Bei all den Gebäuden, die im Limmatfeld zurzeit aus dem Boden gestampft werden, fällt die Baustelle am Hunzikerhaus an der Heimstrasse kaum auf. Noch ist das Gebäude, in das an diesem Vormittag eine neue Puderaufbereitungsanlage gehievt wird, ein Skelett. Doch bereits im Juni will der Süsswarenhersteller hier seine Arbeit aufnehmen. Bis dann soll der Erweiterungsbau fertig, die Wand zum bestehenden Fabrikgebäude durchbrochen und die neuen Hallen für eine ergiebigere und nachhaltigere Produktion bereit sein.

Doppelte Kapazität, weniger CO2

Mit der neuen Anlage will das Dietiker Traditionsunternehmen nicht nur die Kapazität erhöhen, sondern auch seine CO2-Bilanz verbessern. Durch die energieeffiziente Bauweise der Anlage und den Wegfall von langen Produktionswegen, die im 1957 erstellten Fabrikgebäude zurzeit noch bestehen, wird es die Firma so schaffen, trotz Kapazitätsverdoppelung 30 bis 40 Prozent weniger Treibhausgase auszustossen.

Das Herzstück des Ausbaus ist die sogenannte Mogul-Anlage, bei der am Ende eines komplexen Produktionsvorgangs Gummibären und Hustenbonbons über das Fliessband tanzen. In der neuen Maschine, die per Schwertransporter aus Holland angeliefert wurde, wird künftig Maispuder getrocknet – zehn Tonnen stündlich. Obwohl man dem Endprodukt davon nichts ansieht, dreht sich bei der Schleckwarenherstellung alles um dieses Stärkeprodukt. Das funktioniert folgendermassen: Via Stempelbrett wird ein Negativ der Form – etwa ein Gummibärchen – in eine Schicht Maispuder gepresst. Danach wird die flüssige Rohstoffmischung in die Einbuchtung gegossen, getrocknet und entstaubt.

Weil die neuen Maschinen jährlich bis zu 600 Tonnen CO2 einsparen sollen, unterstützt die Schweizer Klimastiftung deren Anschaffung mit einem Beitrag von 200 000 Franken – dem Maximalbetrag, den die Stiftung für solche Projekte spricht. «Die Firma ist ein gutes Beispiel dafür, wie viel Effizienzmassnahmen bei KMU dem Schweizer Klimaschutz nützen können», erklärt Stiftungs-Geschäftsleiter Vincent Eckert die Spende.

Angesichts der Gesamtkosten stellt diese jedoch nur einen Tropfen auf den heissen Stein dar. «Die Investitionskosten für die Maschinen-Umrüstung befinden sich im höheren, einstelligen Millionenbereich, die für die gesamte Erweiterung im zweistelligen», wie Hunziker-CEO Felix Obrist sagt. Diese Ausgaben sind jedoch nötig. Denn wie viele andere Branchen müssen auch die Schweizer Süsswarenproduzenten mit Qualität und Innovation trumpfen, um mit ausländischen Billiganbietern mithalten zu können. Um sein Kerngeschäft zu erweitern, ist das Unternehmen auf Zertifizierungen angewiesen. Dafür wiederum sind hochmoderne Anlagen nötig.

Strategiewechsel Richtung Pharma

Die Firma Hunziker, die hierzulande vor allem als Hoflieferant der Migros bekannt ist, hat seine neue Nische mit den sogenannten OCT-Produkten bereits gefunden. Das Geschäft mit den nicht rezeptpflichtigen Süsswaren mit pharmazeutischer Wirkung – etwa Hustensirup oder -Bonbons – wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Deshalb ist Obrist heute auch zuversichtlich, dass seine Firma in Zukunft nicht nur doppelt so viel produzieren, sondern auch absetzen werden kann.

«Der OCT-Markt kommt einem immer stärker werdenden Bedürfnis des modernen, gestressten Menschen nach: Mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen», erklärt er. So könne man mit einem Hunziker-Bonbon heute nicht mehr nur seine Lust nach Süssem befriedigen, sondern etwa auch Mundgeruch beseitigen, Halsweh kurieren, Vitaminzusätze zu sich nehmen – und das alles auch noch kalorienreduziert. «Der technische Fortschritt erlaubt uns heute, in einem Produkt mehrere Funktionen zu vereinen», sagt der CEO. Mit sechs Vollzeit-Produktentwicklern setzt Hunziker denn auch stark auf Innovation.

Dass künftig auch grüner produziert wird, ist für Obrist da nur folgerichtig: «Wir wollen unseren Beitrag leisten. Und wenn Nachhaltigkeitsbestreben mit einer Kapazitätserhöhung Hand in Hand gehen können, ist das doch umso besser.» Mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt die Firma also nicht nur bei der Entwicklung ihrer Produkte, sondern auch gleich bei ihrer eigenen.