Tausende Autos passieren tagein, tagaus die Kreuzung Bern- und Engstringerstrasse in Schlieren. Dass der Verkehrsknotenpunkt eine Gefahr für Kinder der nahegelegenen Zelglischule darstellt, beklagen nicht nur die Eltern. Auch der Dietiker Bezirksrat befand den Fussgängerübergang als zu gefährlich für Kindergarten-Kinder. Dies bestätigte Statthalter Simon Hofmann (FDP) kürzlich auf Anfrage der Limmattaler Zeitung. Der Bezirksrat befasste sich mit dem Thema, weil ein Elternpaar aus dem Quartier gegen den Zuteilungsbeschluss der Schulpflege rekurrierte. «Mehrmals besuchte der Bezirksrat die Kreuzung und kam zum Schluss, dass es für vier- bis fünfjährige Kinder wirklich anspruchsvoll ist, die Bernstrasse zu überqueren», sagt Hofmann. Dies nicht zuletzt wegen der kurzen Grünphasen und des geringen Schutzes auf der Mittelinsel.

Die Schule Schlieren musste auf Geheiss von oben etwas am gefährlichen Schulweg ändern. Vergangene Woche gaben Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP) und ihre Abteilungsleiterin Andrea Fus in einem Schreiben an die Eltern bekannt, dass für die ersten zwei Wochen des Semesters ein Lotsendienst der Sicherheitsfirma Outsec zur Verfügung gestellt werde. Seit Anfang Woche bringen die Mitarbeiter die Kinder jeden Morgen und jeden Mittag sowie an zwei Schulnachmittagen über die Strasse. Dies kostet die Stadt 2500 Franken pro Woche – total also 5000 Franken.

180-Grad-Kehrtwende der Schule

Für die Zeit danach suche man nach einer internen Lösung, hiess es weiter. Dass auf der Kantonsstrasse bauliche Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit ergriffen werden, wäre zwar denkbar, ist aber in Anbetracht dessen, dass die Kreuzung ohnehin in den kommenden Jahren untertunnelt wird, nicht absehbar. «Am wahrscheinlichsten ist eine dauerhafte Lotsensdienst-Lösung allenfalls mit schuleigenem Personal», sagt Krebs.

Daneben werde aber auch mit den Verantwortlichen von Bau und Planung sowie Sicherheit und Vertretern des Kantons nach Lösungen gesucht. Damit macht die Schule eine 180-Grad-Kehrtwende. Denn erst Anfang Juli lancierte der Schlieremer Vater und Lehrer Andrin Brüderlin eine Petition, die an der Engstringerkreuzung ebenfalls eine sichere Fussgänger-Überquerung verlangte. 223 Personen nahmen an der Unterschriftensammlung teil, das Anliegen wurde in der Folge dem Stadtrat überbracht.

Krebs betonte stets, dass die auf dem Schulweg gemachten Erfahrungen wichtig für die Entwicklung der Kinder seien und dass der Übergang Bernstrasse sicher sei. Dies habe eine Prüfung durch die Polizei Schlieren ergeben. Nun räumt sie ein: «Die Einschätzung des Bezirksrates deckt sich in dieser Sache nicht mit jener der Polizei.» Doch auf die Frage, ob die Schule Schlieren den besorgten Eltern nun beipflichtet und den Weg als unsicher betrachtet, sagt sie: «Die Schulpflege hat der Einschätzung des Bezirksrates Folge zu leisten.»

Gefährlichkeit nichts Exaktes

Wie kommt es dazu, dass die Schlieremer Polizei und der Bezirksrat zu einer derart unterschiedlichen Auffassung bezüglich Schulweg-Sicherheit gelangen? Pascal Leuchtmann (SP), seit rund anderthalb Monaten Schlieremer Sicherheitsvorsteher, sagt, Gefährlichkeit könne nicht exakt berechnet werden. Die Mittelinsel gelte jedoch als sicherer Ort, solange man auf ihr bleibe. «Die Frage laute daher: Glaubt man daran, dass ein Kind die Mittelinsel nicht zur Unzeit verlässt, beispielsweise weil es verträumt oder abgelenkt ist oder weil es wegen des Krachs des Verkehrs in Panik gerät?» Er könne den Entschluss des Bezirksrates durchaus nachvollziehen, sagt Leuchtmann. «Kommt man zum Schluss, vierjährige Kinder sind auf der Mittelinsel überfordert, ist es klar, dass man diesen Kindern helfen muss.»

Bei den Schulweg-Prüfungen durch die Polizei sei es vornehmlich um die Messung der Grünphasen-Zeiten sowie das Verhalten der Kinder, welche die Kreuzung queren, gegangen. «Insgesamt ist die Schulweg-Sicherheit Sache der Schule. Ihr obliegt es, geeignete Abklärungen in die Wege zu leiten und dann allenfalls Massnahmen zu ergreifen», so Leuchtmann.

Wie zufrieden ist der Statthalter mit dem Lotsendienst der Schule. «Diese Lösung ist ganz in unserem Sinn», sagt Hofmann. Doch müsse man noch abwarten, mit welcher definitiven Massnahme die Schule das Problem beheben wolle.