Seit Fabian Dingetschweiler im März von der Ägäisinsel Chios zurückgekehrt ist, hat seine Feldküche im Keller geruht. Zwei Monate lang hatten er und sein Kollege Tom Wyniger für Flüchtlinge warme Mahlzeiten zubereitet, danach mussten die beiden Landschaftsgärtner nach Birmensdorf an ihre eigentliche Arbeit zurück.

Mitte August holten sie die Feldküche erneut hervor, luden sie auf Dingetschweilers Pick-Up und fuhren ins italienische Como, wo die Anzahl gestrandeter Migranten seit Ende Juli explodiert ist. Eigentlich kann sich der Jungunternehmer während des Sommers nicht von seinen beruflichen Verpflichtungen losreissen.

«Dieses Mal stauen sich jedoch Flüchtlinge just vor der Schweizer Grenze und die Situation spitzt sich immer mehr zu. Da mussten wir einfach reagieren.» «Wir», das sind die Mitglieder der Organisation «one love», die der Birmensdorfer vor einem Jahr gegründet hat. Im Herbst 2015 begleitete er Freunde an die sogenannte Balkanroute, um den Menschen in Flüchtlingscamps Hilfsgüter zu bringen.

Fabian Dingetschweiler filmt die Situation in Como, 13.8.2016

Balkan und Chios

Kurze Zeit später war er mit Freunden wieder vor Ort. Diesmal mit der Feldküche, die ihnen eine Wirtin aus Wettswil überlassen hatte. Anfangs 2016 reiste er mit one-love-Kollege Tom Wyniger zwei Monate auf die griechische Insel Chios. Dort halfen die beiden nächtelang durchnässten Flüchtlingen aus ihren Schlauchbooten an Land und bauten einen maroden Raum zu einem Begegnungscafé um.

Beim ersten Einsatz in Como schlossen sie sich mit Tessiner Freiwilligen zusammen, die in Chiasso Essen zubereiten, um es dann über die Grenze nach Como zu bringen. Solche Aktionen würden aber von offiziellen Hilfsorganisationen wie Caritas Italien nicht gerne gesehen, so die Erfahrung des Birmensdorfers.

Mittlerweile sei den Tessiner Helfern gar ein Verbot zur Essensausgabe aufgebrummt worden. Die Freiwilligen vor Ort vermuten, dass die Behörden ein staatliches Hilfswerk bevorzugen, weil sie dadurch die Situation besser kontrollieren können.

«Ausserdem empfinden es die offiziellen Hilfsorganisationen wohl als beschämend, wenn sie den Menschen lediglich Äpfel, Brot und Dosenfisch abgeben, während Freiwillige daneben eine warme Mahlzeit zubereiten», so Dingetschweiler.

Wochenendeinsätze in Como

Die neuen Umstände halten die Gruppe Limmattaler jedoch nicht davon ab, dieses Wochenende erneut nach Como zu reisen. «Die Leute harren an der Schweizer Grenze unter erbärmlichen Bedingungen aus, dabei hatte man ihnen in Afrika weiss gemacht, ihre Arbeitskraft würde in Europa gebraucht», sagt Dingetschweiler.

Die Schranken für Flüchtlingshelfer machen beim Birmensdorfer nach den vergangenen Erfahrungen keinen Eindruck mehr, spornen ihn sogar noch an. «Man kann viel erreichen, wenn man mit den Leuten redet – und dabei bin ich schon mal hartnäckig», sagt er hinsichtlich seines Vorhabens, die Küche gleichwohl zum Einsatz zu bringen.

Ausserdem sei auch in anderen Bereichen wie etwa den sanitären Anlagen Not am Mann. Biete man den Behörden jedoch die Finanzierung eines Toi-Tois an, so müsse man aber erst gegen deren Angst angehen, sie würden es so den wild campierenden Menschen zu bequem machen.

«Solche Argumente musste ich bei jedem meiner Einsätze hören und lasse ich in keiner Verhandlung mit Behörden gelten.» Nur bis Sonntagabend können die Freunde in Como bleiben. Ohne Entspannung der aktuellen Lage dürfte es jedoch nicht ihr letzter Besuch gewesen sein.