Die Empörung über die Schule Schlieren flaut nicht ab. Nach der Kündigung eines Seklehrers vor drei Wochen erregt nun die Erhöhung der Horttarife die Gemüter einiger Schlieremer Eltern. Die Schulpflege hat Ende Oktober beschlossen, ab Februar 2019 ein neues Tarifsystem einzuführen. Die Eltern müssen dann tiefer in die Taschen greifen, wenn sie ihre Kinder schulergänzend betreuen lassen wollen. Betroffen sind die Eltern von 350 Kindern. Derzeit zahlen sie beispielsweise für die Nachmittagsbetreuung je nach Einkommen 14 bis 26 Franken.

Neu macht die Schule Schlieren einen Unterschied, ob Kindergartenkinder oder Primarschüler betreut werden. Für Kindergartenkinder kostet die Nachmittagsbetreuung 23 bis 58 Franken, für Primarschulkinder müssen die Eltern 18.50 bis 46 Franken hinblättern. Das sind zwischen 32 und 123 Prozent mehr.

Die Entrüstung der Eltern ob der massiven Erhöhung ist so gross, dass viele einen Rekurs beim Bezirksrat Dietikon eingereicht haben. Auf Anfrage bestätigt Bezirksratsschreiber Stephen Bosshard den Eingang von Rekursen im zweistelligen Bereich. Die genaue Zahl wolle er nicht nennen, da noch mehr Rekurse eingehen könnten. Doch, was bereits jetzt offensichtlich ist: «Wir haben selten so viele Rekurse auf einen Beschluss erhalten. Unter Berücksichtigung dieser Besonderheit müssen wir das weitere Verfahren gut prüfen. Die betroffenen Personen werden von uns direkt informiert», sagt Bosshard.

Einer der Rekurrenten ist GLP-Gemeinderat Henry Jager. «Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich am letzten Samstag einen Brief der Schulpflege erhalten habe, in dem stand, dass ich bald 40 Prozent mehr für die schulergänzende Betreuung meiner Kinder bezahlen muss», sagt er. Das Schlimme sei, dass seine Familie damit noch recht glimpflich davonkomme. «Im Gespräch mit anderen Eltern habe ich erfahren, dass sich für viele die Horttarife um 70 bis 109 Prozent erhöhen.»

Für Jager sind die Aufschläge zu massiv. Er befürchtet, dass dadurch viele wohlhabende und mittelständische Familien wegziehen oder ihre Kinder in Privatschulen schicken könnten. «Schlierens Ziel ist es, einen guten Mix in der Bevölkerung und in der Volksschule zu haben. Dieses Vorgehen bewirkt aber genau das Umgekehrte.»

Geschwisterrabatt entfällt

Zudem versteht Jager nicht, weshalb die Tarife so stark in die Höhe steigen. «Ich sehe keine Leistungssteigerung, die die Preiserhöhung rechtfertigen würde.» Im Gegenteil: Es finde ein Leistungsabbau statt. «Am Chilbimontag gibt es kein Angebot mehr. Das ist vor allem für Eltern, die ausserhalb von Schlieren arbeiten mühsam», sagt Jager. Überdies entfalle die Ermässigung von 20 Prozent für Geschwister.

Jager verlangt, dass die Schulpflege ihre Kostenstruktur detailliert offenlegt. Mit deren Kommunikation ist er ebenso nicht zufrieden. «Der Beschluss fiel am 30. Oktober. Interessant, dass die Eltern erst 25 Tage nach der amtlichen Mitteilung im Limmattaler vom 5. November informiert wurden. Mit dieser Trickserei sollte wohl die 30-tägige Rekursfrist umgangen werden.»

Nicht einverstanden mit der Tariferhöhung und dem Vorgehen der Schulpflege ist auch Thierry Spaniol. Der ehemalige FDP-Gemeinderat hat ebenfalls Rekurs gegen den Beschluss eingereicht. Seine Tochter besucht drei Mal pro Woche den Hort Schärerwiese. Derzeit zahlt er dafür knapp 420 Franken pro Monat, neu werden es 702 Franken sein. Ihm fehlt der politische Diskurs.

«Die Schule begründet die Anpassung mit dem Ausbau der Betreuung. Diese wurde im Parlament aber nie diskutiert», sagt Spaniol. Er habe das Gefühl, dass die Schulverwaltung die Infrastruktur ausgebaut habe und nun die Kosten in die Höhe geschossen seien. Da spiele nicht nur die Teuerung eine Rolle.

Mit dem Betreuungsangebot ist Spaniol seit längerem nicht mehr zufrieden. «Ich bin bereit, für eine gute Dienstleistung zu zahlen, aber nicht für eine, die immer schlechter wird.» Es seien immer mehr Kinder im Hort, manchmal sei es so laut, dass seine Tochter sich nur schwer aufs Hausaufgabenlösen konzentrieren könne.

Erbost ist Spaniol, dass allfällige Rekurse keine aufschiebende Wirkung auf den Beschluss haben. «Solange ein Rekursverfahren läuft, gelten gemäss Gesetz nicht die neuen, sondern die bisherigen Tarife.» Mit seinem Rekurs will er unter anderem erreichen, dass nach dieser Regelung gehandelt wird.

Die Tariferhöhung dürfte wohl bald tatsächlich auch in der Schlieremer Politik ein Thema sein. GLP-Gemeinderätin Songül Viridén hat dazu eine Kleine Anfrage an den Stadtrat gerichtet. Darin will sie wissen, ob dieser über die geplante massive Erhöhung informiert wurde. Sie findet nämlich, dass obwohl solche Reglemente in die Kompetenz der Schulpflege fallen, es bei derart massiven Erhöhungen angebracht sei, das Parlament zu befragen.

Zudem fragt Viridén, ob sich der Stadtrat darüber im Klaren sei, dass solche Erhöhungen zur Folge hätten, dass mittags und nachmittags mehr Kinder in Schlieren unbetreut umherziehen würden. Überdies bringt sie dasselbe Argument wie schon ihr Parteikollege Henry Jager ein: «Die gute Durchmischung aber auch Steuereinnahmen in Schlieren sind gefährdet, wenn gut verdienende Eltern bei einer solch massiven Erhöhung es in Betracht ziehen, aus Schlieren wegzuziehen oder gar nicht mehr herziehen.»

Betreuung personalisiert

Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP) versteht, dass die Eltern über die Tariferhöhung nicht erfreut sind. «Niemand mag es, wenn Dienstleistungen teurer werden», sagt sie auf Anfrage. Die Anpassung sei jedoch nötig gewesen, da die Kostendeckung allein durch die Teuerungsentwicklung deutlich zu tief gewesen sei. «Aufgrund des Kostendrucks im Finanzhaushalt der Stadt hat die Schulpflege ihre Verantwortung wahrgenommen und die Kostenstruktur der Schule optimiert», so Krebs weiter.

Von Leistungsabbau könne nicht die Rede sein: «Die Betreuung wurde im Verlauf der letzten Jahre professionalisiert. Das heisst, heute werden die Horte von Sozialpädagoginnen mit Unterstützung von Fachangestellten Betreuung geführt.»

Der Chilbimontag werde für die Weiterbildung des Personals genutzt. Dass die aufschiebende Wirkung entzogen werde, sei bei Tariferhöhungen üblich, um Rechtssicherheit zu garantieren, sagt Krebs. «Ob Korrekturen an den neuen Tarifen vorgenommen werden müssen, hängt von der Beurteilung des Bezirksrats ab.»