Oberengstringen
Bibliothekentipp: «Es geht darum, sich selbst zu bleiben»

Die Oberengstringer Bibliothekarin Bettina Hablützel empfiehlt ein Buch von Leïla Slimani, um über das gesellschaftliche Zusammenleben nachzudenken.

Brigitte Spiess
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«Da es ein dünnes Buch ist, kann es auch allen empfohlen werden, die selten lesen oder wenig Zeit für Lektüre aufwenden können», sagt die Bibliothekarin Bettina Hablützel.

«Da es ein dünnes Buch ist, kann es auch allen empfohlen werden, die selten lesen oder wenig Zeit für Lektüre aufwenden können», sagt die Bibliothekarin Bettina Hablützel.

Limmattaler Zeitung

Bettina Hablützel arbeitet seit März 2019 als stellvertretende Bibliotheksleiterin in der Bibliothek Oberengstringen. Sie ist dort unter anderem für den Einkauf von englischen und französischen Medien zuständig. Im Herbst wandert sie gerne im Wald oder in den Bergen. Im Sommer schwimmt sie oft im Zürichsee. Kaum ist der Winter vorbei, ist sie im Garten anzutreffen. Lesen kann sie überall und das ganze Jahr hindurch, das findet sie wunderbar.

Warum hast Du zu diesem Buch gegriffen?

Bettina Hablützel: Am neuen Roman von Leïla Slimani, der dieses Jahr erschienen
ist, hatte ich ehrlich gesagt kein Interesse. Doch ich wollte mehr über die eher junge, französisch-marokkanische Autorin erfahren. In Wien bin ich dann zufällig auf dieses schmale Buch gestossen, das sechs kurze Texte von ihr enthält. Alle Texte sind in einer französischen Wochenzeitung als Essays oder Kolumnen erschienen. Das Buch hat mich sofort angesprochen, denn so konnte ich Leïla Slimani auf eine andere Weise kennen lernen als durch die Lektüre ihres neusten Romans.

«Warum so viel Hass? Kolumnen und Essays»

Leïla Slimani, aus dem Französischen von Amelie Thoma, BTB Verlag, 2019.

Worum geht es in diesem Buch und welches sind die wichtigsten Themen, die Leïla Slimani anspricht?

Es geht hauptsächlich um das gesellschaftliche Zusammenleben in der heutigen Zeit. Es geht um religiöse und kulturelle Unterschiede, ums Fremdsein, um Veränderungen und darum, sich
selbst zu bleiben. Dabei nimmt die Autorin starken Bezug auf ihre Kindheit und ihre Herkunft. Leïla Slimani ist in einer liberalen, muslimischen Familie in Marokko aufgewachsen und hat später in Frankreich studiert. Sie lebt heute in Paris. Die Texte wirken authentisch und sind sehr erzählerisch aufgebaut. Das empfand ich beim Lesen als grosse Qualität. Nachdem man einiges über ihre Familie und Verwandtschaft erfahren hat, schreibt Leïla Slimani:
«Ich bin Kind all dieser Fremden, und ich bin Französin. Ich bin Immigrantin, Pariserin, eine freie Frau, überzeugt davon, dass man sich selbst behaupten kann, ohne die anderen abzulehnen.» Über diese Worte habe ich lange nachgedacht. Sich selbst behaupten zu können, ohne die anderen abzulehnen scheint mir ein Schlüssel zu sein zu einem respektvollen und friedlichen Zusammenleben. Nebenbei geht es in den Texten auch um die Kraft und die Freiheit von Literatur, von Romanen, von Fiktion. Das hat mich als Leserin und als Bibliothekarin auch sehr interessiert.

Wurden Deine Erwartungen erfüllt?

Ja, denn das Buch gibt einen anderen, persönlichen Zugang zur Romanautorin Leïla Slimani.

Wem würdest du dieses Buch weiterempfehlen?

Allen, die sich über das gesellschaftliche Zusammenleben Gedanken machen.
Da es ein dünnes Buch ist, kann es auch allen empfohlen werden, die selten lesen
oder wenig Zeit für Lektüre aufwenden können.

* Brigitte Spiess ist die Leiterin der Bibliothek Oberengstringen.

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Jeden Monat präsentiert eine Bibliothekarin oder ein Bibliothekar aus dem Limmattal ein Buch, eine DVD oder ein Spiel, die sie selbst kürzlich entdeckt haben. Die Rubrik ist in Zusammenarbeit mit den Bibliotheken des Bezirks Dietikon entstanden.