Bezirksgericht Dietikon
Hanfverarbeiter verurteilt: Er lagerte 50 Kilogramm abgepacktes Haschisch

Ein Türke produzierte in Birmensdorf kilogrammweise Haschisch-Blöcke. Nun musste er sich vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Auf der Liste standen aber noch andere Delikte.

Louis Probst
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Der 40-Jährige Türke lagerte nicht nur 50 Kilo Haschisch, sondern auch auch 17,2 Kilogramm Pollinat zur Weiterverarbeitung. (Symbolbild)

Der 40-Jährige Türke lagerte nicht nur 50 Kilo Haschisch, sondern auch auch 17,2 Kilogramm Pollinat zur Weiterverarbeitung. (Symbolbild)

Christian Merz

Die Liste der angeklagten Sachverhalte war lang: Vergehen gegen das Betäubungsmittel­gesetz, Hausfriedensbruch, geringfügiger Diebstahl, Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch, Fahren ohne Berechtigung und fahrlässige Verletzung der Verkehrsregeln. Wegen all dieser Delikte hat das Bezirksgericht Dietikon letzte ­Woche einen rund 40 Jahre ­alten Türken, der in Winterthur wohnt, verurteilt. Im abgekürzten Verfahren erhielt er eine ­bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten sowie eine Busse von 300 Franken aufgebrummt.

Der Mann hatte von un­bekannten Personen unbekannte Mengen Hanf-Pollinat übernommen und dann zu ­Haschisch-Blöcken à 100 Gramm verarbeitet. Im März letzten Jahres lagerte der Mann in einem Lagerraum in Birmensdorf sodann rund 50 Kilogramm abgepacktes und verkaufsfertiges Haschisch. Zudem wurden weitere 17,2 Kilogramm Pollinat entdeckt, die er auch noch zu Haschisch verarbeiten wollte.

Wie die Ermittlungen weiter ergaben, hatte der Mann seit 2017 ein zweijähriges Hausverbot in allen Coop-Filialen in der Schweiz – trotzdem ging er in eine Winterthurer Coop-­Filiale und beging damit Hausfriedensbruch. Im Coop ass er zudem ein Schoggi-Gipfeli für 1.80 Franken, ohne dieses zu bezahlen.

Schlüssel steckte im Auto, also lieh er es sich aus

Der Vorwurf der Entwendung zum Gebrauch schliesslich gründete darin, dass der Beschuldigte in Winterthur mit einem Auto, in dem der Zündungsschlüssel steckte – ohne Wissen und Einverständnis der Halterin – eine kurze Strecke zu einem Kollegen gefahren war. Dass er über keinen gültigen Führerausweis verfügte und beim Verlassen eines Kreisels den Blinker nicht stellte, rundet sozusagen das Bild ab.

Vor Gericht liess der Beschuldigte – der sich an der Anwesenheit der Presse zu stören schien – durch den Übersetzer ausrichten, dass er wisse, weshalb er hier sei. Aus der Befragung durch Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher ergaben sich eher ungewöhnliche Lebensumstände des offensichtlich belesenen Beschuldigten.

«Ich glaube, dass ich das hinkriege»

Gemäss seinen Angaben lebt er seit 2003 als anerkannter Flüchtling in der Schweiz. Eine Tätigkeit habe er nicht. «Meinen Sie Arbeit?», liess er auf die Frage nach seiner Beschäftigung zurückfragen und gab zur Antwort: «Nein, ich habe keine Arbeit. Aber ich bin auf der Suche.» Er wohne bei einem Kollegen und helfe ein- oder zweimal im Monat bei Umzugstransporten – «beim Brockenhaus oder so». Aufs Sozialamt gehen möchte er nicht, «weil man dort Dokumente zeigen muss». Auf die Frage, ob er denn etwas zu verbergen hätte, entgegnete er dem Vorsitzenden:

«Nein. Ich kann Ihnen alles zeigen. Vielleicht denken Sie, dass ich illegale Einkünfte habe. Das ist aber nicht der Fall. Mir geht es gut so. Ich möchte arbeiten, und ich glaube, dass ich das hinkriege.»

Das Gericht erhob den ­Urteilsvorschlag der Staats­anwaltschaft zum Urteil. Der Beschuldigte muss zudem er­hebliche Kosten, darunter knapp 18000 Franken für zwei Gutachten, übernehmen.

«Die Beweismittel sind erdrückend», so der Gerichtspräsident bei der Erläuterung des Urteils.

«Angesichts der sehr grossen Drogenmenge ist von einem sehr erheblichen Verschulden auszugehen. Man hätte sich fragen können, ob es nicht um gewerbsmässigen Drogenhandel ging.»

Im Vorgehen des Beschuldigten, das zumindest als halbprofessionell zu bezeichnen sei, komme eine erhebliche kriminelle Energie zum Ausdruck. Der Beschuldigte, der selber nicht Drogenkonsument sei, habe aus rein finanziellen Motiven delinquiert. Der Gerichtspräsident stellt fest:

«Es ist davon auszugehen, dass sich der Beschuldigte nicht auf der alleruntersten Stufe des Drogenhandels befunden hat, sonst wäre er nicht im Besitz von 50 Kilo Betäubungsmitteln gewesen. Eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten ist streng, aber durchaus vertretbar.»

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