Birmensdorf
2018 ist er noch gescheitert – nun will Patrick Vogel den Gemeinderatssitz von Annegret Grossen

Der 35-jährige Freisinnige war bereits in Bonstetten Gemeinderat und kennt sich aufgrund seines Jobs bestens mit den Verwaltungsabläufen aus. Vor drei Jahren verpasste er die Wahl in den Birmensdorfer Gemeinderat nur knapp.

Alex Rudolf
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Patrick Vogel kandidiert für den Birmensdorfer Gemeinderat.

Patrick Vogel kandidiert für den Birmensdorfer Gemeinderat.

Bild: zvg

Ob Patrick Vogel (FDP) in den Wahlkampf ziehen muss oder nicht, zeigt sich Ende Woche. Dann wird endgültig klar, ob sich vor Ablauf der zweiten Frist noch weitere Kandidierende für die Nachfolge der Birmensdorfer Gemeinderätin Annegret Grossen (FDP) gemeldet haben. Diese hatte Anfang Februar ihren Rücktritt angekündigt. Tauchen keine weiteren Kandidierenden auf, gilt Vogel als in stiller Wahl gewählt.

Er kandidierte bereits bei den Gesamterneuerungswahlen 2018. Damals verpasste der 35-Jährige einen Sitz nur knapp. Lediglich 37 Stimmen trennten ihn von Ringo Keller (SVP), der die Wahl damals schaffte. «Was mich freute, ist, dass ich das absolute Mehr erreicht hatte. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden», sagt Vogel rückblickend.

Er wohnt erst seit 2017 in der Gemeinde. Davor war er in der Schulpflege von Bonstetten und anschliessend im Gemeinderat tätig. «Ich kenne mich mit Exekutivämtern aufgrund meiner rund zehnjährigen Behördenerfahrung aus und kann in etwa abschätzen, was bei einer allfälligen Wahl auf mich zukommt», sagt er. Dass er sich in der Verwaltung auskennt, zeigt auch sein beruflicher Werdegang. Er ist ausgebildeter Gemeindeschreiber und arbeitet heute im Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich. Dort leitet er den Bereich Zentrale Dienste in der Abteilung Musikschule Konservatorium Zürich. Diese ist verantwortlich für die musikalische, theatralische und tänzerische Ausbildung in der Stadt. Total arbeiten rund 600 Personen in dieser Dienstabteilung.

Es fehle besonders an Alterswohnungen

Welches Ressort Vogel nach einer allfälligen Wahl zugeteilt würde, liegt im Ermessen des Gesamtgemeinderats. Ohne Rochaden würde er als Nachfolger von Grossen Sozialvorstand werden. Könnte er sich damit anfreunden? Vor vier Jahren interessierte er sich besonders für das Ressort Finanzen. «Ganz klar würde ich mich im Sozialressort wohlfühlen», sagt Vogel. So mangle es dem Dorf besonders an Alterswohnungen, speziell an Ein- bis Zweizimmerwohnungen. Auch mit den Richtlinien der Schweizer Sozialhilfekonferenz (SKOS) kenne er sich gut aus, was ihm die Arbeit erleichtern würde.

Doch auch andere Bereiche wie Bau und Planung, Verkehr oder eben Finanzen liegen ihm. «Was ich an Birmensdorf besonders mag, ist, dass es sich seinen Dorfcharakter mit Naherholungsgebieten und attraktivem Dorfkern bewahrt hat.» Vogel schreckt aber auch vor pointierten Aussagen nicht zurück: An einer Wahlveranstaltung vor drei Jahren sagte er, dass man nicht von ihm erwarten könne, sich für Tempo-30-Zonen einzusetzen. «Dies muss ich heute relativieren. So bin ich nicht prinzipiell dagegen, sondern eher gegen eine flächendeckende Einführung von Tempo 30.» An den richtigen Orten sei eine Verlangsamung des Verkehrs sicher sinnvoll.

Für Aufsehen sorgte Vogel vor vier Jahren im Vorfeld des letzten Wahlkampfs. Damals unterzeichnete er als einziger der neun Kandidierenden für die sieben Gemeinderatssitze ein Positionenpapier des örtlichen Gewerbeverbands. Darin verlangten die Gewerbler, dass sich die Kandidierenden unter anderem für einen möglichst tiefen Steuerfuss und ein absolutes Minimum bei den Sozialleistungen einsetzen. Alle anderen Kandidierenden distanzierten sich davon, da gewisse Positionen nicht umsetzbar seien.

Wie denkt Vogel heute darüber? «Ich habe damals wie heute kein Problem damit, mich zu exponieren.» So wolle er sich auch weiterhin für einen gesunden Finanzhaushalt einsetzen. «Dass wir hinsichtlich all der Investitionen bei der Schule den Steuerfuss in absehbarer Zeit senken können, glaube ich aber nicht.» Ein gleichbleibender Steuerfuss müsse daher das Ziel sein.

Auch die Forderung des Gewerbes nach geringeren Leistungen für Sozialhilfebezügern relativiert Vogel heute. So entscheide nicht er alleine, sondern die Sozialbehörde als Kollektiv über einzelne Fälle. «Auch ist der gesetzliche Spielraum eher gering. Dennoch: Ich will den Steuerfranken dort einsetzen, wo er sinnvoll und angebracht ist.»