Volksfest

Bitte einsteigen! Mit Volldampf an das Schlierefäscht

Dieser 192-Tonnen-Koloss aus vergangenen Zeiten lässt die Herzen höher schlagen: Die  Dampflokomotive Mikado 141 R 1244 führte den Schlierefäscht-Express mit Volldampf an.

Dieser 192-Tonnen-Koloss aus vergangenen Zeiten lässt die Herzen höher schlagen: Die Dampflokomotive Mikado 141 R 1244 führte den Schlierefäscht-Express mit Volldampf an.

Der Schlierefäscht-Express ist einer der Höhepunkte am grossen Stadtfest. Das Schlieremer Wagi-Museum nahm in Zusammenarbeit mit Partnervereinen schon am ersten Wochenende Hunderte Personen mit auf eine Zeitreise.

«Es ist einfach wunderschön, wenn der Geschmack und das Flair der alten Eisenbahnzeit wieder auflebt», sagte Patrick Bigler vom Schlieremer Wagi-Museum nach der ersten Fahrt mit dem Schlierefäscht-Express am Samstagmorgen. In der alten Zeit war Schlieren meistens mitgemeint, wenn man von den SBB sprach.

Grund dafür sind die Einheitswagen I, welche die SBB und die Wagonsfabrik entwickelten und die zigfach in Schlieren – und unter Lizenz an anderen Standorten – produziert wurden. 1955 wurde der erste Prototyp hergestellt. Die Wagen trugen den Namen der Stadt auch ins Ausland: In Österreich waren die Einheitswagen I nämlich als Schlierenwagen bekannt und für die ÖBB im Einsatz.

Acht solche in Schlieren produzierte Wagen umfasst der Schlierefäscht-Express, der diesen Samstag und Sonntag unterwegs war und auch am Mittwoch und nächstes Wochenende wieder fährt. Bereitgestellt wurden die Wagen vom Verein DSF Koblenz, vom Schaffhauser Club BM 22-70 und vom in Brugg stationierten Verein Mikado 1244.

Letzterer stellte auch die 1946 gebaute Dampflok Mikado 141 R 1244, die den Schlierefäscht-Express antrieb. Voll ausgerüstet wiegt die Dampflokomotive 192 Tonnen. Über Dietikon, Baden, Turgi und Koblenz führte die Fahrt nach Eglisau und über Bülach und Oerlikon zurück nach Schlieren.

Schon lange vor der ersten Abfahrt am Samstagmorgen um 9 Uhr besammelten sich viele der rund 480 Passagiere beim Bahnhof. Die Lok zischte und dampfte. Später staunten viele, welches Tempo der Express erreichte. Entlang der Strecke waren Bahn-Fanatiker mit Kameras postiert, die sich den perfekten Volldampf-Schnappschuss erhofften.

Passagiere genossen die offenen Zugsfenster mit Ausblick und Fahrtwind, oder gönnten sich einen Umtrunk im Barwagen. Ein ganz besonderes Wochenende war es auch für Lokführer Siegfried Liechti. «Ich war 45 Jahre als Lokführer im Einsatz. Das sind meine letzen Fahrten», erklärte der 69-Jährige.

Als er in den 1970ern als Lok-Führer anfing, waren die Einheitswagen I aus Schlieren noch das Mass aller Dinge. So wie jetzt am Schlierefäscht.

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