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Bisher drei Corona-Infizierte: Wie das Spital Limmattal mit dem Besuchsverbot umgeht

Wegen des Corona-Virus gilt ein generelles Besuchsverbot: Das Spital Limmattal und das Pflegezentrum sind für Auswärtige geschlossen. Ein paar wenige Ausnahmen bestehen aber.

Wegen des Corona-Virus gilt ein generelles Besuchsverbot: Das Spital Limmattal und das Pflegezentrum sind für Auswärtige geschlossen. Ein paar wenige Ausnahmen bestehen aber.

Am Limmi-Eingang finden Besucher keinen Einlass mehr. Noch stösst diese Massnahme auf viel Unverständnis.

Die Nebeneingänge am Spital Limmattal sind geschlossen. Nur der Haupteingang ist noch offen – aber nicht für alle. Ein Mitglied der Zivilschutzorganisation Limmattal-Süd spricht alle Eintretenden an und fragt sie nach dem Grund ihres Besuches. Eine Familie, die am Freitagvormittag wegen eines gynäkologischen Termins zu siebt ins Limmi will, weist der Zivilschützer ruhig, aber bestimmt auf das neu geltende Besuchsverbot hin – erlaubt ist der Zutritt nur für die schwangere Frau und deren Partner als Begleitung.

Weit geht ihr Weg nicht, bis die nächste Schleuse wartet. Absperrbänder führen die Eintretenden direkt zum Empfang. Dort wird abgeklärt, ob wirklich ein Termin besteht und ob der Zugang gewährt werden kann.

Viele Besucher zeigten sich gestern überrascht über die Restriktionen. Das sei doch verrückt, entfuhr es einigen. Andere fluchten, weil sie kurz warten mussten. «Wir machen dies nicht zur Schikane», sagt Spitaldirektor Thomas Brack. «Es geht um den Schutz der Patienten, es geht darum, eine zu rasche Verbreitung des Corona-Virus zu verhindern.» Zudem hat er auch gar keinen Spielraum: Das generelle Besuchsverbot hat die kantonale Gesundheitsdirektion am Donnerstagabend nach einer vorgängigen Sitzung mit Vertretern der Gesundheitsinstitutionen verhängt. Es gilt in allen Zürcher Spitälern, Alters- und Pflegeheimen sowie Invalideneinrichtungen. Es dauert vorerst bis Ende April – das sind sieben Wochen.

Für Einzel- und Härtefälle gibt es Ausnahmen vom Besuchsverbot

Dass das Besuchsverbot relativ unvermittelt verhängt wurde, ist für Brack nachvollziehbar, auch wenn dies am Freitag bei überrumpelten Limmi-Besuchern für Verwirrung sorgte und bei einigen gar zu Verärgerung führte. «Wäre das Verbot im Voraus angekündigt worden, dann wären wir am Wochenende überrannt worden, da alle ihre Verwandten und Freunde vor dem Besuchsstopp noch ein letztes Mal hätten besuchen wollen», gibt Brack zu bedenken. Dies wäre aus epidemiologischer Sicht falsch gewesen.

Auch wenn die kantonale Gesundheitsdirektion ein generelles Besuchsverbot erlassen hat, können die einzelnen Häuser für Einzel- und Härtefälle Ausnahmen zulassen. So lässt das Spital Limmattal zu, dass Gebärende ihren Partner mitnehmen dürfen. Wer in den Notfall eingeliefert wird, darf sich – für die Zeit der Abklärung – von maximal einer Person begleiten lassen. Sind relevante medizinische Entscheidungen zu treffen oder bestehen palliativ-terminale Situationen, sind Angehörige und Bezugspersonen ebenfalls zugelassen. Dabei gilt aber die kantonale Vorgabe, dass gleichzeitig maximal zwei Besucher erlaubt sind. Ähnliche Regelungen haben auch die verschiedenen Alterszentren in der Region getroffen. Beim Alters- und Gesundheitszentrum in Dietikon kann «die Zentrumsleitung im Einzelfall sachlich begründete Ausnahmen vom Besuchsverbot bewilligen (zum Beispiel Palliativ Care)», heisst es in einem Informationsschreiben der Stadt Dietikon.

Das Virus zeigt sich selbst beim Schöpfen in der Cafeteria

Das Corona-Virus ist eine grosse Herausforderung für das Spital Limmattal. Eine spezielle Taskforce trifft sich täglich. Das Personal ist auf allen Ebenen gefordert. Und es gilt dabei, auch die vielen Details nicht zu vergessen. So wird beispielsweise in der Cafeteria das Essen wieder von einer Angestellten, die Handschuhe trägt, auf den Teller geschöpft. Dass jeder Kunde selber in die Essbehälter greift, ist in Virus-Zeiten passé.

Trotz all dieses zusätzlichen Aufwandes gilt es laut Brack nicht zu vergessen, dass der Spitalbetrieb daneben ganz normal weiterläuft: «Das Corona-Virus macht im Moment nur einen kleinen Teil aus.» Derzeit liegen drei infizierte Patienten im Limmi. Daneben würden Hunderte Patienten wie üblich wegen Hirnschlägen, gerissenen Bändern und Beinbrüchen behandelt und betreut. «Wir haben einen Auftrag, dem kommen wir trotz aller Corona-Massnahmen natürlich nach.»

Spitaldirektor Thomas Brack setzt sich derzeit täglich und intensiv mit dem Corona-Virus auseinander. Einen speziellen Rat, wie ihm zu begegnen sei, hat er nicht: «Es gilt einfach, die allgemeinen Verhaltensregeln zu beachten. Diese aber konsequent.» Doch diesbezüglich verhalte sich ein Teil der Bevölkerung paradox. «Einerseits geht eine grosse Angst vor dem Virus um, andererseits umarmt man sich immer noch gegenseitig bei der Begrüssung.»

Brack verweist auch auf den grossen Run auf Desinfektionsmittel. Diesen hatte auch das Spital Limmattal bemerkt. Zunächst kamen die in den Toilettenräumen vorhandenen Behälter weg. Dann, als sie angekettet wurden, füllten Besucher die Desinfektionsmittel einfach in mitgebrachte Flaschen um. Mittlerweile gibt es auf den öffentlichen Limmi-Toiletten nur noch Seife. «Desinfektionsmittel sind in Teilen des Spitals wichtig und unerlässlich», sagt Brack. «Um gegen Viren vorzubeugen, reicht gewöhnliche Seife aus – man muss sich aber damit wie geraten die Hände waschen.»

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