Schlieren
Biobadi hat wieder fast so viele Besucher wie vor der Sanierung

Obwohl Hygieneprobleme nach der Wiedereröffnung für Negativschlagzeilen gesorgt hatten, sind sich die Verkaufszahlen in der aktuellen Saison trotz schlechtem Juliwetter gut. Dennoch: Die Biobadi ist für die Stadt noch immer ein Verlustgeschäft.

Florian Niedermann
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Kostenreduktionen und neue Anlässe sollen das Defizit der Biobadi schmälern. Schwarze Zahlen zu schreiben, ist bis auf weiteres aber Wunschdenken.

Kostenreduktionen und neue Anlässe sollen das Defizit der Biobadi schmälern. Schwarze Zahlen zu schreiben, ist bis auf weiteres aber Wunschdenken.

Ces

Wie wurde das Biobad «Im Moos» in den ersten Jahren nach der Eröffnung 2011 geprügelt: Erst sorgten Kinderkrankheiten der vollbiologischen Wasseraufbereitung für Salmonellen und Kolibakterien im Wasser, dann wurde die Reinigung der Algen in den Becken nicht Herr, und schliesslich beschwerten sich Gäste über Entenflöhe, die sie beim Baden gebissen hätten. Die Kritik in der Bevölkerung und im Stadtparlament riss kaum mehr ab. Dass die Stadt beim Bau den Urnenkredit von 6,2 Millionen Franken auch noch um satte 1,4 Millionen überschritt, brachte das Fass zum Überlaufen: Der Gemeinderat verweigerte der Exekutive vergangenen November in der Folge die Genehmigung der Bauabrechnung.

Ungeachtet dessen verzeichnete das «Möösli» bereits in der zweiten Saison mit vollbiologischer Wasseraufbereitung wieder über 20 000 Eintritte (siehe Grafik). Damit lag man nur 2300 Eintritte hinter der Saison vor der Sanierung. Die Stadt verkaufte 2012 ausserdem insgesamt 308 Saisonabos — das sind gar 16 mehr als noch 2010. Letztes Jahr wurden die Zahlen des Vorjahres erneut übertroffen, es fehlten nur noch etwas über 1000 Eintritte, um wieder auf dem Niveau von vor der Umstellung auf das Bio-System zu landen. Und eine aktuelle Anfrage bei der Abteilung Werke, Versorgung und Anlagen (WVA) der Stadt Schlieren zeigt, dass sich die Eintrittszahlen dieses Jahr trotz des anfänglich schlechten Juli-Wetters ähnlich entwickeln könnten wie 2013. «Wir haben bereits wieder an die 300 verkaufte Saisonabos und rund 11 000 Tageseintritte», sagt der stellvertretende Abteilungsleiter André Thoma.

Badi hat Bakterien im Griff

Die anfänglichen Probleme mit der Wasseraufbereitung und der Reinigung sind gelöst, wie er erklärt: «Heute machen wir die Erfahrung, dass, wer einmal im chlorfreien Wasser geschwommen ist, immer wiederkommt», sagt Thoma.

Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) sieht durch die Statistik den strategischen Entscheid, aus dem Freibad eine Biobadi zu machen, bestätigt. Der Stadtrat habe oft Stimmen vernommen, die behaupteten, dass die Schlieremer Bevölkerung ein solches Bad nicht wolle, sagt er. Die Zahlen zeigten nun, dass es ausreichend Leute gebe, welche die Biobadi schätzen würden. «Die Stabilität der Eintritte verweist aber auch darauf, dass wir noch Luft gegen oben haben», sagt Kunz.

Zahlen sanken vor Sanierung

Und damit hat er recht: Die Besucherzahlen im «Möösli» waren schon in den Jahren vor der Sanierung gesunken. Mit dem Wechsel zur biologischen Aufbereitung und neuen Attraktionen für das jüngere Publikum wie einem Beachvolleyballfeld, einer Kletterwand und einer Rutsche wollte der Stadtrat dafür sorgen, dass wieder mehr Gäste ins Schlieremer Freibad kommen. Stadtrat Christian Meier (SVP) räumte allerdings letzten September ein, dass das «Möösli» eine «schwache Anziehungskraft auf Jugendliche» habe. Sie würden die Badis in Urdorf und Dietikon bevorzugen. Ursprünglich strebte der Stadtrat in der neuen Badi rund 35 000 Eintritte pro Jahr an. Von diesem Ziel ist man wieder abgekommen, wie Kunz erklärt: «Es sieht so aus, als ob diese Zahl zu hoch angesetzt wurde.» Man arbeite aber unentwegt daran, mehr Leute in die Badi zu locken.

Ein Handicap bilden dabei noch immer die Negativschlagzeilen, welche im Zusammenhang mit den Hygieneproblemen nach der Sanierung zu lesen waren, wie Kunz erklärt: «Ein Teil der Bevölkerung baute dadurch Vorurteile gegenüber dem biologisch gereinigten Wasser auf. Es braucht Zeit, diese wieder aus den Köpfen zu kriegen.»

Es bleibt also dabei: Die Biobadi «Im Moos» ist ein Verlustgeschäft für die Stadt. Dies bestätigt auch Werkvorstand Kunz: «Es wäre schön, schwarze Zahlen schreiben zu können. Bis die Einnahmen wieder steigen, werden wir die Kosten senken müssen, um zumindest das Betriebsdefizit zu reduzieren.» Einige entsprechende Massnahmen wurden bereits getroffen. So kommen seit dieser Saison in der Wasseraufbereitung etwa neue Filter zum Einsatz, die den Algenbefall der Becken reduzieren sollen. «Damit konnten wir die kostenintensiven Reinigungstauchgänge des Personals reduzieren», so Kunz.

Anlässe sollen Publikum bringen

Die WVA entwickelt derzeit aber auch Strategien, um die Einnahmen der Biobadi künftig zu steigern, wie er sagt. Man will die Attraktivität des «Mööslis» weiter steigern, seine Bekanntheit in der Region durch gezieltes Marketing erhöhen, mit speziellen Anlässen neues Publikum anziehen und die Badi damit auch für Sponsoren interessanter machen. Während die meisten Massnahmen erst auf die Sommersaison 2015 geplant sind, finden einige neue Publikumsanlässe bereits diesen Sommer statt. Nach der Poolparty der Fachstelle Jugend mit DJ und Barbecue vom Juni stehen bei guter Witterung am 10. August das Vollmondschwimmen und am 15. August das Open-Air-Kino auf dem Programm.

Damit ist schliesslich auch auf den wichtigsten Erfolgsfaktor für das «Möösli» hingewiesen: «Wenn das Wetter nicht mitspielt, kommen auch keine Gäste. Und dieses können wir leider nicht beeinflussen», betont Kunz.