Die Ampel wechselt auf Grün. Ein Lastwagen hupt. Autogeheule. Dann fliesst der Verkehr bis zum nächsten Rotlicht. David Amrein steht auf der ersten Etage des Baubürocontainers an der Bernstrasse in Dietikon und blickt auf die Schönenwerdkreuzung. «Sie ist das Herz des Limmattaler Verkehrs und die am stärksten befahrene Kreuzung in der Region», sagt er. Amrein ist Leiter der Unterhaltsregion I des kantonalen Tiefbauamts und zuständig für das Verkehrskonzept für die Vollsperrung der Schönenwerdkreuzung. In weniger als zwei Wochen hört das Limmattaler Herz auf zu schlagen. Vom 2. Juli bis Ende August wird der Knoten für den Verkehr gesperrt (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Im Zuge des Baus der Limmattalbahn will der Kanton die Zentren von Dietikon und Schlieren entlasten und die Verkehrskapazität an der Schönenwerdkreuzung und an anderen Knoten erhöhen. Bei der Schönenwerdkreuzung gibt es für 18 Millionen Franken insbesondere eine neue Verbindungsstrasse zwischen Zürcher- und Bernstrasse mit Velostreifen und neuer Lichtsignalanlage, einen Rad- und Gehweg entlang der Bernstrasse ab der Schönenwerdbrücke bis zur Bushaltestelle Schönenwerd und Lärmschutzwände. Zudem werden drei Ampelanlagen ersetzt und die Strasse von der Schönenwerdkreuzung bis zum Autobahnanschluss Urdorf Nord erneuert. Zudem werden Werkleitungen ersetzt.

Das Tiefbauamt erachtet die Vollsperrung als beste Lösung, um all diese Arbeiten vornehmen zu können. «Wir hätten auch nur eine Fahrbahn sperren und den Ausbau mit Einbahnverkehr auf der Bernstrasse durchführen können», sagt Amrein. Allerdings würde die Bauzeit dann mehr als ein Jahr dauern. «Zudem müssten sich die Autolenker wöchentlich an eine neue Verkehrsführung gewöhnen.» Unfälle seien da fast vorprogrammiert. Nur mit einer Vollsperrung sei ein konstantes Verkehrsregime möglich.

Die Sperrung hat massive Auswirkungen auf den Verkehrsfluss in der Region. Jeden Tag befahren 35 000 Fahrzeuge die Kreuzung. Es wird in diesen neun Wochen zu grossen Verkehrsbehinderungen kommen. Das Tiefbauamt ist sich dessen bewusst und hat bereits im Vorfeld Informationsveranstaltungen durchgeführt und sich mit den Behörden der betroffenen Gemeinden Dietikon, Schlieren und Urdorf ausgetauscht. «Wir empfehlen allen, die nicht nach Dietikon, Schlieren oder Urdorf müssen, das Gebiet, wenn immer möglich, grossräumig zu umfahren», sagt Amrein. Für Limmattaler Autofahrer gibt es Umleitungsrouten. «Wenn man von Dietikon kommt und Richtung Osten möchte, kann man über die Bremgartner- und Bernstrasse bis zum Autobahnanschluss Urdorf Nord fahren», sagt Amrein. Wer von Zürich her komme, fahre über die Goldschlägi-, Kessler-, Feld- und Birmensdorferstrasse. Die Überlandstrasse oder die Autobahn bieten weitere Möglichkeiten zur Umfahrung. Die Busse der Linien 311 und 303 verkehren weiterhin, umgehen die Kreuzung aber ebenso. Die Haltestellen werden versetzt.

Verkehrsdienst stationiert

Der Verkehr verlagert sich durch die Sperrung auch auf Strassen, die von vielen Kindern als Schulweg genutzt werden. «Dort werden während dieser Zeit Personen des Verkehrsdiensts stationiert sein.» Das grösste Problem sei aber das Fahrverhalten der Autolenker. «Autofahrer fahren immer die selbe Strecke, bis sie merken, dass es nicht mehr weitergeht. Die ersten Tage der Sperrung werden deshalb schwierig werden.» Man sei aber darauf angewiesen, dass sich der Verkehr um 30 Prozent reduziere, damit es eben nicht zum Verkehrskollaps komme. «Da der grösste Teil der Sperrung in die Sommerferien fällt, ist eine Verkehrsabnahme von 15 bis 20 Prozent zu erwarten. Für den Rest appellieren wir an die Auto- und Lastwagenfahrer und hoffen, dass sie ausweichen.» Nervös sei er so kurz vor der Sperrung aber nicht, sagt Amrein. «Wir haben viel Aufwand für die Planung und Kommunikation betrieben. Ich bin zuversichtlich, dass wir das Projekt gut über die Bühne bringen.» Zudem habe man bereits Erfahrung mit komplexen Baustellen, wie etwa jener an der Wehntalerstrasse zwischen Regensdorf und Zürich Affoltern im Jahr 2016. «Dort konnten wir den Verkehr um 30 Prozent reduzieren und dies bei einer neunmonatigen Sperrung.»