Die Zeiten, als Landwirte nur Nahrung und Rohstoffe produzierten, sind längst vorbei. Immer wichtiger wird dafür ein landwirtschaftliches Produkt, dessen Wert weniger unmittelbar zu eruieren ist: die Biodiversität. Diesen Umstand würdigt seit über zehn Jahren auch die Subventionspolitik des Bundes: Durch sogenannte Vernetzungsbeiträge werden jene Bauern belohnt, die auf ihrem Land dafür sorgen, dass Tiere, Pflanzen und Landwirtschaft möglichst unbeschadet aneinander vorbeikommen.

«Ein Miteinander», nennt das der Ökologe Daniel Winter, der in Dietikon Bauern und Verwaltung jüngst dabei half, die Bedingungen für die Direktzahlungen zu erfüllen. Während viele der umliegenden Limmattaler Gemeinden ihre Projekte beim Kanton bereits bewilligen liessen, ist Dietikon nämlich erst seit diesem Frühling dabei.

Artenförderung à la carte

Die Anmeldung ist auf Initiative der Bauern selbst erfolgt. Sie verpflichten sich vertraglich, während acht Jahren jene tier- und pflanzenschonenden Massnahmen zu ergreifen, die zu ihrem Betrieb und der Umgebung passen. Welche sie geltend machen wollen, können sie selbst entscheiden.

Reich werden sie durch die Vernetzungsbeiträge nicht. Insgesamt 10 000 Franken sollen die fünf der sechs Dietiker Landwirte, die sich am Projekt beteiligen, jährlich erhalten. Einer von ihnen, der Biobauer Fabian Brandenberger, sagt: «Das Geld alleine wäre mir die zusätzliche Arbeit nicht wert.» Doch es ist eben nicht nur das Geld, das die Bauern vom neuen Konzept überzeugt. Denn die vorgeschriebenen Massnahmen würden in vielen Punkten einer flexibleren und damit sinnvolleren Art und Weise entsprechen, das Land zu bewirtschaften. So wird nun etwa gestaffeltes Mähen abgegolten – es soll Tieren eine Chance geben, sich auf die nächste Wiese flüchten zu können, wenn der Mäher vor ihnen auffährt.

Gleichzeitig erleichtert das Bauern die Einteilung der Arbeit. «Früher mähte am Stichtag, ab dem das Schneiden erlaubt war, das ganze Land seine Wiesen», erinnert sich Erich Keller, der in der Sucheren bauert und als Dietiker Ackerbaustellenleiter künftig kontrolliert, ob seine Kollegen die Auflagen erfüllen. «Ein völliger Unsinn war das – für die Bauern wie für die Natur.» Brandenberger pflichtet dem Kollegen bei, während er über seine Wiese oberhalb der Hundshütte blickt: «Wenn wir dann mähen können, wenn es wettertechnisch am sinnvollsten ist, wird zudem das Heu viel schöner.»

Dabei habe man einige Dinge, für die man nun Beiträge abholen kann, vorher bereits instinktiv richtig gemacht, sagt er. Etwa das Bilden von Asthaufen, die Tieren Rückzugsmöglichkeiten bieten. Oder das Pflegen von Krautsäumen, in denen Insekten Unterschlupf finden. Auch sind die Bauern im Rahmen der neuen städtischen Naturschutzverordnung ohnehin verpflichtet, zum Beispiel gewisse Hochstammbäume zu pflegen.

Naturräume schaffen Identität

Fragt man Severin Lüthy vom Stadtplanungsamt, geht es beim Vernetzungsprojekt um nicht viel weniger als die Dietiker Identität. «Naturräume wie die Rüteren sind für die Bevölkerung extrem wichtig», sagt er. Gerade Bäume riefen bei vielen Menschen emotionale Reaktionen hervor. «Bäume zu fällen, kommt sehr schlecht an.» Die rund 1000 Franken, die Dietikon jährlich an das Projekt zahlt, findet er deshalb gut investiert.

Daniel Winter lächelt ob solcher Aussagen zufrieden. Er, der schon viele Gemeinden bei der Umstellung begleitet hat, weiss: Das Unterfangen ist schon halb gewonnen, wenn die verschiedenen Akteure sich verstehen. «Wenn dann auch noch die Landwirte selbst gute Erfahrungen machen und weitererzählen, dass sie hinter der zusätzlichen Arbeit einen Nutzen sehen, funktioniert das Projekt.» Ginge es nach ihm, dürften sie auch ruhig ein bisschen weniger bescheiden auftreten, schliesslich sei ihr Produkt – die Förderung der Artenvielfalt – von unschätzbarem Wert. «Das Naherholungsgebiet vor der Haustür wird von vielen als selbstverständlich angesehen. Dabei muss dieses auch jemand pflegen – und das tun zu einem grossen Teil die Bauern», so Winter.