Birmensdorf
Es dreht sich wieder: Das restaurierte Wasserrad ist bereit für seine feierliche Einweihung

Die Sanierung des Wasserrads im Birmensdorfer Ortsmuseum ist abgeschlossen. Die historische Restaurierung erforderte viel Zeit und Experimentierfreudigkeit von Hauptrestaurator Albert Wey.

Carmen Frei
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Bruno Hutter und Albert Wey erklären gerne, was nötig war, um das zwei Tonnen schwere Wasserrad zu erhalten.
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Hauptrestaurator Albert Wey freut sich, dass das Wasserrad nun fertig saniert ist und am 4. September feierlich eingeweiht werden kann.
Die neuen und die alten Schaufeln sind noch klar zu unterscheiden. Sie sollen zuerst natürlich altern und werden danach noch einer Nachbehandlung unterzogen.
Auch den Rest des Raumes stattet die Heimatkundliche Vereinigung entsprechend aus. Die Säge, die ursprünglich im Einsatz war, wurde wieder mit dem Rad verbunden.
Im Raum nebenan sieht man, wie das Wasserrad früher auch als Antrieb für die Drechslerei genutzt wurde.
Am Wasserrad wurden bei der Sanierung auch teilweise beeindruckende Kalkschichten entfernt, damit die neuen Elemente eingesetzt werden konnten.

Bruno Hutter und Albert Wey erklären gerne, was nötig war, um das zwei Tonnen schwere Wasserrad zu erhalten.

Valentin Hehli

Das gut 140 Jahre alte Wasserrad im Birmensdorfer Ortsmuseum ist wieder funktionstüchtig. Nachdem die Heimatkundliche Vereinigung Birmensdorf (HVB) bereits im Frühjahr 2018 mit der Restauration begonnen hatte, ist diese nun grösstenteils abgeschlossen.

«Ich habe zum Schluss noch die Wasserimitation hinzugefügt», sagt Albert Wey, Kurator des Ortsmuseums. «Mit Licht und Stoff versucht er das Wasser anzudeuten», erklärt Bruno Hutter. Er ist seit gut 40 Jahren bei der Heimatkundlichen Vereinigung Birmensdorf verantwortlich für die Fotografien. Zum Visuellen gibt es auch noch Geräusche: Im Hintergrund ertönen ein Wasserrauschen und das Betriebsgeräusch einer Mühle. «Die Töne sind aber historisch nicht ganz korrekt», sagt Hutter und lacht.

Das Rad war zuvor zu instabil

Das Wasserrad im Ortsmuseum lief bereits vor der Restauration, allerdings mit einem unerwünschten Knarren. «Wir haben dann gemerkt, dass das Rad instabil ist», sagt Wey. Bei der Restauration haben Wey und weitere Mitglieder der Heimatkundlichen Vereinigung verrostete und morsche Teile ersetzt und Schrauben sowie Speichen fixiert. «Wir machten so viel wie nötig und so wenig wie möglich», erklärt Wey.

Albert Wey ist gelernter Landwirt und spezialisierte sich auf Maschinenmechanik. «Das kam mir bei der Restauration zugute», meint der 73-Jährige. Trotzdem war die Arbeit am Wasserrad mit viel Experimentieren verbunden. «Häufig musste ich intuitiv herausfinden, was ich machen kann», sagt Wey. Das Studium der Bauweise habe ebenfalls viel Zeit in Anspruch genommen.

1643 sei das Wasserrad erstmals urkundlich erwähnt worden. Damals war es aber noch nicht in der heutigen Form vorhanden. Das Rad, wie es jetzt restauriert wurde, stammt von 1878. Bis ins Jahr 1956 war das Wasserrad in der Drechslerei Wismer noch in Betrieb. Wey sagt:

«Es ist eines der ältesten Wasserräder der Schweiz.»

Alles musste nach historischem Vorbild gestaltet werden

«Ein Pendant zum Wasserrad mit Gattersäge gibt es in Meiringen auf der Schwarzwaldalp», erklärt er. Von dort erhielt er die Baupläne, die er bei der Restauration verwendete. Auch der Raum, in dem das Mühlenrad und die Säge nun stehen, wurde nach altem Vorbild neu gestaltet.

