Bezirksgericht Dietikon
Er fuhr mit der Vespa im Slalom durch den Stau vor dem Gubrist – nun wurde er verurteilt

Ein Rollerfahrer, der auf der A1 auf dem Beschleunigungsstreifen zwei stehende Autos rechts überholte, stand vor dem Bezirksgericht Dietikon.

Louis Probst
Merken
Drucken
Teilen
Der Vorfall ereignete sich auf der A1, als sich der Verkehr kurz nach dem Limmattalerkreuz in Fahrtrichtung St. Gallen staute.

Der Vorfall ereignete sich auf der A1, als sich der Verkehr kurz nach dem Limmattalerkreuz in Fahrtrichtung St. Gallen staute.


Themenbild: Jiri Reiner

«Keine Ahnung – ich bin nicht dort gewesen», meinte der Beschuldigte auf die Frage von Bezirksrichter Benedikt Hoffmann, ob der Sachverhalt, welcher der Anklage zugrunde liege, korrekt sei. Gemäss dieser Anklage war der Beschuldigte, ein 38-jähriger Schweizer, spätabends mit seiner Vespa auf der Autobahn A1, auf der Höhe des Limmattalerkreuzes zwischen den stehenden Fahrzeugkolonnen Richtung Gubrist gefahren. Zwischen zwei Autos hindurch hatte er dann auf den Beschleunigungsstreifen der Einfahrt Weiningen gewechselt und dabei die Sicherheitslinie überfahren. Auf dem Beschleunigungsstreifen fahrend hatte er, so die Anklage, «mindestens zwei auf dem rechten Fahrstreifen befindliche Fahrzeuge rechts überholt», bevor er abermals zwischen zwei Autos hindurch die Spur wechselte und zwischen den stehenden Kolonnen weiterfuhr.

Die Slalomfahrt war einer Patrouille der Kantonspolizei ins Auge gestochen. Sie konnte das Kontrollschild des Rollers ablesen. In der Folge erhob die Staatsanwaltschaft gegen den Halter des Rollers Anklage wegen vorsätzlicher grober Verletzung der Verkehrsregeln sowie mehrfacher vorsätzlicher Verletzung der Verkehrsregeln. Sie forderte eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 80 Franken sowie eine Busse von 500 Franken.

Angeklagter will sich nicht mehr erinnern

Vor Gericht bestätigte der Beschuldigte, dass er an diesem Tag seine Mutter besucht habe. Er wisse aber nicht mehr, ob er den Roller benutzt habe. «Ich kann mich nicht erinnern», sagte er.

«Das ist zwei Jahre her. Ich weiss es beim besten Willen nicht mehr. Ich glaube, dass ich erst am folgenden Tag nach Hause gefahren bin.»

Auf die Frage, wie denn der Roller auf die Autobahn gekommen sei, meinte er: «Falls er dort war. Ich bin da nicht sicher. Im Verfahren wird alles ziemlich unfair dargestellt. Die Polizisten konnten sich ja selber nicht mehr erinnern.» Auf den Einwand des Richters, weshalb sich denn die Polizisten etwas aus den Fingern saugen sollten, wandte der Beschuldigte ein, dass die Polizei von einem Fahrer mit breiter Statur gesprochen habe. Er selber sei zwar nicht gerade ein «Finöggeli». Als Mann sei er jedoch von sehr schmaler Statur.

Der Angeklagte war auf einer Vespa unterwegs.

Der Angeklagte war auf einer Vespa unterwegs.

Themenbild: Oliver Menge

Auf die Frage, wer Zugang zum Roller gehabt habe, erklärte der Beschuldigte, dass er einen der beiden Schlüssel des Rollers verloren habe. Er bestätigte, dass er am Tag nach dem Vorfall den Roller wieder gehabt hätte. «Das würde heissen, dass jemand den Schlüssel und den passenden Roller gefunden, den Roller behändigt und nach Gebrauch wieder am richtigen Ort abgestellt hätte», sagte Richter Hoffmann. Und:

«Eine solche Geschichte wirkt doch eher absurd.»

Den Ausdruck «absurd» finde er etwas übertrieben, meinte dagegen der Beschuldigte: «Die Aussagen der Polizisten sind seltsam. Ich finde den ganzen Sachverhalt sehr mysteriös.»

Zu den Aussagen seiner Mutter, die ihn nicht gerade entlasten, erklärte er: «Ich kann diese Aussagen schon nachvollziehen. Aber das Gedächtnis meiner Mutter lässt stets etwas mehr nach.»

In seinem Schlusswort erklärte der Beschuldigte:

«Die Aussagen der Polizei sind nicht glaubhaft. Ich fühle mich unschuldig.»

Das Gericht sah das anders. Es sprach den Beschuldigten im Sinne der Anklage schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 110 Franken sowie einer Busse von 500 Franken. «Es gibt keinen Grund, an den Aussagen der Polizei zu zweifeln», erklärte Bezirksrichter Hoffmann. «Es gibt auch keine Hinweise, dass jemand anders gefahren sein könnte. Für das Gericht ist der Sachverhalt nachgewiesen.»

Eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 110 Franken sowie einer Busse von 500 Franken: So lautet das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon gegen den Vespafahrer.

Eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 110 Franken sowie einer Busse von 500 Franken: So lautet das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon gegen den Vespafahrer.

Severin Bigler