Die Nackenhaare könnten sich einem aufrichten bei der Szene, die sich an jenem Donnerstagnachmittag im März 2015 an der Tamoil-Tankstelle an der Zürcherstrasse in Dietikon abspielten. Dabei begann alles ganz harmlos, als ein Mann sich im Shop einen Energy-Drink kaufte. Als dieser an der Kasse bezahlen wollte, passierte ihm ein «Missgeschick»: Aus dem Jackenärmel rutschte ein Messer hervor. Wie sich später herausstellte, war das nicht die ganze Bewaffnung des Mannes. Er trug weiter ein Fleischermesser, ein Klappmesser, zwei Stahlketten mit spitzigem Fleischerhaken, zwei Schraubenzieher, ein Beil, eine Axt und einen Baseballschläger auf sich.

Wie sich herausstellte, wollte sich der Endvierziger an der Tankstelle mit einer unbekannten Person treffen, mit der er zuvor ledliglich telefoniert hatte und die als Bote für eine Drittperson fungierte. Der Unbekannte soll den bewaffneten Mann im Vorfeld aufgefordert haben, einen gemeinsamen Bekannten in Ruhe zu lassen. Der Mann gab später zu Protokoll, dass er aber vom Unbekannten bedroht wurde. «Wenn ich komme, landen alle im Spital», habe dieser gesagt. Sein Kontrahent – selber auch nicht aufs Maul gefallen – gab zurück: «Wenn du Eier hast, kommst du zur Tankstelle und wir duellieren uns.»

18 Monate unbedingt

Der Unbekannte zog es schliesslich vor, sich nicht blicken zu lassen. Ganz im Gegensatz zu einer Polizeistreife, welche den kampflustigen Mann schliesslich festnahm. Das hatte für den nicht vorbestraften Mann weitreichende Folgen: Das Bezirksgericht Dietikon verurteilte ihn unter anderem wegen Vorbereitungshandlungen zu einem vorsätzlichen Tötungsdelikt sowie Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte zu 18 Monaten Freiheitsstrafe – unbedingt. 414 Tage davon hatte der Mann bereits in Untersuchungs- und Sicherheitshaft absolviert. Der Rest sollte zugunsten einer stationären Massnahme aufgeschoben werden. Ein psychiatrisches Gutachten attestierte dem Mann eine «emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus».

Vor Obergericht wehrte sich der Beschuldigte gegen die Schuldsprüche und insbesondere gegen die stationäre Massnahme. Es bestehe unbestrittenermassen ein Therapiebedarf. «Es ist Zeit aber, dass ich mein Leben wieder in die Hand nehme und arbeite. Mit einer ambulanten Therapie bin ich einverstanden», sagte K. den Richtern.

Der Verteidiger kritisierte in seinem Plädoyer das psychiatrische Gutachten. Es sei entstanden, während sein Mandant mit einem falschen Medikament behandelt wurde. Dem Gutachter sei dies bekannt gewesen. «Es ist aktenkundig, dass das Medikament psychotische Schübe auslösen kann», sagte der Verteidiger. Heute nehme der Mann keine Medikamente mehr und es gehe ihm gut. «Steht weiterhin eine stationäre Massnahme im Raum, verlangen wir ein neues Gutachten», sagte der Verteidiger.

Keine stationäre Massnahme

Was die übrigen Vorwürfe angeht, plädierte er auf Freispruch. Zu Vorbereitungshandlungen für eine vorsätzliche Tötung sei es gar nie gekommen. Schliesslich sei der Kontrahent gar nicht an der Tankstelle aufgetaucht. «Mein Mandant hat also die Schwelle zum Versuch gar noch nicht überschritten», sagte der Verteidiger. Daher müsse er straflos bleiben. Schliesslich machte der Verteidiger geltend, der Mann sei nahezu zwei Jahre zu lange in Haft gewesen. Es stünde ihm daher eine Entschädigung von über 100 000 Franken zu.

Das Gericht bestätigt in seinem schriftlich eröffneten Urteil im wesentlichen die Schuldsprüche der Vorinstanz – inklusive der 18 Monate Freiheitsstrafe. Mit einem gravierenden Unterschied: Es ist keine Rede mehr von einer stationären Massnahme. Die Richter haben an deren Stelle eine ambulante Therapie angeordnet. Der Mann wird aus der Haft entlassen und erhält eine Entschädigung von 10 000 Franken für unrechtmässig erlittene Haft.