Schlieren
Bewohner erforschen in Schlieren bei Begehungen ihr Quartier

Im Stadtteil Südwest finden derzeit Quartierbegehungen statt. Die Begehung finden im Rahmen des Projekts «Stadtteilentwicklung Schlieren Südwest». Die Projektverantwortlichen wollen so herausbekommen, wo die Bewohner der Schuh drückt.

Florian Niedermann
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Quartierbegehung im Südwesten von Schlieren
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Wo drückt der Schuh? Eva Parati lässt sich von Martina Gerisch und Ralf Herschel im Spitalquartier herumführen. FNI

Quartierbegehung im Südwesten von Schlieren

Florian Niedermann

Es ist bereits dunkel, als sich Eva Parati und Martina Gerisch und Ralf Hersel an der Urdorferstrasse zur Quartierbegehung treffen. Trotz der späten Stunde fahren im Sekundentakt Autos vorbei. «Dank ihr fahren sie zumindest in gemässigtem Tempo», sagt Hersel und deutet auf eine mobile Radarfalle auf der anderen Strassenseite. Die gerade, breite Urdorferstrasse sei prädestiniert für Raser, sagt er. Deshalb sei es wichtig, dass der Blitzkasten auch in Zukunft regelmässig hier postiert werde. Parati packt ihre Kamera aus, fotografiert die Radarfalle und notiert die Aussage Hersels auf einem vorgedruckten Fragebogen, bevor das Trio seinen Spaziergang in Richtung des Spitals Limmattal fortsetzt.

Die Quartierbegehung findet statt im Rahmen des Projekts «Stadtteilentwicklung Schlieren Südwest» (siehe Kasten). Grundsätzlich seien sie mit der Wohnsituation im Spitalquartier sehr zufrieden, sagen Paratis Begleiter an diesem Abend. «Die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr und die Naherholungsgebiete sind uns sehr wichtig», erklärt Gerisch. Dazu sei der Wohnraum im Vergleich mit der Stadt Zürich sehr günstig, ergänzt Hersel, der mit Gerisch seit 2007 in Schlieren lebt.

Für mehr Lebensqualität

Die Stadt Schlieren führt gemeinsam mit der Fachhochschule Luzern das Projekt «Stadtteilentwicklung Schlieren Südwest», durch. Die Quartierbegehungen sind Teil des Partizipationsprozesses, bei dem Quartierbewohner helfen sollen, die Lebensqualität im stark wachsenden Stadtteil zu erhalten und zu fördern. In Schlieren haben sich neben Eva Parati 21 weitere «Quartiererforscher» bereit erklärt, die Steuergruppe des Projekts bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Seit November und noch bis Ende März begleiten sie Einwohner in Schlieren Südwest durch ihr Quartier, um herauszufinden, was erhaltenswert ist, und was geändert werden müsste, um die Lebensqualität zu erhöhen. Die Ergebnisse der Begehungen dokumentieren die «Quartiererforscher» und leiten sie an die Fachhochschule weiter. Die Auswertung der Dokumentationen wird die Steuergruppe am 18. April präsentieren. (FNI)

Naherholungsgebiete und Bewegungsräume seien ein wichtiges Thema in der Bevölkerung, sagt Parati. Alle ihre Begehungspartnerinnen und Partner hätten diesen Punkt angesprochen. Auch Hersel unterstreicht die Bedeutung der Freizeitaktivitäten: Wenn die Stadt nicht zur reinen Schlafstätte verkommen wolle, so müssten die Behörden dafür sorgen, dass die Bevölkerung ihre Freizeit im Wohnort verbringe.

Bereits nach wenigen Schritten entlang der Urdorferstrasse deutet Gerisch auf das Spital Limmattal. Der Bau passe nicht ins Quartierbild, sagt die gebürtige Deutsche. «Ich hoffe, dass der geplante Neubau weniger Stockwerke aufweist und architektonisch schöner gestaltet ist.» Sie hätten schon lange nichts mehr über das Neubauprojekt gehört, sagt Gerisch. Auch dies sei ein Punkt, der vielen Quartierbewohnern wichtig sei, sagt Parati: Die Stadt kommuniziere zwar über ihre offiziellen Organe, aber die Betroffenen würden eine direkte Kommunikation bevorzugen. Weitere Schlüsselthemen bei den Quartierbegehungen seien der mangelnde Schulraum oder die Auswirkungen der Limmattalbahn auf den Langsamverkehr.

Hersel und Gerisch stellten sich sofort zur Verfügung, als sie von der Stadt und der Fachhochschule angefragt wurde, bei einer Quartierbegehung teilzunehmen. «Es ist uns wichtig, die eigene Umgebung mitgestalten zu können», sagt Hersel. Und seine Partnerin ergänzt: «Wer nicht wählen geht, darf sich im Nachhinein nicht über den Ausgang einer Abstimmung beschweren.» Auch für Parati, die in Urdorf wohnt, war es selbstverständlich, sich als «Quartiererforscherin» zur Verfügung zu stellen, wie sie sagt: «Ich habe zehn Jahre lang im Schulhaus Hofacker unterrichtet und bin mit der Stadt sehr verbunden.» Seit November führte sie bereits drei Quartierbegehungen durch. Geführt wurde sie von Personen, die zwischen 38 und 70 Jahre alt waren. Die Rekrutierung sei nicht immer ganz einfach gewesen, sagt Parati: «Besonders Personen mit Migrationshintergrund war schwierig zu vermitteln, worum es bei dieser Aktion geht.» Sie sei froh gewesen, dass sie die Fachhochschule bei der Suche nach Freiwilligen unterstützt habe.

Die letzte Station der Quartierbegehung bildet an diesem Abend der Kesslerplatz. Dieser Teil Schlierens sei Sinnbild für das Image, das Schlieren vielerorts habe, sagt Hersel. «Wer diese breite Strasse und die Häuser sieht, kann sich kaum vorstellen, dass Schlieren auch sehr schöne Seiten hat.» Deshalb sollte die Stadt gerade auch hier an ihrer Visitenkarte arbeiten.

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