«Wir hatten aus den Fünfzigern Innenaufnahmen der Drechslerei. So hatten wir eine Ahnung, wie es zuvor ausgesehen hat»,

sagt Hutter. Allerdings sei die Ausstattung in Einzelteile zerlegt gewesen. Diese musste nach den alten Plänen wieder zusammengefügt werden.

Beim Wasserrad arbeitete Wey ebenfalls nach historischem Vorbild. Einige der Schaufeln mussten ersetzt werden. Mit viel Geduld bog Wey dazu das neue Holz mit Hilfe von Wasserdampf. «Ich habe Modelle erstellt, damit die Schaufeln danach genau auf das Rad passen», sagt Wey. Sein Schwiegervater sei Wagnermeister gewesen, deshalb wisse er auch einiges über die Holzverarbeitung.

Der Kalk war nicht zu übersehen

Zudem musste Wey einige Kalkschichten entfernen. An den älteren Elementen beliess er sie aber grösstenteils. Für einige Schrauben, die nicht mehr verwendet werden konnten, erstellte Wey selbst Ersatz. «Ich habe 250 neue Schlitzschrauben eingesetzt», sagt er.

Die neuen Schrauben liess er künstlich altern: Er bearbeitete sie dazu mit Säure und vergrub sie danach für eine Weile in der Erde. Eine Farbhistorikerin verlieh ihnen dann den letzten Schliff. Auch einige neue Holzelemente wurden durch die Farbhistorikerin passend gestaltet. Zudem schwärzte Wey neue Holzstücke mit einem Bunsenbrenner oder bestrich sie mit Leinöl, um den richtigen Farbton zu erzielen.

Der Mühlendoktor kam zu Hilfe

Die Holzarbeiten am Wasserrad wurden mit Hilfe von Kurt Fasnacht restauriert. «Er ist der Mühlendoktor schlechthin und weitherum bekannt», sagt Wey. «Ohne ihn wäre die Restauration nicht möglich gewesen», erklärt auch Bruno Hutter. Bei der Restauration konnte Wey zudem auf ein Team von Helferinnen und Helfern zählen, die ihm bei der anspruchsvollen Sanierungsarbeit unter die Arme griffen. So kamen insgesamt 880 Arbeitsstunden zusammen.

Die aufwendige Restauration kostet rund 70'000 Franken. 15'000 Franken davon wurden von der kantonalen Denkmalpflege in Aussicht gestellt. Zudem erbrachte der HVB Eigenleistungen im Wert von 23'000 Franken. «Mindestens 32'000 Franken mussten wir durch Spenden aufbringen», sagt Wey. Dazu hatte die Heimatkundliche Vereinigung einen erfolgreichen Aufruf gestartet.

Die Reaktion auf den Aufruf überraschte Wey sehr:

«Innerhalb von nur drei Monaten hatten wir das Geld zusammen.»

Jedem der vielen Spenderinnen und Spendern gehöre somit ein Teil des historischen Rads.

Die Einweihung folgt im September

Das restaurierte Wasserrad wird am 4. September feierlich eingeweiht. «Am Vormittag wird eine interne Feier stattfinden», sagt Wey. Dabei seien alle direkt Involvierten eingeladen. «Am Nachmittag von 14 bis 17 Uhr wird das Wasserrad der Bevölkerung übergeben.»

An diesem Tag der offenen Tür erklärt Wey den Besucherinnen und Besuchern, wie er bei der Restauration vorgegangen ist. Zudem wird auf einem Bildschirm die Dokumentation des gesamten Prozesses gezeigt. Und natürlich läuft dann auch das Wasserrad – inklusive der Drechslerei, die im Raum nebenan illustriert, wie früher gearbeitet wurde.

«Das Gefühl, nun vor dem fertig restaurierten Wasserrad zu stehen, kann man fast nicht beschreiben»,

sagt Wey begeistert. «Ich bin auch erleichtert, dass es nun funktioniert.» Er hat indes schon mit einem neuen Projekt begonnen: Er restauriert die alte Orgel der katholischen Kirche Birmensdorf, um sie im Ortsmuseum auszustellen.

Einweihung des Wasserrads, Tag der offenen Tür

4. September 2021, 14 bis 17 Uhr

Am Nachmittag ist die öffentliche Besichtigung des restaurierten Wasserrads für die Birmensdorfer Bevölkerung möglich. Kurator Albert Wey erklärt dabei den Anwesenden, wie er bei der Restauration vorging.

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