Dietikon
Bibliothekentipp: «Balg» ruft zu Mut und Solidarität auf

Die Bibliothekarin Marianne Kobi empfiehlt den Debütroman «Balg» von Tabea Steiner für Menschen die Lektüre mit Tiefgang mögen.

Agnes Matt
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Ein Familienroman namens «Balg»: Die Bibliothekarin präsentiert ihren Buchtipp.

Ein Familienroman namens «Balg»: Die Bibliothekarin präsentiert ihren Buchtipp.

Zur Verfügung gestellt

Marianne Kobi arbeitet seit bald zehn Jahren in der Regionalbibliothek Dietikon. Sie hat drei erwachsene Kinder. In Ihrer Freizeit reist sie gerne, geniesst das Wandern in den Bergen, liebt klassische Konzerte und spannende Bücher. Ihr Buchtipp heisst «Balg» geschrieben von Tabea Steiner, erschienen in der Edition Bücherlese.

Warum hat Sie dieses Buch angesprochen?

Marianne Kobi: Ich stand vor den Gestellen und suchte nach neuem Lesestoff ‐ natürlich fielen mir zuerst einmal bekannte Autorinnen und Autoren auf. Den Namen Tabea Steiner habe ich zuvor noch nie gehört, es handelt sich ja auch um einen Debütroman. Der Klappentext hat dann meine Neugier geweckt. Seit einem Jahr bin ich stolze Grossmutter eines Enkels, was sicher einen Einfluss auf meine Wahl hatte.

Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Ja, auf jeden Fall. Man lebt und leidet mit den Figuren des Romans mit. Die Geschichte ruft zu Mut, Solidarität und Verständigung auf. Der Schluss bleibt offen, ich würde mir eine Fortsetzung wünschen.

Wovon handelt der Roman?

Eindrücklich beschreibt die Autorin, wie eng die Lebensgeschichten von Eltern, Kindern, aber auch der ganzen Dorfgemeinschaft verflochten sind. Eine junge Familie zieht voller Hoffnungen aufs Land, doch kaum ist der herzige, gesunde Knabe da, beginnt der anstrengende Alltag, den jede junge Familie kennt. Schlafmangel, das Gefühl der Überforderung bei der Mutter, immer weniger Aufträge für den Vater und auch die soziale Isolation verkraftet das Paar nicht. Chris zieht zurück in die Stadt. Antonia ist fortan alleinerziehende Mutter und dabei nahe an der Armutsgrenze. Der kleine Timon leidet, beginnt zu rebellieren und entwickelt sich zu einem schwierigen Kind, welches keine Freunde in der Schule hat und das keiner versteht. Wie soll man auch, wenn der Junge Kissen aufschlitzt und die Schafe darin befreien möchte ... Timon wird auf einen Bauernhof abgeschoben, wo er erstmals emotionale Stabilität erlebt. Doch die Mutter holt ihn zurück und reisst ihn wieder aus seiner fragilen Sicherheit. Glücklicherweise gibt es da einen ehemaligen Lehrer, heute Postbote. Auch er steht am Rande der Dorfgemeinschaft, ausgegrenzt durch Gerüchte, die nie klar benannt wurden. Als einziger schafft er es, einen Zugang zum Jungen zu finden. «Man muss eben mit den Leuten reden, nicht immer nur über sie», bringt es Grossmutter Lydia im Roman auf den Punkt.

Wem würden Sie das Buch empfehlen?

Empfehlen würde ich es Leserinnen und Lesern, die etwas Tiefgang lieben, die gerne Familiengeschichten lesen und eigene Erfahrungen Revue passieren lassen möchten.

Agnes Matt

Leiterin der Regionalbibliothek Dietikon

Tabea Steiner: Balg

Edition Bücherlese, Luzern, 2019

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Jeden Monat präsentiert eine Bibliothekarin oder ein Bibliothekar aus dem Limmattal ein Buch, eine DVD oder ein Spiel, die sie selbst kürzlich entdeckt haben. Die Rubrik ist in Zusammenarbeit mit den Bibliotheken des Bezirks Dietikon entstanden.