Wenn heute ab 22:22 das grosse Feuerwerk den Himmel über dem Schlierefäscht in Farben taucht, dann wird Marco Hannemann sehr angespannt sein. Der 33-Jährige ist dafür verantwortlich, dass alles zur rechten Zeit in die Luft geht, was die Festbesucher verzaubern soll.

«Da ist natürlich diese Anspannung und das Kribbeln», sagt der Berliner, der seit 2005 in der Schweiz lebt und in Aarau den «Feuerwerkshop» führt. Die Anspannung, ob das Feuerwerk so funktioniert, wie er und sein Team es in den vergangenen Monaten geplant und vorbereitet haben. Ob es so funktioniert, wie sie sich das vorgestellt haben. Und ob die Festveranstalter und - besucher mit der Darbietung zufrieden sind. «Wäre dieses Kribbeln nicht, dann sollte man aufhören», sagt der grossgewachsene junge Mann mit dem Mehrtagebart.

Vorbereitungen für das Schlieremer Feuerwerk.

Vorbereitungen für das Schlieremer Feuerwerk.

Das Feuerwerk, dass sich Hannemann und sein Team für das Schlierefäscht ausgedacht haben, ist auch für den Pyrotechniker mit der Zulassung für Grossfeuerwerke eine ziemliche Herausforderung. «Das Festgelände ist kreuz und quer über die Stadt verteilt», sagt der junge Tätschmeister bei einer kurzen Verschnaufpause auf einem Bänkchen vor dem Stadthaus. Es dauert noch einige Stunden, bis das Feuerwerk startet, doch Hannemann ist die Anspannung anzumerken. Seit sieben Uhr ist er auf den Beinen und seither hat er sich nicht hingesetzt.

Ein Feuerwerk der Emotionen

Kein Wunder, laufen bei ihm doch alle Fäden zusammen. Und das sind viele: Das Feuerwerk wird gestaffelt von fünf verschiedenen Standorten in den Himmel geschossen: Vom Stadthaus und zwei weiteren Gebäuden im Stadtzentrum, vom Platz des Schulhauses Hofacker und von einer Wiese am südlichen Rand der Stadt. Den Anfang machen allerdings Feuershows auf den Festbühnen — sie sollen die Aufmerksamkeit der Besucher auf das bevorstehende Feuerwerk lenken. «Ich will Emotionen erzeugen», sagt Hannemann, während seine zehn Mitarbeiter die letzten Arbeiten erledigen: Die Feuerwerksbatterien an den richtigen Stellen positionieren und sichern, Bomben, Raketen und Böller verkabeln und mit Zündmodulen verbinden.

Für die Emotionalität haben Hannemann und sein Team in den Monaten der Vorbereitung das Feuerwerk auf einem Storyboard aufgezeichnet — ähnlich wie einzelne Filmszenen. Denn die Show ist eng getaktet, die einzelnen Elemente sind genau aufeinander abgestimmt: Drei Minuten Feuershow auf den Bühnen, dann jeweils drei Minuten Feuerwerk von den Dächern und vom Schulhausplatz und zum Abschluss die grossen Kugelbomben von der Wiese.

Rund eine Tonne Feuerwerk wird in 12 Minuten gezündet. Kein Wunder sind auch die Sicherheitsvorkehrungen äusserst hoch: Die Abschuss-Standorte sind weiträumig abgesperrt und werden von Sicherheitsleuten bewacht, die Feuerwerke werden von der kommunalen Feuerpolizei und einer Fachfrau des Kantons abgenommen, die Feuerwerke abgeschirmt, für den Fall, dass sie umkippen oder explodieren sollten. «Es kann immer was passieren», sagt Hannemann. Allerdings sei das Geschäft nicht gefährlich.

Sicherheit hat Vorrang

«In zehn Jahren haben wir mehr Unfälle auf Strassen gesehen, als bei Feuerwerken.» Trotzdem: Vorsicht geht vor Nachsicht: Wenn das Feuerwerk läuft, werden allein auf und ums Areal des Schulhauses sechs Polizisten und zwei Feuerwehrmänner dafür sorgen, dass die Zuschauer nicht zu nahe an die «Abschussrampe» kommen. «Die Leute machen meist den Fehler, und wollen möglichst nahe an die Abschusstelle», weiss Hannemann. Was wenig Sinn mache, weil sie sich dann den Hals verdrehen müssten, um die Show am Himmel zu sehen.

Wie viel das Feuerwerk gekostet hat, will der Pyrotechniker nicht verraten: «Kundenschutz», sagt er dazu. Was bekannt ist: Die Detaillisten von Pro Schlieren haben dafür 18000 Franken gesammelt. Einen Gewinn mache er zwar mit dem Verkauf von Feuerwerk, aber nicht mit der Organisation von Shows, sagt Hannemann. «Dafür sind die Kosten für Helfer, Sicherheit und Material zu hoch.» Doch der schönste Lohn sei ohnehin, «wenn die Leute applaudieren und wir die Kinder zum Staunen und Lachen bringen können.»