Weiningen
Bis zum finalen Bier sind es 1100 Kilometer: Im Kajak nach Amsterdam

Patrick Roth und Tino Schmid wollen im Kajak vom Limmattal bis nach Amsterdam paddeln. Für das Abenteuer brauchen sie viel Kraft und Ausdauer. In gut drei Wochen wollen sie ankommen. Los geht es morgen.

Sandro Zimmerli
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Patrick Roth und Tino Schmid werden mit ihren Kajaks täglich 60 bis 70 Kilometer zurücklegen.

Patrick Roth und Tino Schmid werden mit ihren Kajaks täglich 60 bis 70 Kilometer zurücklegen.

Sandro Zimmerli

Mit dem Flugzeug lässt sich Amsterdam von Zürich aus bequem in knapp 90 Minuten erreichen. Auch mit der Bahn oder dem Auto schafft man es noch binnen eines halben Tages in die niederländische Metropole. Anders verhält es sich, wenn man die Strecke auf dem Wasserweg zurücklegen will, und das auch noch ganz ohne Motor. Dann wird die Reise zur Herausforderung und zum Abenteuer.

Für den Weininger Patrick Roth und den Urdorfer Tino Schmid startet dieses am Sonntag. Dann brechen sie mit ihren Kajaks in Oetwil zu einer rund 1100 Kilometer langen Reise auf. Ihr Ziel: Am 20. Juni, wenn das Rebblüetefäscht in Weiningen eröffnet wird, wollen sie wieder zurück sein. Für die beiden heisst das, täglich 60 bis 70 Kilometer zurückzulegen.

Nervosität ist kurz vor der Abreise nicht zu spüren. Vielmehr herrscht grosse Vorfreude. Denn mit der Fahrt nach Amsterdam erfüllt sich für Schmid ein lang gehegter Wunsch. «Ich fahre schon lange Kajak. Irgendwann hatte ich genug davon, mich durch Stromschnellen zu manövrieren. Ich wollte einmal eine längere Tour unternehmen», sagt Schmid. Die Idee, vom Limmattal nach Amsterdam zu paddeln, war geboren.

Beim ersten Mal war in Rust fertig

Schmid nahm sich deshalb vor acht Jahren einen Monat frei, um sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. «Kurz vor der Abreise offerierte mir mein damaliger Arbeitgeber eine Ausbildung. Ich nahm an», erinnert er sich. Von den vier Wochen Urlaub blieb noch eine übrig. «Ich machte mich trotzdem auf den Weg. Mich interessierte, wie weit ich es in dieser Zeit schaffe.» 266 Kilometer weit kam er damals. «Das ist etwa auf der Höhe von Rust», sagt er.

Nun, acht Jahre später, bot sich ihm wieder die Möglichkeit, einen Monat Urlaub zu nehmen. «Ich fragte im Kollegenkreis, wer mich begleiten will. An einem fröhlichen Abend sagte mir Patrick zu», sagt er. Allerdings traute er der Sache noch nicht richtig. «Patrick hatte weder Erfahrung im Paddeln, geschweige denn ein Kajak», so Schmid. Die Bedenken waren aber schnell verflogen. «Am nächsten Tag rief mich Patrick an und sagte, dass er sich bereits Baupläne für ein Kajak bestellt habe.»

Solarpanels auf den Booten

Der erste Versuch Roths, ein Kajak zu bauen, misslang. «Also probierte ich es erneut. Letzten Herbst habe ich begonnen und das Kajak nach rund fünf Monaten fertiggestellt», sagt Roth. Den ersten Test hat es bestanden. «Ich drehte drei Runden auf dem Weininger Weiher», so Roth.

Für die Freunde hiess es nun, die Vorbereitungen zu treffen. Im Gepäck haben sie nur das Nötigste. «Neben den Kleidern, die wir beim Paddeln tragen, hat jeder noch einen zweiten Kleidersatz dabei. So können wir auch einmal eine Stadt besichtigen», sagt Schmid. Zudem gehöre ein Schlafsack und eine Schlafmatte sowie Proviant zur Ausrüstung.

«Die Flusskarten sind auf dem iPad gespeichert. Deshalb haben wir auf beiden Kajaks Solarpanels installiert», sagt Schmid. Den Tag hindurch werde so der Akku geladen. In der Nacht könnte sie dann ihre elektronischen Geräte anschliessen.

Ein weiteres wichtiges Utensil ist das Rollgestell für die Kajaks. «Gerade in der Schweiz müssen wir an verschiedenen Stellen aus dem Wasser und die Boote über Land befördern. Da ist es hilfreich, die Kajaks ziehen zu können», sagt Schmid. Denn Kraft werden die beiden schon genug brauchen. «In den ersten Tagen werden wir unsere Muskeln bestimmt spüren», so Schmid. Sie hätten sich vorgenommen, dann zu pausieren, wenn sie müde sind. Übernachten werden sie an geeigneten Stellen am Ufer.

Klar ist bereits, dass sie in Düsseldorf von einem Freund Schmids erwartet werden. Dann werden sie rund 700 Kilometer hinter sich gebracht haben. Ein Grossteil der Reise soll auf Nebenarmen des Rheins erfolgen. «Dort hat man das Gefühl, sich in unberührter Natur zubefinden. Auf vielen Abschnitten sind keine Motorboote zugelassen», so Schmid.

Anders wird die Situation in Basel sein. «Dort gilt es, auf die grossen Schiffe achtzugeben. Gefährlich ist es nicht, man muss aber aufmerksam sein», sagt Schmid.

Wie sie die erfolgreich überstandene Reise feiern wollen, wissen Schmid und Roth noch nicht. «In Amsterdam wird es aber sicher ein Bier geben», so Roth. Und natürlich auch am Rebblüetefäscht.