Flachmoor Schachen
Birdlife ortet «bedeutende Mängel» in der Schutzverordnung

Die vorliegende Schutzverordnung für das Dietiker Flachmoor Schachen weise bedeutende Mängel auf und sei in dieser Form noch nicht moorschutzkonform. Dies teilten die Umweltorganisationen Birdlife Schweiz und Birdlife Zürich gestern mit.

Alex Rudolf
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Christa Glauser Stellvertretende Geschäftsführerin Schweizer Vogelschutz Birdlife

Christa Glauser Stellvertretende Geschäftsführerin Schweizer Vogelschutz Birdlife

Aleksandra Hiltmann

Ende April präsentierten der Kanton Zürich und die Stadt Dietikon einen Verordnungsentwurf, der das Flachmoor von nationaler Bedeutung unter Schutz stellen soll. Würde diese Verordnung dereinst in Kraft treten, könnte die Stadt weiter am Gestaltungsplan für das Gebiet Silbern-Lerzen-Stierenmatt (SLS) arbeiten. Dieser ist derzeit sistiert, da Birdlife Schweiz und Pro Natura dagegen rekurrierten.

Konkret stört sich der Schweizer Vogelschutz daran, dass die Pufferzone rund um das Moor zum Schutz von Reptilien und Vögel mit einer Breite von zehn Metern nicht ausreichend gross sei. Im Verordnungsentwurf sieht der Kanton vor, dass darin das Erstellen von neuen Gebäuden verboten sein soll, für die bestehenden Bauten gelte die Bestandesgarantie.

Fehlen würden in der Verordnung auch Angaben zu Abständen zum Waldrand: «Ohne diese könnten Anrainer die normale Waldabstandsgrenze von dreissig Metern ausnützen oder gar unterschreiten, was die Situation verschlechtern würde», sagt Christa Glauser, stellvertretende Geschäftsführerin von Birdlife Schweiz, auf Anfrage. Weiter widerspreche die Auszonung der Kehrichtverbrennungsanlage und der Kläranlage, ohne einen Ersatz der Fläche einzuzonen, dem Moorschutz. Zudem fehle eine Absicherung der Offenhaltung des Raumes zwischen Teischlibach und Kantonsgrenze. Nicht mehr zeitgemäss sei auch die Beibehaltung der Fischerei und teilweise der Jagd im Flachmoor und den Auengebieten.

Pufferzone ist zu wenig breit

Im Entwurf sind zudem eine Störungspufferzone, in der bei Neubauten lediglich die Mindestanzahl an Fenstern in Richtung Moor erlaubt ist, und eine hydrologische Pufferzone, in welcher Bauten, die den Wasserhaushalt des Moors stören, verboten sind, vorgesehen. Letztere wird von Birdlife zwar begrüsst, deren Ausdehnung sei jedoch zu gering. Zudem sei die Angabe der möglichen Bauhöhen nicht ausreichend. Diese sollten erst mit den Flugrouten der Vögel abgestimmt werden und im Anschluss sollten konkrete Bauhöhen in den Plänen eingezeichnet werden.

Kritikpunkte schon lange bekannt

Die Stellungnahme von Birdlife Schweiz wurde dem Kanton fristgerecht übermittelt. Für Glauser steht fest, dass sich alle Beteiligten von Stadt, Kanton und Vogelschutz viel Zeit hätten sparen können: «Bereits vor 15 Monaten kritisierten wir die gleichen oder ähnliche Punkte gegenüber dem Kanton», sagt sie. Trotz begründeter Kritik hätten die Verantwortlichen die Verordnung praktisch unverändert in die öffentliche Auflage geschickt.

Bis nach den Sommerferien gedenkt der Kanton, die schriftlich eingegangenen Einwendungen zu würdigen, bevor er die Verordnung bis Ende Jahr erlassen will. Wann sie in Kraft trete, hänge davon ab, ob noch Rekurse dagegen eingehen werden, liess der Kanton bei der Präsentation des Entwurfs im April verlauten.

Glauser erhofft sich, dass Vertreter des Naturschutzvereins vom Kanton zum Gespräch geladen werden, damit man die kritischen Punkte zusammen anschauen könne. «Ich hoffe nicht, dass die Verordnung in dieser Form erlassen wird, da verschiedene Bereiche dem Moorschutz noch stark widersprechen», so Glauser. Würde der Kanton dies widererwarten tun, dann müssten die Umweltorganisationen Rechtsmittel gegen die Verordnung ergreifen, sagt sie weiter.

Das Dietiker Flachmoor Schachen wurde 1994 vom Bund ins Inventar der Flachmoore von nationaler Bedeutung aufgenommen. Damit wurde der Kanton auch dazu verpflichtet, dieses formell mittels einer Verordnung zu schützen, was jedoch erst im Rahmen der Arbeiten am SLS-Gestaltungsplan im Jahr 2012 aktuell wurde. Gegen diesen Gestaltungsplan rekurrierten der Schweizer Vogelschutz und Pro Natura.