Rolf Wild, zehn Tage Party sind vorbei – kommt jetzt erstmals ein zehntägiger Erholungsschlaf?

Rolf Wild: (lacht) Nein, erstaunlicherweise habe ich während dem Schlierefäscht immer genug Schlaf gefunden. Ich fühle mich auch nach zehn Tagen gut und könnte sogar noch ein paar Tage weitermachen.

Als Gastgeber eines Fests verbringt man erfahrungsgemäss die meiste Zeit damit, herumzurennen und sicherzustellen, dass alles klappt. Konnten Sie das Fest selber überhaupt geniessen?

Ich habe das Fest in vollen Zügen genossen und war kaum jemals gestresst. Ich habe mir sogar Zeit genommen, in der Schmittebeiz die Gäste zu bedienen. Die Leute haben schön gestaunt, als ich in der roten Schürze mit dem Tablett in der Hand auftauchte (lacht). Aber es war mir wichtig, den Puls des Festes so richtig zu spüren. Das ist mir gelungen.

Dann haben Sie Ihre Kräfte offensichtlich gut eingeteilt.

Immer wieder wurde ich gefragt, ob ich gestresst sei – doch dem war nicht so. Ich habe täglich etwa zwölf Stunden am Schlierefäscht verbracht: Für mich ein echter Genuss.

Als Mister Schlierefäscht sind Sie zehn Tage an der Front gestanden. Welche Rückmeldungen haben Sie bekommen?

Praktisch nur positive. An mich wurden nur zwei Beschwerden herangetragen: Einmal ging es um falsch parkierte Autos, einmal um eine Lärmbeschwerde eines Anwohners, der krank zuhause lag. Die OK-Vizepräsidentin Manuela Stiefel ging dort persönlich mit Blumen vorbei.

Sonst gab es keine Lärmklagen?

Keine einzige. Wir haben täglich Polizeirapporte bekommen und es gab weder Pöbeleien noch Lärmklagen.

Vom Schlierefäscht hat man sich viel versprochen: Es soll das Schlieremer Selbstbewusstsein stärken, das Image aufpolieren, die Bevölkerung zusammenschweissen. Hat es die Erwartungen erfüllt?

Absolut. Ich habe unzählige Komplimente bekommen und bin überwältigt von der freundschaftlichen Stimmung, die ich erlebt habe, den vielen strahlenden Gesichtern, die ich gesehen habe. Einige Personen – auch aus umliegenden Gemeinden – haben mir gestanden, dass sie nicht damit gerechnet hätten, dass das Fest ein solcher Erfolg wird.

Welche Geschichte vom Schlierefäscht 2011 werden Sie noch Ihren Enkelkindern erzählen?

Für mich war einfach das ganze Fest ein unglaubliches Erlebnis. Am meisten beeindruckt haben mich wohl die grossen Massen von Leuten. Am letzten Samstagabend war es zeitweise schwierig, sich einen Weg durch die Menschen zu bahnen.

Gab es ein persönliches Highlight?

Die Entwicklung der Niederdorfoper, die ich von Anfang an miterleben durfte. Wie aus diesen teilweise schüchternen, zurückhaltenden Personen solch ausdrucksstarke Schauspieler wurden, das werde ich nie vergessen. Was mich auch extrem gefreut hat, ist, wie sauber der Festplatz die ganze Zeit über war. Damit hätte ich nicht gerechnet.

Gab es Pannen?

Mir ist diesbezüglich gar nichts zu Ohren gekommen.

Können Sie schon etwas zu der finanziellen Bilanz sagen?

Wir gehen davon aus, dass wir Null auf Null herauskommen, so wie wir budgetiert haben. Genauere Zahlen habe ich aber noch nicht.

War das zehntägige Schlierefäscht einmalig, oder wird es dereinst eine Wiederholung geben?

Der von den Festbesuchern immer wieder geäusserte Wunsch ist, dass es bald und regelmässig wieder stattfindet. Doch bevor wir Entscheidungen darüber treffen, lehnen wir uns zuerst einmal zurück und freuen uns über den Erfolg.

Dann kommt jetzt nicht die grosse Depression nach dem Fest?

Gar nicht. Es war wunderschön, aber es ist auch gut, dass es nun vorbei ist. Trotz aller Euphorie dürfen wir nicht den Boden unter den Füssen verlieren. Wir sind immer noch im Limmattal, nicht auf einer Wolke. Ausserdem feue ich mich darauf, endlich wieder einmal ein freies Wochenende zu haben. Mein letztes Jahr war dominiert vom Schlierefäscht.