Birmensdorf/Schlieren
100 Jahre Malergeschäft Höhn: Der Firmengründer war noch mit Leiterwagen zu Kunden unterwegs

Der Familienbetrieb feiert dieses Jahr ein besonderes Jubiläum, denn das Malergeschäft Höhn aus Birmensdorf wird 100 Jahre alt. Das von Monika Höhn geführte Geschäft ist im Limmattal fest verankert.

Sandro Zimmerli
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Monika Höhn führt das Malergeschäft Höhn seit 2019. Ihr zur Seite stehen die beiden Projektleiter Marcellino Meggiolaro und Darko Bosiokovic, die seit fast 40 Jahren beziehungsweise seit fast 30 Jahren für die Firma tätig sind.

Monika Höhn führt das Malergeschäft Höhn seit 2019. Ihr zur Seite stehen die beiden Projektleiter Marcellino Meggiolaro und Darko Bosiokovic, die seit fast 40 Jahren beziehungsweise seit fast 30 Jahren für die Firma tätig sind.

Bild: Sandro Zimmerli

«Es ist eine gute Truppe», sagt Monika Höhn über ihre Mitarbeitenden. Seit 2019 und dem tragischen Unfall ihres Mannes Silvio Höhn jun. führt sie das mittlerweile in Birmensdorf beheimatete Malergeschäft Höhn. Dieses Jahr steht nun das grosse Jubiläum an. Der Familienbetrieb, der seinen Geschäftssitz während Jahrzehnten in Schlieren hatte, feiert seinen 100. Geburtstag.

Wann die Feierlichkeiten stattfinden werden, ist wegen der Coronapandemie noch offen. Dass gefeiert werden soll, ist für Monika Höhn aber klar:

«Ich bin stolz auf jeden, der hier arbeitet.»

Die Mitarbeiter hätten es verdient. Viele seien schon seit Jahrzehnten dabei. Etwa die beiden Projektleiter Marcellino Meggiolaro und Darko Bosiokovic, die seit fast 40 Jahren beziehungsweise seit fast 30 Jahren für die Firma Höhn tätig sind.

«Er wusste, dass es ein gutes Team braucht»

Die geringe Fluktuation unter den mittlerweile 16 Mitarbeitenden sei mit ein Grund, dass das Unternehmen heute seinen 100. Geburtstag feiern könne, sagt Monika Höhn. «Mein Mann hatte sicher eine gewisse Weitsicht. Er hat viel gearbeitet. Die Familie ist deswegen oft zu kurz gekommen. Aber er hatte auch gute Leute um sich. Er wusste, dass es ein gutes Team braucht.»

Marcellino Meggiolaro sei ein gutes Beispiel. Beide hätten gleich getickt. «Sie waren von Anfang an eine Einheit, als mein Mann 1984 das Geschäft von seinem Vater übernommen hatte», sagt sie.

Auch für Meggiolaro hat es von Anfang an gepasst. «Dass ich schon so lange dabei bin, hat vor allem mit dem Chef zu tun. Die Firma ist bis heute ein toller Arbeitgeber», sagt er.

In den letzten knapp vier Jahrzehnten hat Meggiolaro miterlebt, wie aus einem quasi Einmannbetrieb ein Unternehmen entstand, das zu Spitzenzeiten im Sommer mit Temporärangestellten jeweils auf bis zu 50 Mitarbeitende anwächst und jährlich zwei bis drei Lehrlinge beschäftigt.

Immer noch eine Handarbeit

«An der eigentlichen Arbeit, an der Technik hat sich in den letzten 40 Jahren kaum etwas verändert. Wir sind immer noch auf Aussen- und Innenmalerarbeiten spezialisiert. Unsere Tätigkeit ist nach wie vor eine Handarbeit, bei der wir direkten Kontakt mit unseren Kunden haben», sagt Meggiolaro. Gerade dies mache den Malerberuf so interessant. «Ich finde es spannend, täglich mit ganz unterschiedlichen Kunden zu tun zu haben.»

Diese sind mittlerweile nicht mehr nur in der Region zu Hause. «Wir haben Aufträge in Rapperswil, Winterthur oder auch Aarau. Das war früher noch anders. Wir sind mobiler geworden», sagt Meggiolaro. Zudem sei auch die Zahl der Mitbewerber stark gestiegen. Und Monika Höhn ergänzt:

«Früher rief man den Maler aus dem Dorf. Das ist heute nicht mehr der Fall.»

