Birmensdorf
Die Traditionsschreinerei Gugerli gehört bald der Vergangenheit an: Am Dorfeingang entsteht eine Überbauung

Seit 1874 war das Haus an der Zürcherstrasse 41 stets eine Schreinerei in den Händen der Familie Gugerli. Bald entstehen auf dem Grundstück elf Eigentumswohnungen.

Virginia Kamm
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Links im Bild zu sehen: Die Schreinerei Gugerli. Nach Schätzungen der Heimatkundlichen Vereinigung Birmensdorf handelt es sich um eine Aufnahme, die um das Jahr 1930 entstanden war.
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So sieht die Schreinerei heute kurz vor dem Abriss aus.

Links im Bild zu sehen: Die Schreinerei Gugerli. Nach Schätzungen der Heimatkundlichen Vereinigung Birmensdorf handelt es sich um eine Aufnahme, die um das Jahr 1930 entstanden war.

zvg

Nur noch bis Ende März steht die Schreinerei Gugerli, in der derzeit Schreiner Roland Hänggi eingemietet ist, am Dorfeingang von Birmensdorf an der Zürcherstrasse 41. Hänggi, der als Schreiner mit Inhaber Arthur Gugerli begonnen und die Traditionsschreinerei 1998 von ihm übernommen hat, muss bis am 31. März draussen sein. Dann wird das Gebäude abgerissen und das Areal mit Wohnungen überbaut. «Der Abriss des Hauses tut weh», sagt Hedy Gugerli, die Witwe von Arthur Gugerli, der 2014 verstorben ist. Ihr hat bis vor kurzem die Schreinerei gehört.

«Einige Birmensdorfer werden den Abriss sicher schade finden», sagt Hedy Gugerli. Für sie hat das Haus eine sehr grosse Bedeutung. Schliesslich war darin seit 1874 stets eine Schreinerei in den Händen der Familie Gugerli untergebracht. 1960 hat ihr Mann das Geschäft übernommen und war somit Besitzer in der vierten Generation. Das Alter des Hauses schätzt Gugerli sogar auf etwa 300 Jahre. Zuweilen wird das Gebäude auch das Tor zu Birmensdorf genannt.

Das Flachdach hätte eine Sanierung für 250'000 Franken gebraucht

Hedy Gugerli musste die Schreinerei und das Grundstück, auf dem sie steht, aus finanziellen Gründen verkaufen. «Das Flachdach des Anbaus hätte für rund 250'000 Franken saniert werden müssen», erzählt sie. Die Decke des 1974 entstandenen Anbaus genügt den Sicherheitsanforderungen nicht mehr. Dafür einen Kredit bei der Bank zu erhalten, sei jedoch nicht möglich gewesen.

Hedy Gugerli ist froh, dass sie den Verkauf des Grundstücks an die Birmensdorfer Zehnder Bau AG alleine stemmen konnte. «Die Verkaufsverhandlungen und die Zusammenarbeit mit Stefan Zehnder waren ausgesprochen positiv», sagt sie. Auf dem Grundstück, das Hedy Gugerli gehört hat, werden zwei Häuser mit insgesamt elf Eigentumswohnungen gebaut. Der Baustart ist Ende März.

Von den elf Wohnungen sind bereits zehn Stück verkauft. In einer davon wird eine Kleintierpraxis untergebracht. Eine Attikawohnung ist noch zu haben. Die Wohnungen an der Reppischtalstrasse 2a und 2b sollen Ende 2022 bezugsbereit sein. Sie haben zwischen zweieinhalb und sechseinhalb Zimmer und verfügen über eine Wohnfläche zwischen 63 und 230 Quadratmeter. Auch Rasen und Spielplatz gehören zur Überbauung.

Hedy Gugerli betont:

«Meinem Mann war es immer sehr wichtig, dass die Schreinerei am Dorfeingang von Urdorf herkommend bestehen bleibt.»

Seit vielen Jahrzehnten ziert die Aufschrift «Möbel und Innenausbau A. Gugerli» das ehemalige Bauernhaus. Roland Hänggi wird seine Schreinerei in Zukunft an der Industriestrasse in Birmensdorf weiterführen. «Das Dorfbild von Birmensdorf wird sich mit dem Abriss und dem Neubau erneut ändern», sagt Hedy Gugerli. «Das stimmt traurig und wehmütig und doch gehört Veränderung zum Lauf des Lebens.»