Bewegte Geschichte
Blick in die Vergangenheit: Auf den Spuren der Burgen im Limmattal

Die Geschichte der Burgen im Limmattal geht viele Jahrhunderte zurück. Lesen Sie, weshalb sie erbaut wurden und wie es ihnen im Lauf der Geschichte erging.

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Burgen im Limmattal
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Mit der Wasserburg Schönenwerd sollte die Limmat als Wasserstrasse sichergestellt werden.
Die Burg Kindhausen wurde im 12. Jahrhundert errichtet.

Burgen im Limmattal

Limmattaler Zeitung

Burg Glanzenberg

Die Burg Glanzenberg dürfte um das Jahr 1040 erbaut worden sein. Sie bestand damals noch aus Holz und war im Besitz der Freiherren von Regensberg. Bei ihrer Erbauung hiess sie Fahr. Die Burg lag an einer strategisch wichtigen Stelle an der Wasserstrasse Limmat und unweit der Landstrasse Zürich–Baden. Die Regensberger strebten nach mehr Macht und Einfluss. Eines ihrer Ziele war der Bau einer Brücke bei Dietikon. Um 1244 begannen sie mit dem Bau des Städtchens Glanzenberg beim heutigen Golfplatz Unterengstringen.

Die Holzburg wurde durch eine Steinburg ersetzt und hiess nun Glanzenberg. Das Machstreben der Regensberger rief bereits um 1100 die Kyburger, die später von den Habsburgern beerbt wurden, auf den Plan. Sie errichteten auf der gegenüberliegenden Limmatseite die Wasserburg Schönenwerd. Vermutlich hatten die Pläne für den Bau einer Brücke mit der Eröffnung der Teufelsbrücke durch die Schöllenen um 1230 zu tun. Die Regensberger sahen darin wohl eine grosse Chance, den Verkehr aus dem süddeutschen Raum über Schaffhausen, Bülach, Regensberg, Dietikon sowie Mutschellen in Richtung Luzern und Gotthard zu leiten.

Dadurch hätten sie die Stadt Zürich umgehen können. Walter Trippel geht im Dietiker Neujahrsblatt 2009 davon aus, dass die Regensberger versuchten, die Burgherren von Hasenburg und Kindhausen für ihre Dienste zu gewinnen, um ihre Position beim Brückenkopf zu sichern. Beide Burgen befanden sich am Dietiker Berg auf heutigem Gemeindegebiet von Bergdietikon. Laut Trippel ist den Regensbergern dieses Vorhaben wohl gelungen. Vieles deutet darauf hin, dass 1257 mit den Vorbereitungen eines Brückenbaus begonnen wurde.

Denn in diesem Jahr schloss Zürich mit den Herren von Schönenwerd einen Vertrag, wonach diese sich verpflichteten, jeglichen Brückenbau über die Limmat zu verhindern. Die Machtgelüste der Regensberger führten schliesslich aber dazu, dass sowohl das Städtchen als auch die Burg Glanzenberg 1267 von den Zürchern mithilfe von Graf Rudolf IV. von Habsburg zerstört wurden. Nach der Zerstörung dienten die Mauerreste während Jahrhunderten als Steinbrüche. (zim)

Wasserburg Schönenwerd

Die Wasserburg Schönenwerd wurde vermutlich um 1100 erbaut und befand sich auf einer Limmatinsel. Sie dürfte damals lediglich aus Turm, Palas, Zwinger und Ringmauer bestanden haben. Ein Grund für ihren Bau war wohl die Sicherung der Limmat als Wasserstrasse. Zudem war die Burg vermutlich auch als ein starkes Gegenstück zur Burg Glanzenberg gedacht, die von den Freiherren von Regensberg auf der gegenüberliegenden Flussseite errichtet wurde.

Von wem die Burg Schönenwerd erbaut wurde, ist nicht restlos geklärt. Die Herren von Schönenwerd wurden 1240 erstmalig erwähnt. Walter Trippel stellt im Dietiker Neujahrsblatt von 2009 die Vermutung an, dass entweder die Grafen von Lenzburg oder die Kyburger Grafen die Burg erstellt hatten. Die Kyburger, Nachfolger der Lenzburger und später von den Habsburgern beerbt, hatten in der Gegend Besitz, den sie den Herren von Schönenwerd gaben. Um etwa 1200 brannte die Burg ab, wurde aber wieder aufgebaut und mit zwei Wirtschaftsgebäuden ergänzt. 1257 schloss Zürich mit Johannes von Schönenwerd einen Vertrag ab, wonach dieser sich verpflichtete, kein Land für einen Brückenbau zu verkaufen.

Offenbar fürchteten die Zürcher, dass die Regensberger mit der Gründung der Stadt Glanzenberg auf der gegenüberliegenden Flussseite eine neue Handelsroute in die Innerschweiz planten, um Zürich zu umgehen. Mit den Zürchern kam es aber offenbar zum Streit. Einer Chronik aus dem 16. Jahrhundert zufolge sollen sie die Burg 1334 und 1371 zerstört haben. Demnach hatte Heinrich von Schönenwerd eine Zürcherin gefangen gehalten und geleugnet, selbst ein Zürcher Bürger zu sein. Der verarmte Heinrich konnte die Burg nicht mehr wieder aufbauen. 1434 kaufte ein gewisser Hans Hediger von Altstetten die Ruine. Sie befand sich damals im Besitz der Zürcher Familie Stagel. Das Mauerwerk zerfiel. (zim)

Hasenburg und Burg Kindhausen

Während es zu den Burgen Schönenwerd und Glanzenberg immerhin einige wenige schriftliche Dokumente gibt, existieren über die Hasenburg und die Burg Kindhausen keine Urkunden. Ihre Zerstörung ist lediglich in zwei widersprüchlichen Chroniken erwähnt. Dass sie existiert haben, steht dank Ausgrabungen des Dietiker Posthalters Karl Heid fest.

Über die Burgherren weiss man hingegen nichts. Vermutungen gehen dahin, dass die Hasenburg von den Herren von Schönenwerd oder von Oberndorf (heute Dietikon/Bergdietikon) errichtet wurde. Walter Trippel schreibt in der Dietiker Jahres-Chronik von 2009, dass womöglich auch eine Sippe Haseth für den Bau verantwortlich zeichnet. Die Hasenburg befand sich am östlichen Abhang des Reppischtals, östlich des Bergdietiker Weilers Gwinden. Sie dürfte um 1100 errichtet worden sein. Vermutlich wurde zuerst nur ein quadratischer Turm gebaut.

Gemäss Chronik wurde die Burg 1353 zerstört. Die Ausgrabungsfunde weisen aber auf eine Zerstörung um 1250 hin. Wer das war, weiss man nicht. Möglich ist, dass sie im Zuge der Auseinandersetzung zwischen den Habsburgern und den Regensbergern fiel. Von den Überresten ist heute nichts mehr sichtbar. Sie wurden nach den Ausgrabungen in den 1930er-Jahren wieder zugedeckt.

Ähnlich wenig weiss man über die Burg Kindhausen. Ihre Erbauer waren vermutlich die Herren von Schönenwerd. Errichtet wurde sie im 12. Jahrhundert und thronte auf einem Hügel nördlich des Bergdietiker Weilers Ober-Schönenberg. Auch die Burg Kindhausen soll gemäss der Chronik 1353 von Zürcher Truppen erobert und danach zerstört worden sein. Aufgrund der Grabungsfunde dürfte die Burg wohl aber um das Jahr 1200 einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen sein. Welchen Zwecken die Burgen dienten, ist bis heute unklar. (zim)