Bildung
Lernen per Mausklick: Diese Nachhilfeplattform boomt im Limmattal

Die Lernplattform Schlaufux des Zürcher Start-up-Gründers Christian Marty hat viele Abonnenten im Bezirk Dietikon. Dank künstlicher Intelligenz sollen die Schlaufux-Schüler bald noch klüger werden.

Lydia Lippuner
Merken
Drucken
Teilen
Besonders bei Sek- und Gymischülern beliebt: Christian Martys Lernplattform Schlaufux.

Besonders bei Sek- und Gymischülern beliebt: Christian Martys Lernplattform Schlaufux.

Alex Spichale

Seit zwei Monaten können sich Schülerinnen und Schüler den Nachhilfeunterricht per Mausklick nach Hause holen. Die Lernplattform Schlaufux stellt dafür über tausend Lernvideos und Zusammenfassungen analog zum Lehrplan 21 zur Verfügung. Bislang haben bereits einige hundert Jugendliche und Kinder das Angebot abonniert. Dabei fiel besonders die Herkunft der Schüler auf: «Der grösste Teil unserer Abonnenten kommt aus dem Limmattal», sagt Mitgründer Christian Marty. Das liege wohl auch daran, dass das virtuelle Angebot verglichen mit Nachhilfeunterricht vor Ort günstig sei, so Marty. «Man kann entweder eine Lektion Nachhilfe oder einen Monat Schlaufux buchen.»

Bei der Entwicklung des Programms konnten die Schlaufux-Gründer von ihrer Erfahrung als Nachhilfelehrer profitieren. Während seiner Zeit als Philosophiestudent gab Marty oft Nachhilfe und merkte, was die Schülerinnen und Schüler mögen.

«Viele sagten uns, dass sie gerne Lernvideos hätten. Deshalb kamen wir auf die Idee, diese zu produzieren»,

sagt er. Auf der Website von Schlaufux ist er nebst seiner Funktion als Gründer auch als Lehrperson aufgeführt. Einige Lernvideos für das Fach Deutsch sind von ihm. «Von Mathe habe ich aber keine Ahnung», sagt er und lacht. Das sei jedoch nicht weiter tragisch, denn jeder habe sein Spezialgebiet. «Wir fragten Lehrer an für die Lernzielanalyse und beauftragten Mathestudenten, die Mathevideos zu erstellen», sagt Marty.

Lernplattform beruhigt auch die Eltern

Ein weiterer Erfolgsfaktor für Schlaufux ist die Coronapandemie. «Corona zeigt die Relevanz der Lernplattform auf», sagt Marty. Auch wenn sie den physischen Unterricht keineswegs ersetze, so sei doch die Offenheit für virtuelle Angebote stark gestiegen. Besonders bei Sekundar-, Gymi- und Berufsmaturaschülern sei die Plattform sehr beliebt. Jüngere Schüler erhielten das Abo üblicherweise von den Eltern. Für diese sei es oft eine Beruhigung, dass die Kinder ein Abo bei Schlaufux haben.

Für die nächsten Monate hat Marty bereits ein neues Projekt in der Pipeline: Schlaufux soll noch schlauer machen. Ab dem Herbst soll die Plattform mittels künstlicher Intelligenz die Schülerinnen und Schüler besser einschätzen. «So sollen schwächere Schüler einfachere Aufgaben erhalten und stärkere Schüler noch mehr gefördert werden», sagt er. Am Ende des Monats sollen die Kinder dann eine Auswertung ihres Lernerfolgs erhalten.

Kinder durchschauen künstliche Intelligenz rasch

Klaus Rummler, Dozent für Medienpädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Zürich, beobachtete in den vergangenen Jahren bereits einige Lernplattformen, die neu gegründet wurden. «Bislang setzte sich aber noch keine durch», sagt er. Laut Rummler bauen die Lernplattformen meist darauf auf, dass Kinder bereits wissen, wie man lernt, und von ihren Eltern unterstützt werden. «Grundsätzlich kann man sagen, dass die virtuellen Plattformen zwar pädagogisch sinnvoll sind, die menschliche Begleitung aber keineswegs ersetzen», sagt Rummler. Künstliche Intelligenz, wie Rummler sie bislang bei Lernprogrammen sah, durchschauten die Kinder ziemlich schnell. «Das Problem ist, dass die Kinder in diesem Fall lernen, mit der Software umzugehen, statt den Lernstoff zu verstehen», sagt er. Zudem könne künstliche Intelligenz Kinder nur schwer aufgrund ihrer Fähigkeiten fördern. «Es nützt beispielsweise wenig, wenn schwachen Kindern einfachere Aufgaben vorgelegt werden, statt dass sie lernen, die schwereren Aufgaben zu bewältigen», sagt Rummler. Dass gerade in der Agglomeration viele Schlaufux-Zugänge verkauft wurden, zeigt Rummler, dass hier viele einkommensstarke Eltern wohnen, die ihre Kinder zusätzlich fördern wollen. (lyl)

Pink Floyds abgewandelte Liedzeile soll Nachhilfeschüler animieren

Schlaufux soll künftig mehrsprachig werden: Die Lernplattform soll nämlich in die Romandie expandieren. Dafür müssen aber nicht nur die Sprache, sondern auch die Lernziele angepasst werden. Für diese Entwicklung rechnet Marty rund ein Jahr Arbeit ein. Momentan sind zwölf Personen in verschiedenen Pensen bei Schlaufux angestellt. Sie sitzen entweder im Homeoffice oder im Firmensitz in der Zürcher Altstadt. Im Büro an der Schifflände hängt ein grosses Bild an der Wand, auf dem steht: «We don't need no edukation» (sic). Marty schmunzelt über die bekannte Liedzeile von Pink Floyd und sagt: «Viele unserer Nachhilfeschüler aus der Sekundarschule sehen keinen Fehler in diesem Bild.» Das sei jeweils ein guter Grund, ein Abo bei Schlaufux abzuschliessen.