Ökologisierung

Biogas aus dem Norden: Deshalb will der Schlieremer Stadtrat das Gas aus Island und Norwegen sichern

Vorzeigeprojekt: Das Biobad Im Moos in Schlieren wird zu 100 Prozent mit nachhaltig produziertem Gas betrieben.

Vorzeigeprojekt: Das Biobad Im Moos in Schlieren wird zu 100 Prozent mit nachhaltig produziertem Gas betrieben.

Der Stadtrat liebäugelt mit einer Millionen-Beteiligung an einem Unternehmen, das in Island und Norwegen erneuerbares Gas produziert.

Schlieren will vorwärtsmachen in Sachen Nachhaltigkeit: «Um die Ziele der Ökologisierung der Gasversorgung zu erreichen, müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden», sagt Andreas Kriesi. Der Schlieremer GLP-Stadtrat spricht die jüngst veröffentlichte Vorlage des Stadtrats an, wonach sich die Stadt mit rund einer Million Franken an der Swiss Green Gas International beteiligen soll. Die vergangenen Dezember gegründete Organisation importiert dereinst erneuerbares Gas aus Island und Norwegen.

Bereits im vergangenen Jahr fasste die Exekutive den nicht öffentlichen Grundsatzentscheid, mit der Projektentwicklerin Nordur Power SNG einen Rahmenvertrag einzugehen, um Gas aus besagten Ländern zu importieren. Demnach steht der Stadt während 20 Jahren eine Bezugsoption dieses Gases zu. Dieser Vertrag soll nun in eine Beteiligung umgewandelt werden. Denn: «Damit partizipiert die Stadt ohne Zusatzkosten auch an der Entwicklung der Swiss Green Gas International, hat Stimm- sowie Mitspracherecht und profitiert von zukünftigen Dividenden», sagt Kriesi weiter. Der Vorteil liege darin, dass die Stadt am weiteren Aufbau von Produktionskapazitäten von synthetischem Gas direkt beteiligt bleibe. Ohne diese Beteiligung komme die Stadt bei einer künftigen Produktionssteigerung nur zum Zug, wenn die Aktionäre ihre Bezugsrechte nicht ausschöpfen.

Nutzung von erneuerbaren Gasen sei notwendig

Vor dem Hintergrund, dass die Gasversorgung der Stadt nachhaltiger werden soll, ist der Stadtrat bestrebt, jährlich vier Gigawattstunden zu beziehen. «Denn die kontinuierliche Förderung von erneuerbaren Gasen ist nicht bloss eine Absicht, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit», schreibt der Stadtrat in seinem Beschluss. Fossiles Erdgas verliere langfristig an Wettbewerbsfähigkeit, weshalb nur mit erneuerbarem Gas die Gasnetzinfrastruktur der Stadt weiterhin genutzt werden könne. Dies trage zu deren Werthaltigkeit bei.

Aktuell beläuft sich der Anteil von genutztem erneuerbarem Gas in Schlieren auf 20 bis 25 Gigawattstunden jährlich. Bei total benötigten 95 bis 120 Gigawattstunden im Jahr entspricht dies einem im Standardprodukt festgeschriebenen Anteil von rund 20 Prozent. Die inländische Nachfrage nach erneuerbarem Gas nur mit Schweizer Produkten zu erfüllen, ist nicht möglich. «Würde die Gasversorgung der Schweiz zu 100 Prozent durch Biogas sichergestellt, würden davon nur lediglich 10 bis 15 Prozent auch tatsächlich aus der Schweiz kommen», so Kriesi. Das solle aber nicht heissen, dass bereits jetzt Biogas in dieser Menge verfügbar sei, ergänzt er. Bis 2030 sieht der Verband der Schweizerischen Gasindustrie vor, dass 30 Prozent der Gasversorgung im Wärmemarkt mit erneuerbarem Gas sichergestellt wird: Für diese Zielvorgabe würde Schlieren bei konstantem Verbrauch 33 Gigawattstunden pro Jahr brauchen. «Wir rechnen aber mit 35 Gigawattstunden, unter der Berücksichtigung, dass der Verbrauch dank Energiesparmassnahmen sinken und der Biogasanteil steigen wird», so Kriesi. Die Stadt geht bereits heute mit gutem Beispiel voran und beheizt das Biobad Im Moos vollumfänglich mit Biogas. Andere städtische Liegenschaften kommen total auf einen Biogasanteil von 40 Prozent.

Zwei Gigawattstunden kommen aus Dietikon

Der Stadtrat betont auch, wie wichtig die Diversifizierung der Gasversorgung ist. So bezieht die Stadt für die kommenden 15 Jahre jährlich zwei Gigawattstunden aus der Power-to-Gas- Anlage der Limeco in Dietikon. Voraussichtlich wird diese in diesem Sommer eröffnet. Gemeinsam mit den vier Gigawattstunden aus Norwegen und Island kann der Bedarf der jährlich 20 bis 25 Gigawattstunden langfristig also zu einem Viertel abgedeckt werden.

Da der Stadtrat die Absichtserklärung zur Energiebeschaffung in eigener Kompetenz, ohne die Zustimmung des Parlaments, unterzeichnete, sind die in mehrere Tranchen aufgeteilten Zahlungen von total rund einer Million Franken an die Swiss Green Gas International bis 2021 auf sicher. Nun liegt es am Parlament, diesen Rahmenvertrag mit Bezugsrecht in eine Beteiligung umzuwandeln. Kriesi rechnet damit, dass das Geschäft bald ins Gemeinderatsbüro kommen wird. Wann die Kommissionen aber damit fertig sind und das Geschäft in den Rat kommt, ist offen.

Würde es um die Frage ­gehen, ob eine Million investiert werden soll oder nicht, gäbe es wohl Gegenwind. Die ­finanziellen Folgen des Coronavirus lassen sich noch immer schwer abschätzen. Die Aus­gaben werden aber so oder so getätigt: entweder in Form einer Bezugsgarantie oder einer Beteiligung. «Eine sichere und ökologische ­Energiebeschaffung ist eine Aufgabe, die mit Weitsicht er­folgen muss», sagt Stadtrat Kriesi.

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