Bezirksgericht Zürich
Birmensdorfer Bauführer in einem «Vier-Augen-Fall» freigesprochen

Der 47-jährige Mann wurde von seiner Ex-Freundin vor vier Jahren wegen sexueller Nötigung angezeigt. Aufgrund von den widersprüchigen Zeugenaussagen der Frau wurde der Bauführer, wie von seiner Verteidigung gefordert vollumfänglich freigesprochen.

Attila Szenogrady
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Bezirksgericht Zürich (Archiv)

Bezirksgericht Zürich (Archiv)

Keystone

Juristen nennen diese speziellen Prozesse «Vier-Augen-Fälle». Das bedeutet, dass die eingeklagten Vorwürfe weder auf unabhängigen Zeugenaussagen noch auf objektiven Beweisen beruhen. Die Anklage gründet alleine auf den Belastungen des Opfers. Weshalb nur die sich widersprechenden Aussagen der gegnerischen Parteien vor Gericht zur Debatte stehen. Genau solch eine spannende Verhandlung aus Birmensdorf beschäftigte gestern Dienstag das Bezirksgericht Zürich. Ein 47-jähriger Bauführer musste sich wegen Nötigung sowie sexueller Nötigung vor den Schranken verantworten und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von neun Monaten rechnen.

Die Anklageschrift ging auf den 29. September 2009 zurück. Damals suchte der Beschuldigte am späten Vormittag seine Ex-Freundin an ihrem Wohnort auf. Die zuständige Staatsanwältin führte aus, dass der Mann seine frühere Partnerin plötzlich in der Küche packte, ins Schlafzimmer trug und sie auf das Bett warf. Als sie zu schreien begann, hielt er ihr den Mund zu.

Zunächst gelang es der Geschädigten, sich loszureissen. Doch dann holte er sie ein, warf sie erneut auf das Bett und griff gegen ihren Willen an ihre Brüste aus. Zudem fasst er ihr unter ihrem Slip an ihre Scheide. Da sie sich weiterhin massiv zur Wehr setzte, liess er von ihr ab.

Strafanzeige nach wenigen Tagen

Wenige Tage später erlebte der Birmensdorfer eine böse Überraschung. Nach einer Strafanzeige seiner Ex-Freundin wurde er von der Polizei festgenommen und verschwand für über einen Monat in Untersuchungshaft. Gegen den Mann sprach, dass er bereits vor über zehn Jahren eine einschlägige Vorstrafe wegen Vergewaltigung kassiert hatte. Allerdings beteuerte er von Anfang an seine Unschuld und sprach von einem Racheakt seiner ehemaligen sowie eifersüchtigen Partnerin. So sei er seit dem Frühling 2012 mit einer neuen Freundin zusammen, gab er an.

Auch vor Gericht wies der Beschuldigte die Vorwürfe in Anwesenheit seiner neuen Freundin zurück. Allerdings kam am Prozess heraus, dass er während der Untersuchung vor der Staatsanwaltschaft fast ein Geständnis abgelegt hatte. Der Rechtsvertreter des Opfers zitierte ihn dabei wörtlich: «Ich habe sie nicht sexuell genötigt. Auch wenn es subjektiv so in Erscheinung getreten sein mag», hatte der Beschuldigte zu Protokoll gegeben.

Vor Gericht führte er dazu aus, dass er dies nur theoretisch aus der Sicht der Geschädigten gemeint habe. Er habe sie nicht einmal angefasst, versicherte er.

Verteidigung für vollen Freispruch

Die Verteidigung verlangte mangels Beweisen einen vollen Freispruch und verwies auf widersprüchliche Aussagen der Geschädigten. Zudem habe sie seinen Klienten auch nach dem Ende der Beziehung mit diversen SMS belästigt. Offensichtlich habe sie die Rückweisung nicht verkraftet und habe sich mit der Strafanzeige gerächt.

Das Gericht folgte zum Schluss der Verteidigung und kam zu einem vollen Freispruch. Für die zuständige Einzelrichterin war ein zentraler Widerspruch der Geschädigten ausschlaggebend. So hatte sie während der Ermittlungen zum einen ausgesagt, dass sie nach dem Vorfall in Panik gewesen sei. Andererseits hatte sie erklärt, dass sie nach dem Verbrechen von ihrem Peiniger in die Migros gefahren worden sei, wo sie normal eingekauft habe. Was ein nicht widerspruchloses Verhalten darstelle.

Zudem führte das Gericht aus, dass das Opfer dem Beschuldigten auch SMS-Botschaften zugestellt habe. Ohne die Übergriffe zu erwähnen. Die Geschädigte habe erst reagiert, nachdem sie einige Tage später vom Beschuldigten eine verfängliche E-Mail-Nachricht erhalten habe. Deshalb erscheine die Anzeige als eine Retourkutsche.

Infolge des Freispruchs erhielt der heute arbeitslose Beschuldigte eine Genugtuung von 7000 Franken.