Diese Mobilität zeigt sich auch an der Entwicklung des Fuhrparks der Höhn AG. Er umfasst mittlerweile 16 Fahrzeuge. In den frühen 1980er-Jahren waren es erst zwei und zur Zeit der Gründung des Unternehmens war an ein Auto noch gar nicht zu denken.

Vor 100 Jahren war man noch mit dem Leiterwagen unterwegs

Nachdem er seinen 1921 in Rüti gegründeten Betrieb nach Schlieren verlegt hatte, eröffnete Johannes Muschel, Stiefvater von Silvio Höhn sen., 1926 am Hüblerweg 10 sein Malergeschäft. Die Industrialisierung machte es möglich, dass Maler auch im ländlich geprägten Limmattal ein Auskommen finden konnten.

1926 zog Johannes Muschel mit seinem Malergeschäft von Rüti an den Hüblerweg in Schlieren.

1926 zog Johannes Muschel mit seinem Malergeschäft von Rüti an den Hüblerweg in Schlieren.

Bild: zvg

Wie aus dem Schlieremer Jahrheft 2013 zu entnehmen ist, waren die Arbeitstage damals lang und die Wege zu den Kunden beschwerlich. Dort heisst es:

«Mit dem Leiterwagen waren die Kunden zu bedienen. Auch in Ober- und Unterengstringen, Weiningen und Urdorf lagen die Arbeitsorte, denn in den nicht industrialisierten Gemeinden gab es keine Maler.»

Seine Fähigkeiten hatte sich Muschel nach der Malerlehre auf der traditionellen Walz erworben. Er wirkte unter anderem auch an Restaurationsarbeiten am Kölner Dom mit. Das Geschäft in Schlieren florierte. Und so konnte er 1946 das Mehrfamilienhaus an der Schulstrasse 38 erwerben und dort eine zeitgemässe Werkstatt einrichten.

Nach dem Tod von Muschel im Jahr 1953 übernahm Silvio Höhn sen. den Betrieb. 1984 folgte in der Geschäftsführung sein Sohn Silvio Höhn jun., der die Firma weiter ausbaute und daher mit dem Geschäft zuerst an die Zürcherstrasse 84, dann an den Alten Zürichweg 6 und schliesslich im Jahr 2018 nach Birmensdorf an die Stallikonerstrasse 52 zog.

Silvio Höhn sen. (links) übernahm den Betrieb 1953 nach dem Tod seines Stiefvaters. 1984 folgte sein Sohn Silvio Höhn jun. (rechts) in der Geschäftsführung.

Silvio Höhn sen. (links) übernahm den Betrieb 1953 nach dem Tod seines Stiefvaters. 1984 folgte sein Sohn Silvio Höhn jun. (rechts) in der Geschäftsführung.

Bild: zvg
Silvio Höhn jun. baute den Betrieb nach seiner Übernahme 1984 weiter aus.

Silvio Höhn jun. baute den Betrieb nach seiner Übernahme 1984 weiter aus.

Bild: zvg

Wie sein Vater engagierte sich auch Silvio Höhn jun. in Schlieren und im Limmattal. 1989 wurde er zum Präsidenten des Gewerbevereins Schlieren und 1997 zu dessen Ehrenmitglied gewählt. Zudem war er Mitglied im Rotary-Club Zürich-Limmattal.

Den Entscheid hat sie nie bereut

«Diese starke Verankerung in der Region ist sicher auch ein Teil des Erfolges des Unternehmens», sagt Monika Höhn, die mittlerweile auch schon seit 15 Jahren im Betrieb ist und nach dem Unfalltod ihres Mannes vor der Entscheidung stand, das Geschäft weiterzuführen oder in neue Hände zu geben. «Ich bin ja nicht vom Fach, habe aber immer sehr eng mit meinem Mann zusammengearbeitet und dabei vieles gelernt», sagt sie. Sie sei vor allem für das Organisatorische verantwortlich gewesen.

«Ich kam schliesslich zum Schluss, dass ich es den Mitarbeitern schuldig bin, weiterzumachen», sagt Höhn. Es sei auch für sie wichtig gewesen, um die schwierige Situation verarbeiten zu können. Bereut hat sie den Entscheid nicht. Dank des guten Teams sei das Unternehmen bislang auch gut durch die Coronakrise gekommen. «Viele unserer Kunden sind derzeit zu Hause und haben sich deshalb entschieden, geplante Malerarbeiten vorzuziehen», sagt sie. Das ganze Team ziehe in dieser Zeit am gleichen Strick. Eben, «eine gute Truppe».