Es war der grosse Tag der FDP gestern. Die Freisinnigen holten sich rekordverdächtige acht zusätzliche Sitze im Kantonsrat, wodurch nun auch der Bezirk Dietikon neu mit drei statt zwei FDP-Parlamentariern vertreten ist. Ihr Wähleranteil steigt im Bezirk von 16,6 auf 20,0 Prozent, womit die FDP vor der SP und nach der SVP zur zweitstärksten Partei wird.

Entsprechend gross war die Freude gestern bei Bezirkspartei-Präsident Dominik Strub-Tiedt. «Ich habe gehofft, dass wir zulegen, aber dass wir gleich einen solchen Erfolg verzeichnen werden, habe ich nicht erwartet», sagte er. Die Stimmung an der Wahlfeier sei ausgesprochen ausgelassen: «Ich bin nun schon seit zehn Jahren bei der FDP und habe unsere Leute noch nie so kollektiv gut gelaunt erlebt.» Wo man hinschaue, sehe man strahlende Gesichter.

Für den Siegeszug der Freisinnigen hat Strub-Tiedt zwei mögliche Erklärungen. Einerseits seien vor vier Jahren neue Parteien wie die GLP und BDP erfolgreich gewesen. Viele Wähler hätten sich offensichtlich nun wieder von diesen abgewendet, um zur FDP und damit zum «Altbewährten» zurückzukehren, glaubt er. Zudem gebe es zurzeit diverse wichtige Wirtschaftsthemen wie den starken Franken, welche die Leute beschäftigten. Dass sie dabei der FDP zutrauten, Lösungen zu finden, mache Sinn.

Katzenjammer bei den Grünen

Nebst dem bisherigen FDP-Kantonsrat Andreas Geistlich aus Schlieren ziehen neu André Müller aus Uitikon und die Schlieremer Schulpräsidentin Bea Krebs ins Kantonsparlament ein. Müller, der noch weitgehend unbekannt ist, freute sich, dass er vom guten zweiten Listenplatz aus hatte starten dürfen. Dies habe ihm natürlich geholfen. «Zudem stand meine Gemeinde Uitikon fast geschlossen hinter mir.» Krebs wurde von ihrem Erfolg überrascht, wie sie sagte: «Ich habe nicht damit gerechnet, gewählt zu werden. Es ist ein guter Tag für mich, die Bezirkspartei und die Kantonalpartei.»

Katzenjammer herrschte dafür gestern bei den Grünen: Sie waren nicht nur im Kanton, sondern auch im Bezirk die grossen Verlierer der Wahlen. Von ihren 19 Sitzen müssen sie 6 abgeben, darunter auch den einzigen aus dem Bezirk, der seit letztem Herbst Patricia Ljuboje aus Urdorf gehörte.

Bezirksparteipräsident Lucas Neff erklärte die Niederlage gestern einerseits mit dem Fukushima-Effekt, von dem die Grünen vor vier Jahren profitiert hätten, der nun aber verpufft sei. Andererseits nehme er auch ganz klar ein gewisses generelles politisches Desinteresse wahr, so Neff. Dies zeige sich nicht zuletzt in Form der tiefen Stimmbeteiligung.

Tatsächlich haben sich im ganzen Kanton nur gerade 32,7 Prozent der Stimmberechtigten an den Wahlen beteiligt. Im Bezirk Dietikon, der die zweittiefste Wahlbeteiligung hatte, waren es sogar nur 27,6 Prozent. Dies wirke sich auf eine Partei wie die Grünen, deren politisches Engagement der Natur und nicht dem Eigeninteresse gelte, stärker aus, glaubt Neff.

Gehrig überholt Wyss

Verloren hat im Kanton auch die zweite Partei mit Ökologie-Fokus, die GLP. Sie muss zukünftig mit 5 Sitzen weniger auskommen. Im Bezirk konnten die Grünliberalen ihren Sitz jedoch halten: Ihr Wähleranteil sank nur minim, von 5,7 auf 5,6 Prozent. Übernehmen wird den Sitz des zurückgetretenen René Gutknecht die Urdorfer Co-Präsidentin der Bezirkspartei, Sonja Gehrig. Sie startete vom zweiten Listenplatz aus und überholte Spitzenkandidat Nikolaus Wyss aus Schlieren.

Gehrig sagte gestern, sie habe ein weinendes und ein lachendes Auge: «Für unsere Partei ist es weit weniger gut gelaufen als erwartet. Aber ich freue mich, dass wir wenigstens im Bezirk unseren Sitz halten konnten.» Sie bedaure es, dass die Wähler zurzeit offensichtlich weniger Interesse an grünen Themen hätten. Nichtsdestotrotz werde sie sich im Kantonsrat konsequent dafür einsetzen, so Gehrig: «Umweltthemen sind nach wie vor wichtig – ganz besonders auch für das Limmattal mit seinem starken Wachstum.»

Nach wie vor vier Sitze im Kantonsrat belegt die SVP aus dem Bezirk. Nebst den Bisherigen Rochus Burtscher (Dietikon) und Pierre Dalcher (Schlieren) wurden Diego Bonato (Aesch) und André Bender (Oberengstringen) gewählt. Keine Veränderung gibt es bei der SP, die wie bis anhin durch Rosmarie Joss und Rolf Steiner aus Dietikon vertreten ist. Souverän den einzigen CVP-Sitz für den Bezirk verteidigt hat Josef Wiederkehr.