Dietikon
«Blumenprinz»: Am Valentinstag floriert das Geschäft

Eine Rose als Zeichen der Liebe ist heute besonders bei jungen Männern gefragt – für Michaela Leiser vom «Blumenprinz» ist der Valentinstag ein lukratives Geschäft, für das sie auch am Sonntag öffnet.

Anina Gepp (Text und Fotos)
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Marc Thaler ist im «Blumenprinz» zu Beginn leicht überfordert
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Blumenprinz
Michaela Leiser (rechts) verkauft Rena Senn ein Gesteck

Marc Thaler ist im «Blumenprinz» zu Beginn leicht überfordert

Anna Gepp

Michaela Leiser hat alle Hände voll zu tun. Gekonnt spitzt die Floristin mit einem scharfen Blumenmesser einen Bund langstieliger Rosen an und büschelt sie zu einem hübsch gebundenen Strauss.

Einmal in durchsichtiges Papier gewickelt und eine farblich passende Masche drumgebunden, ist das Bouquet auch schon abholbereit.

Der Kunde hat den Strauss am Vortrag im «Blumenprinz» im Dietiker Limmatfeld bestellt und möchte damit seine Frau überraschen.

Doppelt so viel Umsatz

Damit ist er nicht alleine. Rund vier Millionen Rosen gingen laut Schweizerischem Floristenverband in der Schweiz am Valentinstag 2015 über den Ladentisch. Auch für Leiser ist der Tag der Liebenden lukrativ.

Der Umsatz verdopple sich am 14. Februar jeweils, sagt die Bernerin. Wenn es gut laufe, nehme sie sogar das Dreifache ein.

Schon seit acht Uhr morgens steht Leiser im Laden. Normalerweise hat sie am Sonntag nicht geöffnet. Doch wenn der Valentinstag auf einen Ruhetag fällt, macht sie gerne eine Ausnahme.

Die Nachfrage sei schliesslich da, sagt sie. Bereits vor der offiziellen Öffnung seien drei Männer vor ihrer Tür gestanden und hätten für die Partnerin eine Rose kaufen wollen. Es seien vor allem Junge, die ihrer Freundin oder Frau eine Freude machen wollten, so Leiser.

Rote Rosen seien dabei nach wie vor der Klassiker. Gestecke in Herzform oder stabilisierte Rosen verkauft die Floristin am Valentinstag ebenfalls gut.

Letztere halten bis zu drei Jahre ohne Wasser und sind in allen möglichen Farben erhältlich. Sie werden direkt in Ecuador auf der Plantage schockgefroren. Wie genau das Verfahren funktioniert, ist aber ein streng gehütetes Geheimnis.

Ein solches Gesteck mit pink stabilisierten Rosen hat auch Rena Senn überzeugt. Die Dietikerin ist bei ihrer Schwester zum Valentinsbrunch eingeladen und möchte dort nicht mit leeren Händen auftauchen.

Es müsse schliesslich nicht immer der Mann sein, der Blumen schenke, findet die junge Frau.

Kaum hat sie den Laden verlassen, betritt schon der nächste Kunde das Geschäft. Marc Thaler ist angesichts der vielfältigen Auswahl überfordert und bittet Leiser um Hilfe.

Es sollen dieses Jahr nicht die klassischen roten Rosen sein, erklärt ihr der Limmattaler. Die Floristin nickt und zupft gleichzeitig eine rosafarbene Rose hervor.

Der junge Mann ist überzeugt und kauft deren drei. «Ich schenke meiner Frau jedes Jahr Blumen. Ausserdem führe ich sie zum Essen aus. Das ist bei uns Tradition», so Thaler.

Doch nicht alle Männer planen den Blumenkauf im Voraus. Adrian Schneider wollte eigentlich nur kurz Geld abheben, als er sah, dass der «Blumenprinz» nebenan geöffnet hat.

Zusammen mit den Töchtern Henriette und Antonia sucht er nun das Passende für seine Frau. Die Mädchen finden an den Ranunkeln Gefallen und so kauft der Vater drei Stück davon in unterschiedlichen Farben.

Die Geschmäcker seien sehr verschieden, so Leiser. Es sei schwierig abzuschätzen, von welchen Blumen sie wie viele bereithalten müsse.

«Heute Morgen musste ich kurzfristig nochmals rote Rosen nachbestellen», sagt sie. Das sei zum Glück kein Problem, da der Lieferant direkt in Dietikon zu Hause sei.

Qualitativ gute Blumen sind rar

Am Valentinstag qualitativ hochwertige Ware zu bekommen, sei dennoch nicht einfach. Eine spezielle Rosensorte habe sie gar nicht mehr kriegen können. Länder wie Russland räumten jeweils alles ab.

Dort sei der Valentinstag noch viel wichtiger als bei uns, so Leiser. Das sei auch der Grund, weshalb die roten Rosen teurer sind als andersfarbene. Die meisten Kunden wüssten aber Bescheid und seien gerne bereit, auch etwas mehr für das rare Gut zu bezahlen.

Am Valentinstag zu arbeiten, statt selbst verwöhnt zu werden, stört Leiser nicht. Für sie gebe es nichts Schöneres, als von Blumen umgeben zu sein.

Vor allem wenn es draussen grau sei, geniesse sie den Anblick des bunten Blumenmeers. Ausserdem habe sie von einem Kunden ebenfalls ein kleines Geschenk bekommen, sagt sie und zückt mit breitem Grinsen ein mit Zuckerguss verziertes Törtchen aus ihrer Tasche.

Solch kleine Gesten seien es, die ihr immer wieder zeigten, dass die Leute sie und ihren kleinen Blumenladen schätzen. Und das nicht nur am Tag der Liebe.