nicht schulfrei. «Die Schüler erhalten Aufträge und Vertiefungsaufgaben, die sie selbstständig lösen. Dadurch wird das selbstorganisierte Lernen gefördert», sagt De Luca.

Die Schüler bleiben im Zimmer, während die Lehrer zirkulieren

So wird also der Schulalltag für die Dritt- bis Fünftklässler während der restlichen Schulzeit von fünf Wochen bis zu den Sommerferien aussehen. Im Untergymnasium gibt es bezüglich der Klassengrösse keine Änderungen. Es herrscht Vollklassenbetrieb.

Dies werde so gehandhabt, weil bei den 12- bis 13-Jährigen das Ansteckungsrisiko sehr gering sei, so De Luca. Die Schulleitung halte sich an die Vorlagen der kantonalen Bildungsdirektion. Verändern wird sich für alle knapp 700 Schülerinnen und Schüler, dass sie künftig nicht mehr für die verschiedenen Fächer das Klassenzimmer wechseln. «Die Fachlehrkräfte werden im Schulhaus zirkulieren», sagt De Luca.

Für den Präsenzunterricht nach dem Corona-Lockdown gilt der ursprünglich für dieses Semester erlassene Stundenplan. Für den Fernunterricht hatte die Schulleitung einen komplett neuen Stundenplan erarbeitet. «Die verschiedenen Fächer wurden auf Halbtage verteilt, um es den Schülerinnen und Schülern zu erleichtern, sich zu organisieren», sagt De Luca.

Die Berücksichtigung aller Schwerpunktfächer, der Grundlagenfächer Französisch oder Italienisch, der musischen Fächer und des klassenübergreifenden Sportunterrichts war für die Schulleitung bei der Einteilung der Halbklassen für die Rückkehr zum Präsenzunterricht eine organisatorische Herausforderung. Für den Rektor war es der Aufwand aber Wert.

«Auch wenn der Fernunterricht grösstenteils sehr gut geklappt hat, brauchet es die Interaktion im Präsenzunterricht zwischen Schülern und Lehrpersonen.» Nicht alle der rund 100 Lehrkräfte werden am Montag jedoch an die Kanti Limmattal zurückkehren. «Eine Handvoll wird weiterhin Fernunterricht betreiben, weil sie vulnerabel sind.»

Eine Umstellung erwartet die Schülerinnen und Schüler auch in der Mensa. Wo sich sonst rund 200 Personen gleichzeitig verpflegen können, dürfen nun nur noch rund 40 zur gleichen Zeit essen. Auf diese Weise soll das Social Distancing gewährleistet werden. Es wird zudem ein reduziertes Angebot geben, die Schule stellt zusätzlich Möglichkeiten zur Selbstverpflegung inklusive Mikrowellen bereit.

Für den Abschlussjahrgang ist das letzte Schuljahr ein besonderes, mit dem Corona-Lockdown war es noch spezieller. Die Abschlussprüfungen fielen wie im ganzen Kanton Zürich aus. «Drei Personen, die aufgrund ihrer Erfahrungsnoten nicht bestanden haben, haben die Möglichkeit mündliche und schriftliche Prüfungen abzulegen. Zwei von ihnen werden diese in Anspruch nehmen, die dritte Person repetiert das letzte Schuljahr», sagt De Luca.

Damit die Sechstklässlerinnen und Sechstklässler trotz Fernunterricht ihren letzten Schultag feiern konnten, lud die Schulleitung sie unter Einhaltung aller Sicherheits- und Schutzmassnahmen am 29. Mai in die Kanti Limmattal ein. «Wir wollten, dass sie sich richtig von der Schule verabschieden können», sagt De Luca.

Alle 116 Maturandinnen und Maturanden erhielten von der Schulleitung eine eigens für sie gedruckte Stoffmaske mit der Aufschrift «Matura 2020». «Die Klassenlehrpersonen überreichten ihnen ihre Jahreszeugnisse und traditionell eine Rose.» Zudem wurden Klassenfotos zur Erinnerung geschossen.

Die Maturfeier findet wohl in zwei Etappen statt

Ein Anliegen ist dem Rektor auch, dass die Maturfeier stattfindet. «Wir sind gerade dabei, alles Organisatorische abzuklären und zu planen, damit wir die Feier im Zentrum Spitzacker wie jedes Jahr durchführen können.» Jedoch müsse das Fest wohl gestaffelt erfolgen.

«Die Idee ist, dass wir zwei Etappen machen, sodass die ersten der sieben Abschlussklassen anschliessend mit ihren Familien zu Mittag essen und die restlichen Abschlussklassen nach der Feier mit ihren Angehörigen zu Abend essen können», sagt De Luca.

Die Schülerinnen und Schüler hätten es in diesem Jahr wie alle Maturandinnen und Maturanden vor ihnen verdient, einen richtigen Abschluss zu erhalten, findet der Rektor. «Es ist uns wichtig, ihnen dies trotz der Krise zu ermöglichen.» Voraussichtlich werden die beiden Anlässe am 2. Juli stattfinden.

Anders steht es um Veranstaltungen im neuen Schuljahr. «Bis zu den Herbstferien haben wir alle ausserschulischen Aktivitäten, Reisen und Anlässe wie die Arbeitswochen oder die Bergwald-Woche leider absagen müssen», sagt De Luca.

Es sei wichtig, dass die Zeit bis zu den Herbstferien für den normalen Unterricht genutzt werde. «Allfälligen Wissenslücken kann so entgegengewirkt werden.» Nichtsdestotrotz stellt der Rektor nach zwölf Wochen Lockdown dem Fernunterricht ein gutes Zeugnis aus. Der Online-Unterricht habe via Microsoft Teams, E-Mail und Plattformen wie «Balloon» gut funktioniert.

Schüler, die daheim auf keinen Computer zugreifen konnten, seien mit Laptops der Schule ausgerüstet worden. Einem grossen Teil der Schülerschaft sei es gelungen, sich zu organisieren und selbstständig zu arbeiten.

«Eine wichtige Erkenntnis war, dass die Kantonsschule auch ohne Druck und Noten auf das Interesse und Engagement der Schüler bauen konnte», sagt De Luca. Die Lehrpersonen wolle er für ihren grossen Einsatz loben. Neben diesem Engagement sei speziell auch ihre grosse Flexibilität hervorzuheben, gerade, was das digitale Lernen anbelange.

«Alle Lehrpersonen, auch die, die vor der Coronakrise digital noch weniger versiert waren, haben erkannt, dass sich gewisse Tools gut einsetzen lassen. Ich möchte behaupten, dass wir einen Quantensprung gemacht haben, was das Lernen im digitalen Umfeld betrifft», sagt De Luca.

Doch man habe auch die Grenzen erkannt. «Der digitale Unterricht ist eine sinnvolle Ergänzung zum Präsenzunterricht, doch er ersetzt niemals den Austausch in der Schule.»

Autor

Sibylle Egloff

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