Alles schien für einen erfolgreichen Schlieremer Fussballabend angerichtet, an diesem wunderschönen Frühlingssamstag auf der Sportanlage Zelgli. Zu Gast war der Tabellenvorletzte aus Schwamendingen und Schlieren-Trainer Davide Molinaro gab sich vor Anpfiff optimistisch, dass sein Team nach der Niederlage gegen Oerlikon Polizei vergangene Woche wieder zurück in die Siegesspur finden werde.

Unter der warmen Abendsonne und auf einem erhitzten Kunstrasen begannen beide Mannschaften intensiv, die Zweikämpfe wurden hart geführt. In der zehnten Minute setzte Schlieren-Captain Davide Lopes mit einem flachen Distanzschuss eine erste Duftnote in der Offensive. Nach einer guten Viertelstunde folgte der erste Rückschlag: Eine scharf gezogene Freistossflanke in den Sechszehner lenkte der Schwamendinger Stürmer Eren Kocayildiz per Kopf vorbei an Torwart Jérôme Vollenweider zur 1:0 Gäste Führung.

Der Druck reichte nicht

Nur fünf Minuten später, die Schlieremer waren gerade im Begriff, sich vom Rückstand zu erholen und zu reorganisieren, überraschte ein weiter Abkick des Schwamendinger Torhüters die Abwehr der Limmattaler. Wieder war es Kocayildiz, der aufs Tor zog und sich nicht zwei mal bitten liess, auf 2:0 zu erhöhen. Ein herber Doppelschlag, von dem sich die Schlieremer an diesem Abend nicht mehr erholen sollten.

Unter den Zuschauern auf den Rängen herrschte trotzdem Zuversicht, dass Trainer Molinaro in der Pause die richtigen Worte finden und das Spiel nochmals spannend machen würde. Dieser gab die Richtung klar vor, indem er für den Innenverteidiger Alberto Cammarota mit Gold Ire Omotayo einen echten Stossstürmer brachte und von einem 4-3-1-2 auf ein deutlich offensiveres 4-3-3 mit drei Spitzen umstellte.

Die Schlieremer waren in der Folge sichtlich bemüht und versuchten, Druck auszuüben. Doch es fehlte der Zugriff zum Spiel, auch weil die Stadtzürcher sehr organisiert und clever verteidigten.

«Uns fehlte heute der Biss»

Über weite Strecken der zweiten Halbzeit liessen die Gäste nichts mehr anbrennen und die Limmattaler schienen sich der abzeichnenden Niederlage zu fügen. Es war einer dieser Tage, an denen wenig gelingen wollte. «Uns fehlte heute der Biss, sie wollten die Punkte mehr als wir», sagte ein sichtlich resignierter Anthoy Gullo nach dem Spiel. Doch Schwamendingen sei auch ein guter Gegner gewesen, «der auf der Tabelle nicht dort steht, wo er hingehört. Das muss man auch anerkennen.»

Als dann in den letzten zehn Minuten Schwamendingen dank zwei ansehnlich herausgespielten Kontern gar auf 4:0 erhöhte, war das Fiasko perfekt. Ein verdienter Sieg für die Stadtzürcher, auch wenn dieser am Ende etwas zu hoch ausfiel.

Für Schlieren ging der Start in die Rückrunde wahrlich nach hinten los. Nur einen mageren Punkt hat das Team nach drei Heimspielen geholt; zu wenig für den bisherigen Tabellenzweiten. Besorgniserregend erscheint insbesondere die Defensive. Die neun Gegentore aus drei Spielen zeigen, wo die Probleme der Limmattaler liegen. «Wir müssen hinten wieder mal zu null spielen, wir kriegen zu viele Tore», sagte Stürmer Gullo, nahm jedoch auch sich selbst und die Offensive in die Pflicht, denn eine gute Verteidigung beginne immer zuvorderst.

Trainer Molinaro identifizierte das Problem vor allem in den Köpfen seiner Spieler. Die Schwamendinger seien «voller Selbstvertrauen» ins Spiel gegangen, «während dieses uns momentan fehlt. Zuhause dann mit 0:4 zu verlieren, macht die Situation nicht einfacher.» Das Problem ist nicht neu: «Zu viele unserer guten Spieler spielen momentan unter ihrem Wert», sagt Molinaro. «Aus dieser Negativspirale müssen wir herausbrechen.»

Negativserie brechen

Während für den bisherigen Tabellenvorletzten Schwamendingen die Aufholjagd so richtig beginnt, kommt den Schlieremer die Osterpause gerade rechtzeitig. Zeit genug, um zu verschnaufen und über die Bücher zu gehen, um danach alles daran zu setzten, die Negativserie mit einem Sieg gegen das Schlusslicht aus Zürich-Affoltern zu beenden. Dann dürfte auch das Selbstvertrauen wieder zurückkommen.