Oper
Blaubart: Der adlige Frauenmörder geht in Dietikon um

Die Geschichte vom Frauen mordenden Herzog Blaubart geht bis auf mittelalterliche Erzählungen zurück. Auch das gleichnamige Trio hat Gefallen gefunden an dem dunklen Mythos.

Kathrin Fink
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Das giftgrüne Licht unterstreicht die unheimliche Stimmung des blutigen Mythos.

Das giftgrüne Licht unterstreicht die unheimliche Stimmung des blutigen Mythos.

Kathrin Fink

Die Geschichte ist alt. Sehr alt. Seit dem Mittelalter kursieren Erzählungen um einen blaubärtigen Frauenmörder in ganz Europa. Der französische Märchenerzähler Charles Perrault griff das Material 1697 zum ersten Mal professionell auf und verfasste die Version, die später zahlreiche Illustrationen, Theaterstücke und Operetten inspirierte.

Auch das Trio «Blaubart» aus Zürich liess sich bei seiner Namensgebung von der düsteren Atmosphäre der Geschichte inspirieren. «Dieses Bild des Geheimnisvollen sprach uns sehr an», sagt Violinist Christian Strässle. «Schon diese Kammer von Blaubart, wo man nicht recht weiss, was sich dahinter verbirgt – es hat etwas Unberechenbares.»

Die besagte Schlosskammer ist der dunkle Mittelpunkt des Mythos. Darin versteckt Herzog Blaubart die Leichen seiner bisherigen Ehefrauen. Seine jeweils neuste Gattin darf unter keinen Umständen den Schlüssel zu dieser Kammer des Schreckens benutzen. Die meisten tun es doch und unterschreiben damit ihr Todesurteil.

Die Kurzoper «Herzog Blaubarts Burg» des Ungarn Béla Bartók, die das Trio am Freitagabend interpretiert, beginnt mit Blaubarts Suche nach einer neuen Frau. Im umgebauten Kuhstall des Biohofs Fondli in Dietikon bemühen die drei sich, eine unheimliche Atmosphäre zu kreieren.

Ein Hellraumprojektor wirft grünes Licht an die Steinziegel der Stallwand, eine kleine Nebelmaschine verbreitet Rauchschwaden bis zu den Fenstern, hinter denen sich ruhende Kühe befinden. Man wähnt sich in einem Horrorfilm. Christian Strässle liest zu Beginn Auszüge aus der Oper vor: Die junge Judith macht sich auf den Weg zu Blaubarts Burg. Für ihn hat sie ihre Eltern und ihren Verlobten hinter sich gelassen. Sie will die düsteren Räumlichkeiten des Schlosses mit Liebe erhellen.

Nach der Einführung beginnt das Trio mit der musikalischen Erzählung der Geschichte. Mit Christian Strässle an der Violine, Manuela Keller am Klavier und Chris Wirth an der Klarinette spielen sie Auszüge aus der Oper, aber auch eigene Kompositionen, bei denen sie ihre Improvisationslust ausleben.

Vor allem Manuela Keller sorgt für ungewöhnliche Einsätze. So hockt sie sich während eines Stücks unter ihr Klavier und hämmert den Takt an das Gehäuse. Auch ihre blaue Perücke verleiht dem Trio einen gewissen Show-Effekt. Christian Strässle erklärt die freie Interpretation: «Herzog Blaubart hat einen blauen Bart, und wir haben halt keine blauen Bärte, dafür eine blaue Perücke.»

Zum Schluss liest der Violinist das Ende der Geschichte vor: «Blaubart zieht Judith zur letzten Kammer, sie reisst sich los, er reisst die Tür auf. «Du warst meiner Frauen schönste, schau all die Frauen, die ich vor dir besessen.» Judith will keine Trophäe des Herzogs sein, weder tot noch lebendig.

Sie beschliesst, sich schleunigst zu entlieben, und lässt den Herzog in seiner prunkvollen Burg zurück.» Mit diesem feministischen Twist endet das Trio seine moderne Interpretation des Schreckensherzogs.