Die Hoffnung erfüllte sich: Heute platzt der Bio-Technopark mit 26 Firmen und mit 12 Forschungsgruppen aus allen Nähten, und geplant ist deshalb, dass demnächst ein neues Hochhaus gebaut werden soll (az Limmattaler Zeitung vom 18. Juni). Im August kam allerdings die Hiobsbotschaft: Cytos muss massiv Stellen abbauen, in zwei Schritten wird die Belegschaft bis Mai 2012 von rund 80 auf 10 Angestellte reduziert (die az Limmattaler Zeitung berichtete). Bedeutet dies der Anfang vom Ende des Biotechnologie-Zentrums Schlieren?

«Ein trauriger Moment»

Der städtische Standortförderer Albert Schweizer, der die Firma bei der Ansiedlung und im Verlauf von rund zehn Jahren begleitet hat, äussert Bedauern über den Stellenabbau: «Es ist ein trauriger Moment. Ich hoffe, dass Cytos mit den verbleibenden Projekten erfolgreich ist.» Er zeigt sich aber auch zuversichtlich, dass es mit dem Aufbau der Biotechnologie-Industrie in Schlieren weitergeht.

Gleicher Meinung ist Mario Jenni, Geschäftsführer des Bio-Technoparks. Zwar habe Cytos eine «riesige Bedeutung» für den Aufstieg der Institution gehabt – dennoch habe der Stellenabbau keine negativen Auswirkungen auf die Zukunft des Bio-Technoparks. «Der Abbau ist sehr bedauerlich. Aber er tangiert die anderen Firmen nicht und kam auch nicht ganz unerwartet», so Jenni.

Bereits 2009 schrieb das Schweizer Wirtschaftsmagazin «Bilanz»: «Misserfolge, fehlende Einnahmen und ein Schuldenberg: Der Biotechunternehmer Wolfgang Renner hat für Cytos Hunderte Millionen Franken mobilisiert – und verbraucht. Nun wird es eng.» Mehrere medizinische Wirkstoffe, an denen die Firma arbeitete, schafften es nicht auf den Markt.

Viele Biotech-Firmen am Start

Laut Jenni sind solche Misserfolge alles andere als ungewöhnlich in der Branche: «Der menschliche Körper ist komplex. Die Entwicklung von Medikamenten dauert sehr lange und bring oft nicht den gewünschten Erfolg.» Manchen Firmen gehen auf dieser Durststrecke die Investorengelder aus. Sie müssen schrumpfen oder gar die Waffen strecken.

Trotzdem stehen laut Jenni derzeit viele Biotech-Jungfirmen in den Startlöchern – und bewerben sich beim Bio-Technopark für geeignete Labor- und Büroräume und für eine fachliche Unterstützung beim Aufbau ihrer geschäftlichen Aktivitäten. «Wir haben derzeit rund zehn neue Mietinteressenten», sagt Jenni. Ihnen kann er nun die Büros und Labors anbieten, die durch den Abbau bei Cytos frei werden. «Nebst dem Zuzug neuer Firmen schafft auch die Expansion bereits hier ansässiger Unternehmen – wie Molecular Partners und Esbatech – neue Stellen in Schlieren», sagt der Geschäftsführer. Er hofft, dass auch einige der entlassenen Cytos-Angestellten hier wieder fündig werden.

Der Branche gehe es insgesamt gut, stellt Jenni fest – abgesehen von Gewinneinbrüchen bei den auf Export ausgerichteten Firmen, denen der starke Franken zu schaffen mache.