Bakterienalarm in der neuen Biobadi im Moos: Wie die Stadt Schlieren am Montag mitteilte, hat eine letzte Woche vom kantonalen Labor durchgeführte Messung massiv erhöhte Kolibakterienwerte ergeben (az Limmattaler Zeitung von gestern). Während der vom Bundesamt für Gesundheit empfohlene Grenzwert für Badeanstalten 100 Kolibakterien pro 100 Milliliter beträgt, war der am vergangenen Donnerstag im Nichtschwimmerbecken und im Kinderplanschbecken gemessene Wert dreimal so hoch. Im Schwimmerbecken und im Sprungbecken hingegen waren die Wasserwerte in Ordnung.

«Wir können nur spekulieren»

Alarmiert worden sei die Stadt von einem Schlieremer Apotheker, bei dem sich einige Badegäste gemeldet hätten, die nach dem Badibesuch unter Durchfall litten, sagt Christian Meier, Ressortvorsteher Werke, Versorgung und Anlagen. Daraufhin habe man am Samstag sofort eine ausserordentliche Kontrolle des Badewassers durchführen lassen. Interessanterweise waren zu diesem Zeitpunkt die Werte wieder absolut im grünen Bereich: Im Nichtschwimmerbecken betrugen die Kolibakterienwerte pro 100 Milliliter noch 7, im Planschbecken 12, im Schwimmerbecken 3 und im Sprungbecken 6.

«Wir gehen nach wie vor davon aus, dass das Biobad sicher ist», sagt Meier, der aber auch zugibt, er sei «etwas verunsichert» über den Vorfall. Die möglichen Gründe dafür würden zurzeit mit Fachpersonen abgeklärt. Einen Verdacht hat Meier jedoch bereits: «Wir können nur spekulieren», sagt er: «Doch die Tatsache, dass die massive Verunreinigung nur im Kinderteil der Badi auftrat, lässt vermuten, dass jemand einen ‹Unfall› hatte.»

Kein Grund zur Beunruhigung

Mit seinem Verdacht hat Meier wohl ins Schwarze getroffen, wie Ingenieur Rainer Grafinger sagt. Sein in Bergkirchen in Deutschland beheimatetes Planungsbüro BioNova war für den Bau der biologischen Reinigungsanlage verantwortlich. «Ich gehe davon aus, dass ein Badegast Probleme mit dem Stuhlgang hatte», so Grafinger. Die Escherichia-Coli-Bakterien stammten mit 90-prozentiger Sicherheit von einem Menschen. Dass ein Tier sein Geschäft im Kinderbecken verrichtet habe, halte er für unwahrscheinlich, sagt Grafinger. Der Vorfall sei jedoch keineswegs ein Grund zur Beunruhigung, betont der Ingenieur: «Ich möchte nichts verharmlosen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass es sich bei einem Biobad um ein natürliches Gewässer handelt.»

Sehr wichtig: Die Dusche

Grafinger weist darauf hin, dass gemäss der aktuellen europäischen Verordnung für Badeseen sogar ein Wert von 500 Kolibakterien pro 100 Milliliter noch immer als «ausgezeichnet» gelte, während die doppelte Menge noch als «gute Qualität» bezeichnet werde. Der Biobad-Spezialist gibt ausserdem zu bedenken, dass der Abbau von Bakterien im Normalfall sehr schnell gehe. Es sei gut möglich, dass sich der Messwert schon wenige Stunden nach der Verunreinigung wieder normalisiert habe. «Dass die Werte zwei Tage später wieder sehr tief waren, beruhigt mich und zeigt, dass die Anlage wirklich funktioniert», so Grafinger.

Sehr wichtig sei gerade bei einem Biobad auch, sagt Grafinger, dass Badegäste wirklich vor jedem Sprung ins kühle Nass duschten. «Auf der menschlichen Haut befinden sich Keime, die dadurch abgewaschen werden.» Dies helfe, das Wasser sauber zu halten. Dass die sehr hohen Temperaturen in den letzten Tagen einen Einfluss auf die Bakteriendichte hätten, glaubt er hingegen weniger. Zwar könnten sich die Bakterien tatsächlich in der Wärme schneller entwickeln. Doch: «Auch den Keimen, die dagegen arbeiten, kommt die Wärme zugute.» Dies helfe, das natürliche Gleichgewicht im Wasser schneller wiederherzustellen.