«Ich höre leider nicht mehr alles», entschuldigt sich die 100-jährige Hedi Gut-Eberle, als sie auf ihrem Ehrenplatz im Birmensdorfer Alterszentrum am Bach Platz nimmt.

Sie ist eine von drei Birmensdorfern, die in der neuen Publikation von der Heimatkundlichen Vereinigung Birmensdorf aus ihrem Leben erzählen.

Die alte Dame geht am Stock, doch tut sie dies in einem stolzen Tempo. Auch in jüngeren Jahren muss sie gut in Form gewesen sein.

Eines der Bilder im Heft zeigt sie als junge Frau im Sommerkleid auf einem Fahrrad. Daneben erzählt Gut: «Ich besuchte meine Eltern im sanktgallischen Wittenbach mit dem Fahrrad.

Für die Fahrt brauchte ich fünf bis sechs Stunden.» In ihrem 101. Lebensjahr wohnt sie immer noch alleine im Bauernhaus auf dem Birmensdorfer Hafnerberg, das sie als junge Braut mit ihrem Mann Edwin bezog.

Die Geschichten aus den Leben von Hedi Gut, Rosa Suter und Res Haab stellen bereits die vierte Publikation in einer Serie dar, in der Menschen aus der Region von ihren Erlebnissen erzählen.

Viele Anekdoten erzählen aus Zeiten, in denen viele Haushalte das Jahr über ein Säuli mästeten, die Männer wegen des drohenden Krieges öfter im Militär als zu Hause waren und der Weg nach Zürich oft noch zu Fuss angetreten wurde.

Mit der Einheirat in die Bauernfamilie Gut kam Hedi Gut auch zu einer herzensguten Schwiegermutter. Da kann es auch ein Glücksfall sein, wenn die Grossfamilie im selben Haus wohnt.

Als sich einst eine Bäuerin vom Altberg über die lebensfreudige Birmensdorferin beschwerte, die sich auch als verheiratete Frau immer noch in Trachtengruppe und Damenriege vergnügte, verteidigte Schwiegermutter Gut sie vehement.

Junge Frauen, die so viel arbeiten würden, sollten sich auch mal vergnügen dürfen, und überhaupt, wer sie nur besuche, um über die Schwiegertochter zu klagen, müsse sich gar nicht mehr auf den Hafnerberg bemühen, ereiferte die Schwiegermutter sich.

Auch Rosa Suter, die mit Jahrgang 1916 dieses Jahr auf ein Jahrhundert anstossen kann, hat Autorin Elisabeth Schweingruber für die Schrift aus ihrem erlebnisreichen Leben als berufsorientierte Kauffrau, aber auch als Mutter und Frauenvereinsmitglied erzählt.

Sie kam als schicke Zürcher Stadtfrau ins Dorf, nachdem sie ihrem Mann Otti Suter das Jawort gegeben hatte. Auf dem Land sorgte sie mit modischer Frisur und roten Fingernägeln dafür, dass die Bewohner der Aescherstrasse die Vorhänge beiseitezogen, wenn die junge Frau in Richtung Bahnhof ging, um in die grosse Stadt zu fahren.

Bei der Präsentation der Schrift am Donnerstag präsentierte sich Rosa Suter ebenfalls als elegante Grande Dame.

Res Haab, mit 65 Jahren verhältnismässig der junge Bursche im Dreierbund, erzählt in der Publikation von seinem Beruf als Störmetzger, den er bis 1985 ausübte.

Schon als Jüngling von seinem Onkel ins Metier eingeführt, machte sich Haab in der kühlen Jahreszeit auf zu den Familien, die ihr Schwein geschlachtet haben wollten. Die schwere, gusseiserne Fleischhack-Wurstmaschine trug er anfangs noch in einer «Chräze» am Rücken.

Nur wer die besten Würste machte, wurde als Störmetzger engagiert. Später, als der Beruf zunehmend verschwand, konnte sich Haab vor Aufträgen kaum retten und schlachtete in der Hochsaison zwei Schweine pro Tag.

«Es liegt uns als Heimatkundlicher Vereinigung am Herzen, dass das Alltagsleben, wie die Leute es vor 100 Jahren mit ihren Freuden und Sorgen erlebt hatten, nicht verloren geht», sagt Autorin Elisabeth Schweingruber, die alle Gespräche mit den drei Birmensdorfern geführt hat.

Sie seien zufrieden, bestätigten beide Damen, als sie von Schweingruber nach ihrem Befinden gefragt wurden. Auch Res Haab, heute als Kunden-Metzger tätig, konnten die vielen Veränderungen nichts anhaben: «Ich bin immer noch begeistert von meinem Beruf.»

«Gespräche mit Birmensdorfer Männern und Frauen» kann im Birmensdorfer «Dorflade», in der Bibliothek und bei der Gemeindeverwaltung bezogen werden.