Dietikon
Bildungsdirektorin Steiner besucht die Schule: «Dietikon steht vor besonderen Herausforderungen»

Bildungsdirektorin Silvia Steiner schaute am Montag Dietiker Schülerinnen und Schülern beim Lernen zu.

Gabriele Heigl (Text und Fotos)
Merken
Drucken
Teilen
Schulleiterin Susanne Weinmann (vorne Mitte) begleitete Silvia Steiner (vorne links) zu den Unterrichtsbesuchen.

Schulleiterin Susanne Weinmann (vorne Mitte) begleitete Silvia Steiner (vorne links) zu den Unterrichtsbesuchen.

Es war der erste «Schultag» für Roland Toleti, und wie alle ersten Schultage war er etwas Besonderes. Der neue Leiter der Dietiker Schulabteilung durfte gestern hohen Besuch im Schulhaus Fondli willkommen heissen. Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) hatte sich angekündigt, um sich vor Ort ein Bild davon zu machen, wie hier mit der Integrationsthematik umgegangen wird und welche neuen Unterrichtsansätze in der Schule Dietikon verfolgt werden.

Da beide früher bei der Staatsanwaltschaft zusammengearbeitet haben, konnte er sie mit «liebe Silvia» begrüssen. Schulvorstand Jean-Pierre Balbiani (SVP) gab das Motto des Vormittags vor, indem er von den grossen Herausforderungen sprach, vor denen Dietikon in Bildungsfragen stehe.

Man wolle die Gelegenheit nutzen, um ins Gespräch zu kommen und Wünsche zu äussern. «Wir machen es nicht schlecht, aber wir sind auf die Hilfe des Kantons angewiesen», meinte er. Zu Steiners halbtägigem Dietiker Termin gehörte neben diesem – nicht-öffentlichen – Gedankenaustausch auch der Besuch zweier Klassen.

Mit Zeitwächter zum Drehbuch

Die 16 Schüler der 6. Klasse, denen Steiner und ihre knapp zehnköpfige «Entourage» aus Stadt-, Schul- und Medienvertretern einen Besuch abstattete, schüttelten jedem Einzelnen erst artig die Hand, bevor sie mit ihren zwei Lehrerinnen mit dem Unterricht loslegten. Konzentriert, ruhig und ohne sich durch den Tross im Geringsten irritieren zu lassen. An diesem Vormittag sollte es darum gehen, an einem Drehbuch weiterzuarbeiten, dessen Handlung in Paris spielt. Gemeinsam wurden die wichtigsten Dinge besprochen, bevor die Schülerinnen und Schüler sich gruppenweise im Schulhaus ruhige Ecken zum Arbeiten suchten. «Überlegt euch vorher noch, ob ihr einen Wecker mitnehmen wollt, und wenn nicht, wählt auf jeden Fall einen Zeitwächter», gab ihnen Klassenlehrerin Michèle Harrison noch mit auf den Weg. Die Szene sollte noch am selben Tag fertig werden.

Um differenziertes und kooperatives Lernen besser zu ermöglichen, hatte die Schule zu Beginn des Schuljahrs in sieben Klassen die Klassenzimmer umgestellt. Seither sind die Schüler frei in der Arbeitsplatzwahl; auch die Lehrer-Inputs sind kürzer. «Ziel ist es, die Schüleraktivitäten zu erhöhen und das Voneinanderlernen zu fördern», so Schulleiterin Susanne Weinmann. In Chur wird dieses Konzept bereits seit ein paar Jahren mit gutem Erfolg umgesetzt.

Der Lehrer als Coach

Weiter gehts zu einer 3. Klasse. Hier sind die Schüler etwas lebhafter. Klassenlehrer Roland Debrunner, eine Heilpädagogin und eine Teamteaching-Lehrerin arbeiten gruppenweise mit den Kindern, zwei von ihnen am Laptop. Silvia Steiner gesellt sich zu den Kindern, darunter vier der integrativen Sonderschule, und beobachtet sie beim Arbeiten. Auch in dieser Klasse nimmt man nicht sonderlich Notiz von den vielen Erwachsenen, die plötzlich im Raum stehen und teils eifrig fotografieren.

Silvia Steiner meinte nach der Unterrichtsbeobachtung auf ihre Eindrücke angesprochen: «Dietikon steht als Agglomerationsgemeinde vor besonderen Herausforderungen im Bildungsbereich. Die Schule löst diese Aufgabe gut.» Schliesslich sei der Fremdsprachenanteil gross und die Schülerschar sehr heterogen. Schulleiterin Martina Keel berichtete von den guten Erfahrungen mit der neuen Unterrichtsmethodik. «Wir haben das adaptiert, was zu unserer Schule und unseren Kindern passt», meinte sie. Sehr erfolgreich sei die Methodik vor allem dabei, die Schüler aktiver zu machen. «Der Lehrer begleitet die Kinder dabei wie ein Coach.» Den Lehrpersonen der Schule Fondli steht es frei, die Methodik anzuwenden. Derzeit macht ein Drittel mit.

Steiner setzt auf Autonomie

Alma Portmann von der Schulpflege konnte von den sehr guten Erfahrungen mit der Frühförderung in Dietikon berichten. Um dem teils tiefen Entwicklungsstandard und den mangelnden Deutschkenntnissen der Kinder zu begegnen, bevor sie in den Kindergarten kämen, binde man verstärkt die Eltern ein. Es werden Sprachgruppen für die Kinder angeboten und den Eltern gezeigt, wie sie im Alltag ihre Kinder fördern können. «Wäscheklammern zu sortieren, hat viel mit Mathematik zu tun», gab Portmann ein anschauliches Beispiel. Die Eltern äusserten sich durchweg positiv über das Angebot, das es jetzt im vierten Jahr gibt.

Ebenfalls positiv bewertete Bildungsdirektorin Steiner die Unterrichtsansätze an der Dietiker Schule. Sie betonte, dass es ihr ein Anliegen sei, Schulen eine grosse Autonomie einzuräumen, damit sie sich ihren integrativen Aufgaben stellen könnten. «Sie sollen sich so organisieren können, wie es für sie am sinnvollsten ist.» Der Ansatz in der Schule Fondli erscheine ihr gut gewählt. «Es ist eine lebendige Schule», zeigte sie sich angetan.

Jubiläum

Am 11. Mai kann die Schuleinheit Fondli ihr 50-Jahr-Jubiläum mit einem grossen Schulfest zum Thema «Rummelplatz» für die 300 Fondli-Schülerinnen und -Schüler, ihre Eltern und Lehrpersonen begehen. Es wird Schülervorführungen, ein Wiener-Kafi und Stände mit verschiedenen Angeboten geben.