Birmensdorf
Nach 880 Stunden Arbeit: Das historische Wasserrad des Ortsmuseums ist fast fertig restauriert

Das zwei Tonnen schwere Mühlrad aus dem Jahr 1878 wird derzeit saniert. Hauptrestaurator Albert Wey musste oft seine Kreativität unter Beweis stellen: So hat er Leim mit einer Spritze aufgetragen und selber Schrauben hergestellt.

Virginia Kamm
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Albert Wey und die weiteren Helferinnen und Helfer haben etwa 880 Stunden Arbeit in die Restaurierung des Wasserrads investiert.
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Die Wasserschaufeln waren teils morsch und mussten ersetzt werden.
Die Schrauben aus 1878 waren so verkalkt, dass Albert Wey sie nicht einfach hinausnehmen konnte. Er musste sie entzweisägen und ihnen ein neues Innengewinde geben.
Der sogenannte Mühlendoktor Kurt Fasnacht hat die Heimatkundliche Vereinigung Birmensdorf bei der Sanierung unterstützt.
Zwischen 1878 und 1956 war das Wasserrad Teil der Drechslerei Wismer. Hier zu sehen: Der Antrieb des Rads.
Wey rechnet damit, dass das Ortsmuseum ab der zweiten Maiwoche wieder Besucher empfangen kann.

Albert Wey und die weiteren Helferinnen und Helfer haben etwa 880 Stunden Arbeit in die Restaurierung des Wasserrads investiert.

Britta Gut

Die Restaurationsarbeiten am Wasserrad des Birmensdorfer Ortsmuseums schreiten voran: Ende Jahr sollen sie vollständig abgeschlossen sein. Momentan muss das gut 140 Jahre alte Rad für zwei Monate trocknen, bevor letzte Arbeiten erfolgen können. Zuvor wurde es mit einem Hochdruckreiniger herausgeputzt. Das Wasserrad ist ein Teil der Mühle Birmensdorf, die 1347 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Im Sommer 2018 begann die Heimatkundliche Vereinigung Birmensdorf mit den Vorbereitungen für die Restauration. Das 1878 errichtete Rad war bis 1956 in Betrieb für die Drechslerei Wismer. «Danach war das Wasserrad 40 Jahre lang der Feuchtigkeit ausgesetzt», sagt Albert Wey, Kurator des Ortsmuseums und Hauptrestaurator des Wasserrads. Dadurch wurde das Eichen- und Lärchenholz teilweise morsch und die Eisenteile rostig. Seit Ende 2019 ist die Heimatkundliche Vereinigung mit der Restaurierung beschäftigt.

Seither ist viel geschehen: Zwölf der 30 sogenannten Wasserschaufeln mussten ersetzt werden. «Mit 100 Grad heissen Wasserdampf wurde das Holz weich und biegbar gemacht», erklärt Albert Wey. So konnten neue Wasserschaufeln hergestellt werden. Das Holz färbte er mit einem Bunsenbrenner dunkler. Mit einem Hobel hat er das Holz so strukturiert, dass es nicht mehr glänzt. Löcher in den alten Wasserschaufeln hat er mit ebenfalls altem Holz verdübelt.

Der Heimatschutz hat 15'000 Franken in Aussicht gestellt

Der kantonale Heimatschutz hat in Aussicht gestellt, sich mit 15'000 Franken an der Restaurierung des Wasserrades zu beteiligen. Um das Geld zu erhalten, mussten Wey und der beigezogene Fachmann, der Mühlendoktor Kurt Fasnacht, jedoch möglichst mit originalen Materialien und nach den ursprünglichen Macharten arbeiten. Die Schrauben des Wasserrads, die ebenfalls aus dem Jahr 1878 stammen, waren so verkalkt, dass Wey sie nicht einfach herausnehmen konnte. «Ich musste sie dafür zersägen», sagt er. «Danach habe ich ein neues Innengewinde geschnitten und sie wieder eingesetzt.» Die löchrigen Blechplatten des zwei Tonnen schweren Wasserrads hat er ersetzt, vernietet und mit einer Rostimitation behandelt.

Albert Wey musste während der Restaurationsarbeiten immer wieder einmal kreativ werden. «Um den Holzleim ganz präzise auftragen zu können, habe ich beim Arzt nach einer Spritze gefragt», erzählt er. Der gelernte Landwirt hatte für die handwerklichen Schritte keine Anleitung, er musste sich alles selber beibringen. Wenn er Ersatzteile im Handel nicht fand, hat er sie einfach selber hergestellt, so zum Beispiel auch spezielle Schrauben, die er benötigte.

Rund um das Wasserrad wird nun noch eine Absturzsicherung montiert. Danach wird eine Farbspezialistin mit pigmentiertem Leinöl die Holzteile des Mühlrads konservieren. Bis zum Herbst wird der Mühlendoktor Kurt Fasnacht einen abschliessenden Bericht zur Restaurierung zuhanden des Heimatschutzes verfassen. «Wenn es die Coronasituation wieder erlaubt, wollen wir ein grosses Fest zur Feier der fertigen Restaurierung veranstalten», verrät Wey.

Die Kosten der Restaurierung hat die Heimatkundliche Vereinigung zu Beginn des Projekts auf 68'000 Franken geschätzt. Nun geht Wey davon aus, dass die tatsächlichen Kosten etwa 70'000 Franken betragen werden. Neben Beiträgen der Heimatkundlichen Vereinigung und der Gemeinde Birmensdorf waren auch Spenden für die Finanzierung nötig: «Die benötigten 32'000 Franken hatten wir innerhalb von zwei bis drei Monaten durch Spendenbriefe und Sammlungen am Herbstmarkt zusammen», sagt Wey. Er freut sich, dass viele Privatpersonen gespendet haben. Das Rad habe eine grosse Bedeutung für Birmensdorf. Er sagt:

«So gehört das Wasserrad jetzt vielen Birmensdorferinnen und Birmensdorfern ein bisschen.»

Bisher haben alle Beteiligten insgesamt etwa 880 Stunden Arbeit in die Restaurierung des Mühlrads investiert. «Mir war klar, dass das Wasserrad laufen muss, damit viele Besucher ins Ortsmuseum kommen», sagt er. Mit ihm waren zahlreiche Helferinnen und Helfer tätig. «Es hat mir Spass gemacht, mit verschiedenen Leuten zusammenzuarbeiten und mein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen», sagt Wey. Wann das Birmensdorfer Ortsmuseum Besuchern wieder offensteht, ist wegen der Umsetzung der Coronamassnahmen noch unklar. Wey rechnet aber damit, dass es in der zweiten Maiwoche aufgehen kann.

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