Diese knapp 40 Life-Science-Firmen und Forschergruppen sind nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht lokal, regional und kantonal, ja mittlerweile gar national von Bedeutung, wie sich Anfang Woche am Jubiläumsanlass zeigte. Diese Zukunftsbranche verleiht auch der Stadt Schlieren und der Region etwas Glanz. Glanz, den dieses von Aussenstehenden als gesichtslos empfundene Limmattal gut gebrauchen kann.

Der Bio-Technopark war und ist nicht der einzige Versuch, im Limmattal einen Cluster zu bilden. 2001 kursierte für kurze Zeit der Begriff Fiber-City. Verbunden war damit die Hoffnung, im Dietiker Industriegebiet Silbern Firmen der Informationstechnologie ansiedeln zu können. Dank eines Glasfasernetzes von Cablecom sollte erstmals in der Schweiz ein ganzes Industriegebiet vernetzt werden. Die Hoffnungen zerschlugen sich. Wenn die Leute heute an die «Silbern» denken, erinnern sie sich in erster Linie an Discounter und Logistikunternehmen, nicht an Informationstechnologie- Firmen, die in erhoffter Weise in Dietikon nicht angekommen sind.

Der Grund des Scheiterns kann darin gesehen werden, dass das Projekt zu aufgesetzt war, zu sehr auf der «grünen Wiese» geplant. Es fehlte der organische Samen, etwa bereits ansässige IT-Unternehmen, und die Kraft oder das Glück, solche vom Standort überzeugen zu können. Die Folge: Ein Schneeballeffekt blieb aus.

Ein weiterer Versuch muss sich erst beweisen. In Schlieren befindet sich der Newtech-Club, dessen Verein aus rund 30 Mitgliedern besteht, wovon sich aber nur wenige vor Ort befinden. Cleantech-Firmen machen einen Teil aus. Sie haben zum Ziel, Produkte zu entwickeln, die den Energieverbrauch senken. Ob sie wie der Bio-Technopark ebenfalls einmal Gewicht erhalten, bleibt abzuwarten. Doch auch hier sind mit der Clusterbildung Hoffnungen verbunden: für die Firmen jene nach wirtschaftlicher Prosperität und für die Stadt nicht zuletzt erneut jene nach Bedeutung.

Bio-Technopark entstand aus einer Laune des Schicksals heraus

Der Bio-Technopark in Schlieren ist also keine Selbstverständlichkeit. Am Anfang stand der Kollaps der Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren 1984. Schlieren verlor den prägenden Arbeitgeber und fiel in eine Depression und Identitätskrise. Die ETH litt in jener Zeit an Platznot und eröffnete 1986 im Wagi-Areal Labors.

Damit war der Acker bestellt, quasi aus einer Laune des Schicksals heraus. Als mit der Biotech-Firma Cytos ein erstes Spin-off der ETH ebenfalls im Wagi-Areal eine Bleibe fand, war der Samen gelegt. Dann zog die ETH in den Hönggerberg, liess Labors zurück, und weitere Jungunternehmen suchten Räumlichkeiten in Schlieren. Die Wagi-Areal-Besitzerin, das Gewerbe- und Handelszentrum Schlieren, erkannte die Chance und investierte in die gewünschte Laborumgebung, womit der Samen gegossen wurde, um beim Bild zu bleiben.

Es kamen mit der ETH, der Universität, der Kantonalen Standortförderung und der Stadt Schlieren weitere Gärtner hinzu. Die vier ersten Firmen – Cytos, ESBATech, Glycart und Prionics – düngten die Pflanze, die sich in der Folge vermehrte. Der Bio- Technopark, auf den heute viele so Stolz sind, kann also als Resultat genutzter Chancen verstanden werden.