In Schlieren, da steppt zurzeit der Bär – noch bis Ende Jahr zeigt sich der ansonsten triste Stadtplatz als Mekka der Unterhaltung. Dies dank der «Comedy und Events»-Reihe, die, mit einem Zirkuszelt versehen, eine ganze Reihe von Anlässen im Auftrag der Stadt ins Limmattal holt. Neben kommenden Events wie dem Spaghetti-Plausch oder einem Bier-Dinner, stehen auch Konzerte auf dem Plan, und – natürlich – Comedy.

Die Namen der engagierten Komödianten sind international bekannt. Doch am Mittwoch sorgte ein lokaler Platzhirsch für eine volle Manege: Hanspeter Müller-Drosssart, nicht minder prominent, kam für ein Heimspiel auf die Schlieremer Bühne. Der Dietiker spielte sein Programm «Himmelhoch» und sorgte für viele Lacher, allerdings auch für Einblicke in die tiefe, manchmal gruslige Schweiz.

Stets politisch unkorrekt

Schon die erste Pointe sass: Hanspeter Müller-Drossaart stolperte mit einem Koffer auf die Bühne und erklärte, er wäre als Testpassagier gerade aus einem Prototyp der Limmattalbahn geworfen worden, die den Stadtplatz umkreise. Das Publikum prustete los und schnell wurde klar, dass der Schauspieler nicht einfach nur Witze zum Besten geben will, sondern auch brisante Themen aufgreifen wird.

Die Rahmenhandlung blieb dabei erstaunlich dünn, so wartete «König Drosselbart» auf einen Flug, dessen Destination er nicht kennt, sondern als Testperson «Nummer Drei» diese neue Variante des Reisens ausprobiert. Die Wartesaal-Stimmung bot dabei genügend Spielraum, um das Talent des Entertainers zu entfalten.

Zu Beginn zeigte sich Müller-Drossaart wie ein Late-Night-Showmaster, der sein Publikum zu animieren versucht. Dass der ausgelutschte Vergleich mit Mike Müller zum Zug kam, sei ihm verziehen, da er doch in Sekundenschnelle zum Türken mutierte und mit Phrasen, wie «Kebab-Integration statt Fondue-Depression» amüsierte.

So wechselte er immer wieder die Rollen, verfiel in lieb gewonnene helvetische Klischees, ohne diese auszureizen. Oftmals, und zur Freude vieler, blieb er politisch unkorrekt. Bisweilen mag er an Emil erinnern. Während das Komik-Urgestein jedoch stets brav blieb, eröffnete Hanspeter Müller-Drossaart sofort das Feuer auf Personen des öffentlichen Lebens.

Die SVP, das ist bekannt, hat beim Dietiker Schauspieler keinen Stein im Brett, so kriegten deren Exponenten gehörig ihr Fett weg. So wurden aus Mörgelis Leichen im Keller verwirrte Trunkenbolde und der heilige Übervater Blocher verwüstete sein Anker-Gemälde. Hart an der Grenze war die Darstellung eines 100-jährigen Oswald Grübels, der sich selbst als «vergammelte Kröte» bezeichnet.

Dem Publikum gefiel es, und als Hanspeter Müller-Drossaart wie eine optische Kreuzung von Horst Schlemmer und Cindy aus Marzahn erschien, waren die Dämme endgültig gebrochen. Bei all den Figuren, Speerspitzen und Dialekten war aber ein nachdenklicher Grundton nicht zu überhören. Es wäre vermessen, Hanspeter Müller Drossaarts Programm mit einem komödiantischen Himmelfahrtskommando zu verwechseln. Am Schluss schickte er sich, mit viel weiser Selbstironie, per Surprise-Flug ins Nirgendwo.