Zügeltermine bedeuten oft viel Arbeit und Stress. Bei einem Auszug in Geroldswil lagen die Nerven so blank, dass es zum Schluss sogar zu gewalttätigen Szenen und zu einem Polizeieinsatz kam. Passiert ist das Ganze im November 2012 in einer Mietwohnung. Nach einer dreijährigen Beziehung beschloss eine heute 35-jährige Dietikerin, ihren um elf Jahre älteren Freund zu verlassen und auszuziehen.

Als die Frau an einem Vormittag ihre Sachen aus der Wohnung brachte, herrschte zwischen ihr und ihrem Ex-Partner eine gehässige Stimmung. Erst recht, als die Mutter der Dietikerin auftauchte und ihre Tochter beim Zügeln unterstützte. Offenbar deckten sich der EDV-Spezialist und die Mutter schon bald gegenseitig mit Vorwürfen ein. Bis der Mann laut Anklage auf sie losging. Dabei stiess er gegen eine Plastikbox, welche die Frau trug. Darauf verlor sie das Gleichgewicht, strauchelte nach hinten und schlug sich zuerst den Rücken und danach auch noch den Kopf gegen einen Wandschrank an.

Kampf an der Wohnungstüre

Kurz darauf verlagerte sich der Kampf an die Wohnungstüre, die der Mieter zudrücken und damit seine Ex-Freundin sowie deren Mutter ausschliessen wollte. Dagegen setzten sich beide zur Wehr, indem sie sich mit ihren Rücken und aller Kraft gegen die Türe stemmten – so lange, bis der Beschuldigte plötzlich nachgab und beide Frauen nach hinten in die Wohnung fielen. Als der Mann die Türe wieder zudrückte, klemmte er auch noch die rechte Hand der Mutter ein. Worauf diese die Polizei alarmierte und gegen ihren Gegner Strafanzeige erstattete.

Letzte Woche musste sich der Beschuldigte wegen Körperverletzung am Bezirksgericht Dietikon verantworten. Er musste mit einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 110 Franken sowie einer Busse von 1900 Franken rechnen. Laut Anklage hatte sich die Mutter beim Vorfall erhebliche Verletzungen im Arm- und Halsbereich zugezogen.

Dem widersprach der Beschuldigte und wies die Vorwürfe zurück. Einerseits sei er zuerst von der Mutter attackiert worden. Er habe sich nur gewehrt. Andererseits sei diese beim Drücken der Türe noch gar nicht zugegen gewesen.

Der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und stufte die Darstellungen der Geschädigten als sehr widersprüchlich ein. Lebensfremd sei vor allem, dass diese nach den ersten Verletzungen aus freien Stücken an den Tatort zurückgekehrt sei.

Geschädigte blieb Prozess fern

Dem Beschuldigten kam zudem entgegen, dass die Mutter den Strafprozess erstaunlicherweise ignorierte und durch Abwesenheit glänzte. Womit ihre Darstellungen vor den Schranken unerwähnt blieben. Der Freispruch stellte deshalb keine Überraschung dar. Einzelrichter Bruno Amacker führte aus, dass die Privatklägerin in der Untersuchung unterschiedlichste Aussagen gemacht habe. «Die Geschädigte hat in wesentlichen Punkten erhebliche Abweichungen zu Protokoll gegeben», sagte der Richter.

Mit dem Freispruch wurde dem Beschuldigten eine Prozessentschädigung von über 9100 Franken zugesprochen. Die Geschädigte geht mit ihrer Forderung nach Schmerzensgeld dagegen leer aus. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig. So kann die unterlegene Privatklägerin den Fall an das Obergericht weiterziehen.