Unterengstringen
Bewegte Bilder liefern den Stoff für zwei Arbeiten

Christoph Hans (19) hat einen Film gedreht. Vom Drehbuch, über das Casting, die Regie, die Kameraführung bis hin zur Produktion und der Vertonung hat er alles selber gemacht. Sein Freund Remo Thommen (19) organisiert nun die Premiere.

Sandro Zimmerli
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Für ihren Dreh haben Christoph Hans und Remo Thommen einen Kamerawagen gebastelt
5 Bilder
Die Einstellung am Morgentisch muss stimmen
Ein Casting gehört zu den Vorbereitungen dazu
Die Dreharbeiten zum Maturarbeits-Film «Dystopia»
Der Dreh verlangt auch spezielle Einstellungen

Für ihren Dreh haben Christoph Hans und Remo Thommen einen Kamerawagen gebastelt

Zur Verfügung gestellt

«Ein zweites Mal würde ich nicht mehr alles in Eigenregie machen», sagt Christoph Hans. Der 19-jährige Unterengstringer hat während der letzten 15 Monate einen 46-minütigen Film realisiert. «Das hat manchmal Nerven gekostet. Die ganzen letzten Sommerferien habe ich mich trotz des schönen Wetters zuhause eingeschlossen und am Film gearbeitet», so Hans.

Doch damit nicht genug. Den gesamten Entstehungsprozess hat er auf über 40 Seiten festgehalten. Das war Bedingung, denn das Filmprojekt mit Namen «Dystopia» war Hans' Maturarbeit an der Kantonsschule Limmattal.

Arbeit wurde ausgezeichnet

Eine Arbeit, die seine Betreuer derart beeindruckte, dass sie der Schulkommission vorschlugen, diese zu prämieren. Der Einsatz hat sich gelohnt. Zusammen mit einer technischen Arbeit wurde Hans' Film zur besten Abschlussarbeit des diesjährigen Jahrgangs gekürt. Seinen nächsten grossen Lohn für die vielen Mühen kann der junge Filmemacher am Samstag abholen. Dann feiert sein Werk Uraufführung im Zürcher Kino Riff Raff. Immerhin musste Hans diese, nicht öffentliche, Premiere nicht auch noch selber organisieren. Diese Arbeit übernahm Remo Thommen, ebenfalls 19 Jahre alt und ebenfalls aus Unterengstringen.

Die beiden kennen sich seit dem Kindergarten. Thommen hat beim Filmprojekt assistiert und nun die Organisation der Filmpremiere übernommen. Denn auch Thommen muss eine Abschlussarbeit abliefern, und zwar im Rahmen der Berufsmittelschule, die er derzeit besucht. «Auf diesem Weg können wir einander beide helfen», so Thommen.

Hilfe, die bei beiden Projekten dringend nötig war. Während Thommens Premiere kostendeckend sein muss, hatte Hans kein Budget zur Verfügung. Deshalb war Kreativität gefragt. Weil ein Kamerawagen zu teuer war, bastelten die beiden Freunden ihre eigenen. Dazu verwendeten sie Rohre als Schienen und Skateboardrollen zur Fortbewegung. Gedreht wurde vorwiegend im Limmattal, besonders in Schlieren. Zudem diente die Stadt Zürich als Kulisse. Als Darsteller fungierten Schauspielstudenten aus Zürich.

Augenmerk auf der Regie

«Da ich keine Gage bezahlen konnte und in meinem Freundeskreis keine geeigneten Darsteller fand, habe ich die Rollen an der Schauspielschule ausgeschrieben», so Hans. Das sei, im Nachhinein gesehen, ein guter Entscheid gewesen. «Am ganzen Projekt hat mir die Regiearbeit am meisten Spass bereitet. Dabei konnte ich mit den Schauspielern interagieren», sagt Hans. Die Produktion, die ganze Vertonung des Films sei hingegen wesentlich mühsamer gewesen.

«Man sitzt alleine vor seinem Computer und hat kaum Kontakt zur Aussenwelt», hält Hans fest. Würde er nochmals einen Film drehen, dann wäre sein Augenmerk vor allem auf die Regie gerichtet. «Das ist die Königsklasse des Filmemachens. Dort kann man seine Vorstellungen am besten, am direktesten umsetzen», so Hans. Zudem habe er immer wieder nützliche Hinweise von den Schauspielern erhalten. «Es war mein Glück, dass ich äusserst motivierte Schauspieler fand», sagt Hans.

Trotz des grossen Aufwands, den er während der letzten Monate betrieben habe, wolle er die Erfahrung nicht missen. «Ich wollte wissen, wie es ist, einen Film von der ersten Idee bis zur Aufführung zu produzieren», sagt Hans. Inspiriert worden sei er vom Schweizer Regisseur Marc Forster. «Vor zwei Jahren habe ich einen Artikel über ihn gelesen. Dort hat er erklärt, wie er nach der Matur in die USA ging, um ein Filmstudium zu absolvieren», so Hans. Damals sei die Idee gereift, für die Maturarbeit einen eigenen Film zu drehen.

Gitarre, Klavier und Computer

«Da ich zudem gerne Musik mache und Bilder mit Songs unterlege, habe ich mich entschieden, die gesamte Produktion alleine zu machen», hält Hans fest. Allerdings habe er dabei nicht nur auf Klavier und Gitarre zurückgegriffen, sondern die Musik auch mithilfe eines Computerprogramms produziert.

Inhaltlich, so Hans, sei ihm wichtig gewesen, eine Liebesgeschichte zu erzählen. «Da wir heute in einer hoch technologisierten Welt leben, wollte ich zudem zeigen, welchen Einfluss die moderne Technik auf zwischenmenschliche Beziehungen hat», hält er fest.